Ärzte Zeitung online, 15.08.2017
 

Kostenstrukturanalyse

Auch auf der Kostenseite liegt der Gewinn

Ein Kommentar von Hauke Gerlof

Die aktuelle Kostenstrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) scheint auf den ersten Blick die typisch triste Kassenarztrealität wiederzugeben: Binnen vier Jahren, von 2011 bis 2015, sind die Umsätze von Arztpraxen gerade einmal um fünf Prozent gestiegen. Die Zahlen aus Kassenarzttätigkeit sehen immerhin mit einem Plus von 7,5 Prozent etwas besser aus. Aber auf vier Jahre gerechnet, ist auch dies kaum mehr als die Inflationsrate, die im selben Zeitraum bei insgesamt knapp fünf Prozent gelegen hat. Alle Einnahmearten zusammengenommen, sind die Umsätze damit real gerade einmal stabil geblieben.

Trotz steigender Personalaufwendungen sind allerdings die Kosten je Praxis in den vier Jahren des Untersuchungszeitraums vollkommen stabil geblieben, das heißt, nach Abzug der Inflation real sogar gesunken. Sie liegen im Durchschnitt über alle Praxen weiterhin bei 249.000 Euro. Das ist letztlich der Grund dafür, dass die Reinerträge je Praxis laut Destatis im Durchschnitt stärker gestiegen sind als die Umsätze – nämlich über alle Fachgruppen doppelt so schnell wie die Inflation.

Bäume wachsen nicht in den Himmel

Aber trotz niedriger Inflationsraten wachsen die Bäume bei den niedergelassenen Ärzten nicht in den Himmel. Zu den stabilen Kosten können auch die geringen Investitionen in den vergangenen Jahren beigetragen haben; die mindern die notwendigen Abschreibungen und schönen die Bilanz – vorübergehend. Diese These vertritt beispielsweise das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung seit Jahren. Konsequenz wäre, dass Vertragsärzte auf Kosten der in den Jahren zuvor aufgebauten Substanz leben.

Doch das allein kann es nicht sein, angesichts der zumindest in den nicht-technischen Fächern traditionell eher niedrigen Abschreibungen. Vielmehr deuten die Zahlen an, dass die Ärzte in den Praxen offenbar die Kosten gut im Griff halten und so ihren Gewinn zu steigern in der Lage sind. Allgemeinärzte haben hier in den vergangenen Jahren anscheinend an besonders vielen Schrauben gedreht: Wie auch bei Zahnärzten, sind die Reinerträge in Hausarztpraxen doppelt so schnell gestiegen wie im Durchschnitt aller Praxen.

Honorarpolitik scheint zu wirken

Damit liegen Hausärzte zwar immer noch unter dem Durchschnitt aller Ärzte. Aber die honorarpolitischen Entscheidungen der vergangenen Jahre, zusammen mit dem Unternehmergeist der Praxisinhaber, scheinen doch zu wirken.

Sorgen bereiten eher die Zahlen bei den Psychotherapeuten, bei denen der Reinertrag nochmals gesunken ist, auf nunmehr 66.000 Euro. Immerhin: Hier hat es ja 2016 einige Nachbesserungen gegeben, deren Wirkung aber noch nicht abschätzbar ist.

Lesen Sie dazu auch:
Statistik: Allgemeinärzte steigern ihre Reinerträge

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