Ärzte Zeitung, 24.07.2008

INTERVIEW

Förderung der Wettbewerbsfähigkeit steht im Mittelpunkt

Beim Zugang zu öffentlichen Förderprogrammen ist die Agentur Norgenta, eine Marketinggesellschaft der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, behilflich. Hans Kuhn ist Ansprechpartner für Unternehmen aus der Life Science-Branche im Norden, die sich um öffentliche Fördermittel für Innovationen bemühen. Im Gespräch mit Dirk Schnack, Mitarbeiter der "Ärzte Zeitung", stellt Kuhn eine zunehmende Gründungsaktivität in der Medizin- und Biotechnologie fest.

 Förderung der Wettbewerbsfähigkeit steht im Mittelpunkt

"Innovation ist der Werttreiber in der Medizin und in der Biotechnologie." Hans Kuhn Head of Life Science Projects, Norgenta

Ärzte Zeitung: Wie viele Forschungs- und Entwicklungsprojekte werden im Jahr in den Life Sciences in Hamburg und Schleswig-Holstein gefördert?

Kuhn: Die Fördereinrichtungen der Länder fördern in den Life Sciences rund ein Dutzend Forschungs- und Entwicklungsprojekte in der Medizintechnik, Biotechnologie und innovativen Medizin.

Ärzte Zeitung: Reichen die Mittel aus, um alle Wünsche zu befriedigen?

Kuhn: Bei der Förderung geht es weniger um die Befriedigung von Wünschen, als um die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Hamburg und Schleswig-Holstein. Das wird durch die Förderung von Forschung und Entwicklung und durch Kooperation zwischen Unternehmen und Hochschulen erreicht. Sicherlich könnten mehr Mittel eingesetzt werden, etwa für größere Projekte - ein korrigierender Faktor ist hier jedoch die Finanzkraft der Unternehmen, weil die öffentliche Hand nur bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten tragen kann.

Ärzte Zeitung: Wie stark wird Ihr Angebot von Existenzgründern und Unternehmen aus dem Medizin- und Biotechnologiebereich nachgefragt?

Kuhn: Norgenta betrachtet schwerpunktmäßig die Branchen Medizintechnik und Biotechnologie, wir können daher nur bedingt mit anderen Branchen vergleichen. Gleichwohl lässt sich feststellen, dass auch gestärkt durch den Hightech-Gründerfonds wieder zunehmend Gründungsaktivität in diesen Hochtechnologien stattfindet.

Ärzte Zeitung: Ist dieser Sektor im Vergleich zu anderen Branchen innovationsfreudiger?

Kuhn: Sicher ist in der Medizin und in der Biotechnologie Innovation der Werttreiber, der der positiven Positionierung von Unternehmen dient.

Ärzte Zeitung: Was könnte Firmengründungen und Produktinnovationen in der Branche noch befördern?

Kuhn: Eine stärkere Verknüpfung von biotechnologischen und medizintechnischen Verfahren birgt unserer Ansicht nach hohes Potenzial für Innovationen und neue Produkte.

Ärzte Zeitung: Was müssen Antragsteller beachten?

Kuhn: Antragsteller sollten Projekte in der innovativen Biomedizin sehr frühzeitig an die Förderinstitutionen kommunizieren oder auch mit Norgenta Kontakt aufnehmen. Erfahrungsgemäß lässt sich bereits in den ersten Gesprächen klären, ob und - wenn ja - welche Förderinstrumente für das jeweilige Forschungs- und Entwicklungsprojekt in Frage kommen.

Ärzte Zeitung: Warum sind Banken so zögerlich bei der Kreditvergabe geworden - sind Innovationen im Medizin- und Biotechnologiebereich so risikobehaftet?

Kuhn: Innovative Vorhaben vor allem in der biomedizinischen Entwicklung haben sowohl eine sehr lange Laufzeit bis zur Vermarktung als auch ein hohes Ausfallrisiko. Verfahren im Labormaßstab müssen den realen Anwendungen zum Beispiel in der Klinik - Diagnostik oder Therapie -standhalten. Hierfür sind viele Tests notwendig, an denen ein neues Produkt auch scheitern kann. Diese Situation ist für Banken wie für die Fremdkapitalfinanzierung wenig attraktiv. Hinzu kommt, dass oft gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen innovative Projekte haben, jedoch im Bankenrating wenig attraktive Konditionen für eine Finanzierung bekommen können. Hier setzt die Förderung der öffentlichen Hand an - ersetzt aber andere Finanzierungsinstrumente wie Venture Capital oder Finanzierung durch private Investoren nicht.

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