Ärzte Zeitung online, 16.08.2017
 

Regionale Prüfvereinbarungen

Arznei-Quoten sollen Bayerns Ärzte vor Regress schützen

In Bayern verordnen Ärzte Medikamente gemäß einer Wirkstoffvereinbarung. Nun soll bald eine neue Vereinbarung folgen, für Heil- und Hilfsmittel.

Von Christina Bauer

MÜNCHEN. Die Wirkstoffvereinbarung ist in Bayern inzwischen fester Bestandteil des Verordnungsalltags. Vor drei Jahren von KVB und Kassen ausgehandelt, gilt sie seit Dezember 2014. Sie gibt im Wesentlichen vor, wie viele Generika Ärzte anteilig verordnen sollen.

Sofern es keine Generika gibt, werden Leitsubstanzen vorgegeben. Insgesamt wurden bisher für 31 Arznei-Gruppen entsprechende Quoten festgelegt. Rabattierte Arzneien gelten als gleichwertig. Die Vereinbarung soll den Deckel auf dem GKV-Arznei-Budget halten und Vertragsärzte vor Regressen schützen.

Die Zielwerttabelle wird immer wieder leicht ergänzt oder abgeändert. Zuletzt kam im Dezember 2016 ein Leitsubstanzziel für Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) hinzu. Damit gibt es derzeit 23 Generikaziele, etwa für Analgetika, Antibiotika und Antidiabetika, und acht Leitsubstanzziele, etwa für ADHS-Therapeutika, MS-Therapeutika und TNF-alpha-Blocker.

Die Mengenziele werden definiert über die "Defined Daily Dose" (DDD) einer Wirksubstanz pro Patient. Diese Angaben stammen aus der deutschen Fassung der ATC-Klassifikation und des Systems der Definierten Tagesdosen des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI).

Infos für Ärzte

Ärzte werden regelmäßig aktuell informiert und können zudem bei KVB-Beratern Einzelheiten erfragen. Ihnen soll die Wirkstoffvereinbarung vor allem Klarheit bringen. In früheren Jahren waren wiederholt gerade solche Praxen vom Regress bedroht, die ihre Patienten intensiv versorgen.

Insbesondere betraf das Landärzte, die Patienten auch Arzneien verordnen, die in der Stadt oft von Fachärzten verschrieben werden. Dies hatte zu viel Unmut geführt. Umso mehr gilt nun die Devise "Vorher steuern statt nachher prüfen".

Prüfungen werden zurückhaltend gehandhabt. Primär wird die Gesamtgruppe der Vertragsärzte geprüft. Erreichen sie die Zielwerte, entfallen Einzelprüfungen. Gibt es Abweichungen, sind die Fachgruppen an der Reihe. Erreicht zumindest die Fachgruppe die Vorgaben, wird dort kein Arzt geprüft.

Übererfüllte Ziele können nicht-erfüllte ausgleichen

Nur wenn weder Gesamt- noch Fachgruppe die Zielwerte erreichen, wird für den einzelnen Arzt das individuelle Gesamtziel angeschaut. Dabei können übererfüllte Ziele andere, nicht-erfüllte ausgleichen.

Verordnet die Praxis also beispielsweise bei den Analgetika zu 100 Prozent Generika, kann das ein Zuviel an Original-Antibiotika ausgleichen. Zusätzlich können individuelle Praxisbesonderheiten berücksichtigt werden. Zeichnet sich trotz allem eine Rückforderung ab, gilt "Beratung vor Regress". Im Sommer 2016 wurde der Leitsatz durch einen Schiedsspruch des Landesschiedsamtes nochmals gestärkt: Droht Regress, ist ein persönliches Beratungsgespräch Pflicht.

Davon bekommt der Arzt ein schriftliches Protokoll. Er ist berechtigt, Widerspruch einzulegen. Wird dieser abgewiesen, kann ein Regress erst im Quartal nach Erhalt des Bescheids erfolgen. Damit werden die früher als besonders bedrohlich gefürchteten "Endlos-Regresse" verhindert.

Regress-Gefahr besteht aber offenbar ohnehin kaum. Die KVB präsentierte jüngst Zahlen, denen zufolge die Quoten durchgängig eingehalten werden. Es werden sogar mehr Generika, Leitsubstanzen und Rabatt-Arzneien verordnet als vorgegeben.

Seit Längerem strebt die KVB nun eine ähnliche Vereinbarung für Heil- und Hilfsmittel an. Derzeit finden Gespräche mit den Krankenkassen statt. Wann es eine konkrete Vereinbarung geben könnte, ist aber noch unklar.

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