Ärzte Zeitung online, 30.01.2014

Thüringen

Wirtschaftlichkeitsprüfung legt Praxen lahm

Bis zu zwei Wochen können Ärzte in Thüringen teilweise keine Patienten behandeln, weil sie bei einer Wirtschaftlichkeitsprüfung Rede und Antwort stehen müssen. Das geht dem Hartmannbund zu weit.

ERFURT. Der Hartmannbund in Thüringen kritisiert die Qualität der Wirtschaftlichkeitsprüfungen bei den niedergelassenen Ärzten.

Der Landesvorsitzende Rolf-Christian Hänse sagte laut MDR, die gemeinsame Prüfstelle der KV Thüringen (KVT) und der Krankenkassen gehe "häufig völlig schematisch und leidenschaftslos" vor.

Dadurch entstehe ein immenser Aufwand in den Praxen. Es diene nicht der Patientenversorgung, wenn "Ärzte für diesen Prüfwahnsinn ihre Praxen mehrere Tage schließen müssen". Beispielsweise habe eine Hausärztin bei Gotha wegen einer Zufälligkeitsprüfung eine Woche keine Patienten behandeln können.

Die Allgemeinmedizinerin musste demnach 192 Medikamentenverordnungen aus den Jahren 2009 und 2010 detailliert begründen, bestätigte Sven Auerswald, Hauptgeschäftsführer der KVT. Er verwies auf die gesetzliche Prüfpflicht. Gerade die Zufälligkeitsprüfungen seien sehr aufwendig.

Die Betroffenen müssen laut Auerswald für bis zu 500 Behandlungsfälle, die bis zu vier Jahre zurück liegen, die Gründe für die verordneten Medikamente erläutern.

Die geprüften Praxen würden von bis zu zwei Wochen Arbeitsaufwand berichten. Derzeit sind in Thüringen 28 Hausärzte, hausärztliche Internisten und Kinderärzte sowie 15 Fachärzte von Zufälligkeitsprüfungen betroffen. (rbü)

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