Ärzte Zeitung, 15.04.2011

Grünenthal setzt kompromisslos auf Innovation

Eine Quote von 15 bis 20 Prozent für Forschung und Entwicklung - das ist üblich bei forschenden Pharmaherstellern. Mit ge- planten 30 Prozent in diesem Jahr und 34 Prozent für 2013 geht Grünenthal weit darüber hinaus.

Von Christoph Winnat

Grünenthal setzt kompromisslos auf Innovation

Grünenthal konzentriert seine Forschung auf Schmerzmittel.

© Grünenthal

DÜSSELDORF. Das Familienunternehmen Grünenthal setzt kompromisslos auf Innovationen für die Schmerztherapie. Im Zuge dessen sind auch erhebliche Investitionen in Aachen vorgesehen. 100 Millionen Euro will der Arzneimittelhersteller an seinem deutschen Standort in den kommenden drei Jahren ausgeben und dort circa 100 neue Arbeitsplätze rund um die Ressorts Forschung und Entwicklung schaffen.

Das kündigte CEO Dr. Harald Stock am Mittwoch in Düsseldorf an. Stock bekräftigte das Ziel, alle fünf Jahre ein neues Schmerzmittel auf den Markt bringen zu wollen. Die dazu nötigen Mitteln seien mittelfristig durch die zurückliegenden Spartenverkäufe - unter anderem Dermatika-, Kontrazeptiva- und Antibiotika-Geschäft - sowie effizienzsteigernde Maßnahmen gesichert.

Darüber hinaus sei aber weiteres Wachstum nötig, um die kritische Umsatzgröße von 1,5 Milliarden Euro Jahresumsatz zu erreichen. Das erhofft sich Stock vor allem von dem neuen Schmerzmittel Tapentadol sowie der Expansion in Lateinamerika: "Das sind die beiden Wachstumshebel der kommenden Jahre".

Grünenthal GmbH

Branche: Forschendes Pharmaunternehmen im Familienbesitz. Rezeptpflichtige Analgetika

Sitz: Die Konzernzentrale hat ihren Sitz in Aachen. Zudem ist Grünenthal in 35 Ländern mit Gesellschaften vertreten.

Aktuelle Geschäftszahlen: Umsatz (2010): 910 Mio Euro (+ 3,3 %)

Mitarbeiter: ca. 4900 Mitarbeiter

Wichtigste Produkte (weltweit): Tramal® (Tramadol), Zaldiar® (Tramadol + Paracetamol), Transtec® (Buprenorphin), Norspan® (Buprenorphin), Versatis® (Lidocain), Palexia® (Tapentadol)

Forschung & Entwicklung: Investitionsquote (2010): 23 Prozent des Umsatzes

In Brasilien und Argentinien will Grünenthal eigene Vertriebsgesellschaften etablieren. Lateinamerika sei das zweite Standbein des Konzerns, so Stock. 2010 stiegen die Erlöse Grünenthals in der Region um 24 Prozent.

Die Einführung des zentral wirksamen Analgetikums Tapentadol (Palexia®/Nucynta®), das seit Oktober vergangenen Jahres auch in Deutschland zugelassen ist, laufe "deutlich besser als erwartet". Der Launch in Großbritannien steht unmittelbar bevor, im 2. Halbjahr soll die Einführung in Spanien und Italien folgen.

In den USA, wo Tapentadol seit 2009 zugelassen ist, wird von Vertriebspartner Johnson &  Johnson jetzt noch eine Retard-Version eingeführt.

Als letzten Schritt der Konzentration auf das Kerngeschäft Schmerz kündigte Stock den Rückzug aus den osteuropäischen und asiatischen Märkten an, in denen Grünenthal vor allem Narkotika absetzt.

Die Suche nach einem strategischen Partner für diese etwa 40 Länder - darunter Russland, Polen, Tschechien und Kroatien - sei bereits weit gediehen. Insgesamt gebe man durch die geplante Allianz einen Jahresumsatz von 65 Millionen Euro ab.

Unbereinigt um den Verkauf der Randgeschäfte nahm der Konzernumsatz 2010 um 3,3 Prozent auf 910 Millionen Euro zu. Im Kerngeschäft Schmerz stieg der Umsatz um sechs Prozent. Mit neun Prozent lag die Profitabilität vor Steuern (EBT-Marge) leicht unter Vorjahresniveau.

Rechnet man die Kosten für die Tapentadol-Einführung sowie die F&E-Ausgaben heraus, hätte sich die Profitabilität vor Steuern um einen Prozentpunkt auf 14 Prozent verbessert.

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