Ärzte Zeitung online, 03.04.2017

Lasik-Op

Private Kasse muss zahlen

Wann Fehlsichtigkeit eine Krankheit ist, entscheidet in der PKV nicht medizinischer Sachverstand, sondern das Verständnis des Versicherungsnehmers.

KARLSRUHE. Private Kassen müssen das Augenlasern bezahlen, wenn eine Fehlsichtigkeit das Lesen und Autofahren deutlich beeinträchtigt. So befand jetzt der Bundesgerichtshof (Az.: IV ZR 533/15). In dem konkreten Fall hatte sich eine kurzsichtige Frau aus Baden-Württemberg einer sogenannte Lasik-Operation unterzogen. Sie hatte zuvor minus 3,0 und minus 2,75 Dioptrien. Die Kosten der Behandlung in Höhe von 3500 Euro forderte sie bei ihrer privaten Krankenversicherung ein. Die lehnte das ab.

Die Versicherungsbedingungen entsprachen den Musterbedingungen der privaten Krankenversicherer, wonach Versicherungsfall "die medizinisch notwendige Heilbehandlung einer versicherten Person wegen Krankheit oder Unfallfolgen" ist. Ein vom Amtsgericht Heidelberg beauftragter Gutachter erklärte, von einer "Krankheit" könne hier nicht gesprochen werden. Eine gewisse Fehlsichtigkeit sei in mittlerem und höherem Alter völlig normal. Von einem krankhaften Zustand der Augen werde nach internationalen Standards erst ab minus 6,0 Dioptrien gesprochen. Amts- und Landgericht Heidelberg wiesen die Klage daher ab.

Der Bundesgerichtshof hob diese Urteile nun aber auf und gab der Klägerin recht. Zur Begründung betonten die Karlsruher Richter, "das Verständnis in medizinischen Fachkreisen" sei hier nicht der Maßstab. Vielmehr komme es "auf das Verständnis eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers an". Dieser gehe aber davon aus, "dass zum Normalzustand der Sehfähigkeit ein beschwerdefreies Lesen und eine gefahrenfreie Teilnahme am Straßenverkehr gehört". Wenn diese Fähigkeiten deutlich beeinträchtigt sind, würden Versicherungsnehmer daher auch davon ausgehen, dass eine Krankheit vorliegt.

Auf eine Brille oder auf Kontaktlinsen könnten die Versicherer aber nicht verweisen, betonte der BGH. Es sei zwar üblich, Sehhilfen zu tragen. Diese seien aber keine Heilbehandlung, sondern "lediglich Hilfsmittel". Und: Die Versicherungsbedingungen machten die Kostenerstattung für eine notwendige Heilbehandlung an keiner Stelle davon abhängig, ob der Versicherungsnehmer stattdessen auch auf Hilfsmittel zurückgreifen könnte. (mwo)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Doping nicht nur im Spitzensport

Bei Doping denken viele an gefallene Stars. Aber der Sport ist ein Abbild der Gesellschaft. Auch viele Breitensportler greifen zu unerlaubten Mitteln. mehr »

Warten auf den Arzt

Wie lange die Wartezeit in einer Arztpraxis beträgt, hängt nicht nur mit dem Fachgebiet des Arztes zusammen, sondern auch mit der Versicherung und dem Standort, so eine Patientenbefragung. Wer wartet wo wie lange? mehr »

Vorstufe für Bundespflegekammer

Die Pflegekräfte wollen mehr Einfluss – nun haben sie die Vorstufe für eine Bundespflegekammer gegründet. Sie wollen damit ihre Position gegenüber Ärzten stärken. mehr »