Ärzte Zeitung, 25.10.2012

BDI-Studie

Gesundheitsindustrie trotzt Wirtschaftskrise

Die Healthcare-Branche ist laut einer Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie für den Wirtschaftsstandort Deutschland von enormer Bedeutung. Auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler ist voll des Lobes - und fordert Veränderungen im Gesundheitssystem.

Gesundheitsindustrie trotzt Wirtschaftskrise

Wirtschaftsminister Philipp Rösler bescheinigt der Gesundheitswirtschaft enormes Wachstumspotenzial.

© Stephanie Pilick / dpa

BERLIN (wul). Von 2005 bis 2010 stieg die Bruttowertschöpfung von sieben der größten Healthcare-Unternehmen, darunter Bayer HealthCare, Boehringer Ingelheim, Merck KGaA und Sanofi-Aventis, um fast 40 Prozent und damit dreimal so stark wie in der deutschen Gesamtwirtschaft.

Das ist eine Erkenntnis der neuen Studie, die der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Donnerstag in Berlin präsentierte.

"Die industrielle Gesundheitswirtschaft und ihre Produkte werden häufig einseitig als Kostenfaktor wahrgenommen. Die mit der neuen Studie vorgelegten Zahlen belegen jedoch die Stärke der Branche", sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel.

Branche zeigt sich krisenresistent

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lobte die Krisenresistenz der Gesundheitswirtschaft: "Wie die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, bleiben die Arbeitsplätze, die in dieser Branche entstehen, erhalten und sind konjunkturunabhängig."

Auch die BDI-Studie zeigt, wie gut sich die Gesundheitsindustrie in der Krise geschlagen hat. Danach ist die Bruttowertschöpfung der gesamten deutschen Wirtschaft im Jahr 2009 um mehr als fünf Prozent, die des verarbeitenden Gewerbes sogar um über 22 Prozent eingebrochen.

Die sieben untersuchten Unternehmen konnten dagegen die Bruttowertschöpfung weitgehend konstant halten und "wirkten als Stabilitätsanker für den Wirtschaftsstandort Deutschland", heißt es in der Studie.

Neben ausgezeichneter Krisenresistenz bescheinigte Rösler der Branche enormes Wachstums- und Innovationspotenzial. Dabei hat sie aber nach Ansicht des Wirtschaftsministers das Grundproblem, dass der Gesundheitsmarkt sehr stark reguliert und so für neue Produkte und Innovationen nur schwer zugänglich ist.

Damit der Gesundheitsmarkt in Zukunft innovationsfreundlicher wird, sei eine Änderung der Strukturen im Gesundheitssystem unumgänglich.

Steuerliche Förderung von Forschung gefordert

Trotz der von Rösler kritisierten Überregulierung bewegen sich laut der BDI-Studie Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen der Gesundheitswirtschaft auf Spitzenniveau. Bezogen auf den Umsatz investierten die untersuchten Unternehmen im Jahr 2009 9,1 Prozent in Forschung und Entwicklung.

"Damit liegen sie fast gleichauf mit der forschungsintensiven Luft- und Raumfahrt mit 9,7 Prozent", sagte Dennis A. Ostwald, Geschäftsführer des WifOR-Instituts für Wirtschaftsforschung, das die Studie mit der TU Berlin durchgeführt hat.

Damit es auch in der Zukunft so bleibt, forderte Heinz Riederer, Geschäftsführer Medizin und Gesundheitspolitik bei der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH und Vorstand im BDI-Ausschuss für Gesundheitswirtschaft, steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung einzuführen und die Kriterien für Nutzenbewertung realistischer zu wählen.

[26.10.2012, 11:40:17]
Dr. Eberhard Wochele 
Und wer wohl trägt zur Gesundung der Gesundheitswirtschaft bei ?
Herr Rösler vergisst, dass das die Ärzte sind.
Fördern will er die Ärzte nicht.
Angemessen bezahlen auch nicht.
Ihnen die Arbeit erleichtern erst recht nicht.
Wie kurz muß man im Amt sein, dass man zur Basis den Kontakt verliert ?
Wer bedient denn die Geräte, wer verschreibt die Medikamente, wer nimmt die gesamte Verantwortung mit jeder verdammt geleisteten Unterschrift auf jedes Rezept und jedes Formular auf sich?
Herr Rösler, Ihre Prille sieht geputzt aus. Was stört Ihren Durchblick?
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