Ärzte Zeitung App, 05.01.2015

Heilmittel

Geldsegen der Privatpatienten

Die Behandlung von Privatpatienten beschert den Heilmittelerbringern laut einer Untersuchung rein rechnerisch einen durchschnittlichen Mehrumsatz von 13.300 Euro pro Praxis.

KÖLN. Die Budgetierung der Ausgaben für Heilmittel in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zeigt Wirkung: Kassenpatienten erhalten eine deutlich eingeschränktere Versorgung mit Heilmitteln als Privatversicherte.

Nach einer aktuellen Studie des Wissenschaftlichen Instituts der privaten Krankenversicherer (WIP) geben die PKV-Unternehmen zweieinhalb Mal so viel für Physiotherapie, Ergotherapie und weitere Heilmittel aus, als es die GKV bei diesen Versicherten tun würde.

Die Behandlung von Privatpatienten beschert den Heilmittelerbringern nach der Untersuchung rein rechnerisch einen durchschnittlichen Mehrumsatz von 13.300 Euro pro Praxis.

Die Autorin Verena Finkenstädt, wissenschaftliche Mitarbeiterin des WIP, stellt in der Studie die unterschiedlichen Verordnungsbedingungen und die Ausgaben für Heilmittel in PKV und GKV gegenüber. "In der Heilmittelversorgung kommen die Systemunterschiede zwischen PKV und GKV besonders deutlich zum Tragen", schreibt sie.

GKV: Reglementierter und begrenzter Rahmen

Die Versorgung sei in der GKV wesentlich reglementierter und begrenzter. Leistungsausschlüsse und -einschränkungen, Richtgrößen und Regressandrohungen führten zu einer Rationierung der Versorgung. "Mehr als in anderen Leistungsbereichen wirkt die GKV hier massiv auf das Verordnungsverhalten des Arztes ein."

Die "umfangreichere und individuelle Versorgung" in der PKV schlage sich in entsprechend höheren Heilmittelausgaben nieder, berichtet Finkenstädt.

Im Jahr 2013 beliefen sich die Ausgaben der PKV-Unternehmen für Heilmittel auf knapp 1,6 Milliarden Euro. In der GKV, die fast 90 Prozent der Bevölkerung versichert, waren es 5,6 Milliarden Euro.

Beide Zahlen sind Brutto-Werte, also inklusive Selbstbehalte beziehungsweise Zuzahlungen. Nach der Untersuchung sind die Ausgaben pro Versicherten in jeder Altersgruppe in der PKV deutlich höher, wobei die Differenz mit dem Alter zunimmt.

Finkenstädt hat errechnet, wie viel die gesetzlichen Krankenkassen unter ihren Bedingungen für die Versorgung der PKV-Versicherten ausgegeben hätten und ist auf einen Betrag von 618 Millionen Euro gekommen. Das ergibt einen "Mehrumsatz" durch Privatversicherte von 936 Millionen Euro im Jahr 2013.

Verteilt auf 70 360 Heilmittelerbringer - davon allein mehr als 45 000 Physiotherapeuten - macht das ein durchschnittliches Plus von 13 300 Euro pro Praxis. (iss)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Schützt Blutdrucksenkung auch vor Demenz?

Bei medikamentöser antihypertensiver Therapie war in einer US-Studie das Demenzrisiko deutlich reduziert. Das könnte eine Hoffnung für Demenz-Patienten sein. mehr »

Hausärzte zur Kooperation mit Pflegeheimen verpflichtet

Union und SPD bringen ihr zweites Gesetzespaket in der Gesundheitspolitik auf den Weg. Es geht um ein Milliarden Euro schweres Pflege-Programm. mehr »

"Keine Angst, man schläft nicht in der Praxis!"

Zwei Mediziner mit eigener Praxis berichten Jungärzten offen von Licht und Schatten der Niederlassung. mehr »