Ärzte Zeitung online, 10.10.2017

Skonti-Urteil

Großhandel warnt vor Lieferausfällen

Der Großhandelsverband Phagro sieht die kostendeckende Distribution niedrigpreisiger Arzneimittel in Gefahr. Jetzt sei der Gesetzgeber gefordert.

BERLIN. Das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofs zu Skonti und Rabatten des Pharmagroßhandels an die Apotheken, lässt beim Branchenverband Phagro die Alarmglocken schrillen. Das Urteil öffne "einem ungleichen Wettbewerb Tür und Tor", heißt es. Hinter dieser etwas vagen Formulierung steht die Befürchtung, dass insbesondere vollversorgende Großhändler dem jetzt erwartungsgemäß anziehenden Konditionendruck der großen Apotheker-Einkaufsgemeinschaften nicht lange werden standhalten können.

Wie berichtet, hatte der BGH sowohl die variable Großhandelsspanne als auch den fixen Zuschlag von 70 Cent je Packung für Rabatte an die Apotheken freigegeben. Das seit 2012 geltende Packungs-Fixum, erinnert der Phagro-Vorsitzende Dr. Thomas Trümper, sei aber eigens zu dem Zweck eingeführt worden, "dass auch niedrigpreisige Arzneimittel kostendeckend distribuiert werden können". Nur so sei der Großhandel in der Lage, seinem gesetzlichen Sicherstellungsauftrag flächendeckend nachzukommen, ohne draufzuzahlen. Ohne Vollversorger, "die schnell liefern, was nachgefragt wird", könnten auch die Apotheken "ihren Versorgungsauftrag nicht erfüllen", ergänzt Phagro-Sprecherin Bernadette Sickendiek. Eine Apotheke verfüge im Schnitt über 6000 bis 8000 Lagerpositionen, ein vollversorgender Grossist über 80.000 bis 100.000. Das BGH-Urteil, so Sickendiek, begünstige "Rosinenpickerei mit Schnelldrehern". Trümper fordert deshalb die Regierung zur "Schadensbegrenzung" auf. Der Gesetzgeber solle "umgehend klarstellen, dass der Festzuschlag von 70 Cent in der Arzneimittelpreisverordnung nicht rabattierfähig ist".

Da die Arzneimittelpreisverordnung in der Hoheit des Wirtschaftsministeriums liegt, müsste dazu nicht mal die Regierungsneubildung abgewartet werden. (cw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Der Albtraum vom Nicht-Schlafen

Schlaflosigkeit lässt sich kaum nachweisen. Forscher zeigen: Schlaflose Nächte finden oft nur im Traum statt. Das macht sie nicht weniger belastend, ermöglicht aber neue Therapien. mehr »

Das Kassenpolster wächst und wächst

Die Kassen der Krankenkassen füllen sich weiter: Im ersten Quartal 2018 steht ein Überschuss von über 400 Millionen Euro zu Buche. Zudem fällt das Jahresergebnis für 2017 viel besser aus als gedacht. mehr »

Vergessen Sie keine Labor-Kennnummer!

Mit der Laborreform haben sich Änderungen bei den Ausnahmekennnummern ergeben. Um nicht den Wirtschaftlichkeitsbonus zu gefährden, sollten Sie die neuen Regeln kennen - und insbesondere auf drei Punkte achten. mehr »