Ärzte Zeitung online, 12.09.2018

Bundesfinanzhof

Kassenprämie mindert Steuerabzug

Ein Wahltarif mit Selbstbeteiligung in der GKV ist auch für den Fiskus von Vorteil.

MÜNCHEN. Wie in der PKV freut sich der Fiskus auch in der GKV über Tarife mit Selbstbehalt. Denn auch hier gilt eine von der Kasse gezahlte "Prämie" als Beitragsrückerstattung, die von den steuermindernden Krankenversicherungsbeiträge abzuziehen sind, wie jetzt der Bundesfinanzhof in München entschied.

Der Kläger hatte einen Wahltarif mit einer jährlichen Selbstbeteiligung bis zu 550 Euro gewählt. Wenn er keine oder nur wenige Leistungen in Anspruch genommen hatte, erhielt er zu Beginn des Folgejahres bis zu 450 Euro als "Prämie" zurück. Bei hohen Gesundheitsausgaben entfällt die Prämie, und der Versicherte zahlt bis zu 100 Euro jährlich drauf.

Das Jahr 2013 lief gesundheitlich für ihn blendend, so dass er 2014 die volle Prämie von 450 Euro erhielt. Im selben Jahr zahlte er dann Beiträge in Höhe von insgesamt fast 4000 Euro. Diese Beiträge machte er in seiner Steuererklärung in voller Höhe als steuermindernde Sonderausgaben geltend. Das Finanzamt erkannte dies nicht voll an. Es minderte die Sonderausgaben um die "Prämie" der Krankenkasse in Höhe von 450 Euro.

Zu Recht, wie nun der BFH entschied. Die "Prämie" sei komplett "mit den klassischen Beitragsrückerstattungen der privaten Krankenversicherung" vergleichbar, die ebenfalls zu einem geringeren Sonderausgaben-Abzug führten. "In beiden Fällen erhält der Versicherte eine Zahlung von seiner Krankenkasse, da diese von ihm nicht oder in einem geringeren Umfang in Anspruch genommen wurde. Dadurch werden im Ergebnis seine Beitragszahlungen reduziert."

Das Bundessozialgericht in Kassel hatte 2011 solchen Selbstbehalt-Tarifen in der GKV enge Grenzen gesetzt. Danach müssen sich solche Tarife selbst tragen und müssen Pflicht- und freiwillig Versicherte gleichbehandeln; für mitversicherte Familienangehörige sind sie unzulässig . (mwo)

Bundesfinanzhof

Az.: X R 41/17

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

Etwa elf Prozent aller Frauen leiden im ersten Jahr nach der Geburt an Depressionen. Unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist der Anteil fast doppelt so hoch. mehr »

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie sie für eine Impfung gewonnen werden sollen, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Dr. Axel Schroeder. mehr »