Ärzte Zeitung, 11.02.2015

Pressefreiheit

Zahnarzt hatte Berichte zu erdulden

Ärzte müssen sich Presseberichte über staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gefallen lassen, in denen sie zwar nicht genannt, aber anhand anderer Informationen zu ermitteln sind.

KARLSRUHE. Im Sommer 2014 hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen einen Pforzheimer Zahnarzt aufgenommen. Aus reinem Gewinnstreben soll er gesunde Zähne gezogen und durch Implantate ersetzt haben.

Auch verschiedene Medien berichteten über die Ermittlungen. Danach hatte der Zahnarzt seinen Patienten bis zu 17 Zähne gezogen. Die Rechnungen erreichten teilweise fünfstellige Summen.

Mit mehreren Unterlassungsanträgen wandte sich der Zahnarzt gegen einen der Berichte in der "Pforzheimer Zeitung". Dort sei zwar sein Name nicht genannt worden. Anhand anderer Angaben sei es aber möglich, seinen Namen im Internet zu recherchieren.

Dies muss der Zahnarzt hinnehmen, urteilte nun das Oberlandesgericht Karlsruhe. Der Artikel sei von der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur sogenannten Verdachtsberichterstattung gedeckt.

Die Pressefreiheit und das Informationsinteresse der Öffentlichkeit hätten Vorrang vor dem Schutz der Persönlichkeitsrechte des Zahnarztes.

Nach Medienberichten hätten sich einige Pforzheimer Zahnärzte sogar gewünscht, der Kollege würde mit vollem Namen genannt. So fürchten sie, die Berichterstattung könne auch auf sie zurückfallen, wenn sie Patienten Implantate empfehlen. (mwo)

Oberlandesgericht Karlsruhe Az..: 6 U -130/14, 6 U -131/14 und 6 U -132/14

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »