Ärzte Zeitung, 24.11.2016
 

Über 300.000 Euro Schaden?

Arzt wegen Abrechnungsbetrug vor Gericht

Nach jahrelanger Vorbereitung hat in Düsseldorf der Prozess gegen einen Zahnarzt begonnen, dem Abrechnungsbetrug in großem Stil vorgeworfen wird. Der Angeklagte vermutet eine Verschwörung.

Arzt wegen Abrechnungsbetrug vor Gericht

Die Düsseldorfer Uniklinik sieht sich um einen sechsstelligen Betrag von einem Arzt geschädigt.

© Jörg Hackemann/ Fotolia

KÖLN. Ein ehemaliger Ärztlicher Direktor der Düsseldorfer Universitätskliniken muss sich jetzt vor dem Düsseldorfer Landgericht wegen des Vorwurfs der schweren Untreue verantworten.

Dem Mediziner – der noch immer Leiter der dortigen Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Endodontologie ist – wird vorgeworfen, für seine zahnärztliche Ambulanz Mitarbeiter der Uniklinik beschäftigt, aber in großem Umfang eigene Leistungen abgerechnet zu haben.

Durch die Beanspruchung vor allem eines Mitarbeiters sei der Uniklinik im Zeitraum 2006 bis 2011 ein finanzieller Schaden von rund 350.000 Euro entstanden, behauptet jedenfalls die Anklage.

Mit einer Mängelrüge versuchten die Verteidiger des 63-jährigen Zahnmediziners, zu Beginn der Verhandlung Mitte vergangener Woche den Prozess zu stoppen, das Gericht wies dieses Ansinnen jedoch zurück.

Wie lange der Prozess nun dauern wird, ist nach Angaben des Landgerichtes offen. Zunächst seien Verhandlungstermine bis Mitte Dezember angesetzt.

Klinik-Chef: Alle Verantwortlichen informiert gewesen

Der ehemalige Klinik-Chef hat bereits umfänglich zu den Vorwürfen gegen ihn ausgesagt. Über seine Privatambulanz in den Räumen der Universität seien alle Verantwortlichen informiert gewesen.

Tatsächlich sei es seine Bedingung gewesen, dass er die Ambulanz fortführen kann, als er 2006 zusagte, in einer für die Unikliniken schwierigen finanziellen Situation die ärztliche Gesamtleitung zu übernehmen.

Der Zahnarzt, der den größten Teil der Behandlungen in der Ambulanz übernommen hatte, sei aus der Lehre abgezogen gewesen und habe deshalb zur Verfügung gestanden. Der Mitarbeiter selbst wird sich zu dieser Darstellung allerdings nicht äußern, sondern macht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Racheakt des Rektors?

Ins Rollen gebracht hatte das Verfahren die Anzeige eines Krankenhausmitarbeiters beim Landeskriminalamt. Bereits im Februar 2012 wurden die Räume des damaligen Ärztlichen Direktors der Düsseldorfer Uniklinik durchsucht, 2013 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage.

Die Gerüchte, die vor allem regionale Medien zu den Hintergründen wiedergeben, werfen kein gutes Licht auf die Stimmung an den Unikliniken: Mal heißt es, der Ex-Chef vermute einen Racheakt eines ehemaligen Rektors, ein anderes Mal lässt ein Klinikmitarbeiter verbreiten, er habe sich verbal und physisch vom Angeklagten bedrängt gefühlt. (kab)

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