Ärzte Zeitung, 05.12.2010

Kommentar

Kein Grund zu Internet-Panik

Von Martin Wortmann

Nicht nur in der US-Regierung und bei der FDP sorgt das Internet derzeit für Entsetzen, auch bei der Bundeszahnärztekammer. Ihre Reaktion auf das Urteil des Bundesgerichtshofs zur Internetplattform "2te-zahnarztmeinung.de" klingt wie ein verzweifeltes letztes Aufbäumen gegen die Realität.

Vertrauen ist wichtig, das muss kein Zahnarztfunktionär den Patienten erzählen. Vertrauen, Freundlichkeit, Lage, Wartezeiten - es ist aber eine ganze Gemengelage, die letztendlich zur Arztwahl führt. Dort wo es um den eigenen Geldbeutel geht, fließt auch der Preis mit ein. Das war auch ohne Internet so. Zu Panik besteht kein Anlass.

Niemand wird eine Psychotherapie oder eine Schwangerschaftsberatung allein nach dem günstigsten Angebot wählen. Je größer aber bei einer Behandlung das Gewicht von Geräten und handwerklicher Routine ist, desto wichtiger wird auch der Preis. Ärzte, die dies als Angriff und Misstrauenserklärung werten, verpassen die Chance, sich mit fairen Angeboten zu positionieren.

Fair reicht, niemand muss der Billigste sein. Auch im Internet schauen die Verbraucher längst nicht mehr nur auf den Preis.

Lesen Sie dazu auch:
Bundeszahnärztekammer: Patient wird auf Auktionsportalen zur Handelsware

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