Ärzte Zeitung, 15.01.2013
 

Pharmaforschung

Die Produktivität nimmt wieder zu

Immer wieder ist von mauem Pipelinenachschub der Pharmaunternehmen zu hören. Die aktuellen Aussichten bestätigen diesen Befund jedoch nicht.

FRANFURT/MAIN. Vom "Innovation Gap" ist vielfach die Rede oder vom "Patent Cliff": Seit langem gilt Pharmaforschung in Analystenkreisen als wenig produktiv, die Branche insgesamt als schlecht vorbereitet auf Umsatzeinbrüche, die Blockbustern durch generische Konkurrenz drohen.

Zumindest was den Pipelinenachschub betrifft, scheint diese Einschätzung jedoch nicht mehr den Tatsachen zu entsprechen.

In einer mit "Pharma-Frühling?" betitelten Kolumne urteilte kürzlich etwa der Generalsekretär des Schweizer Pharmaverbandes Interpharma, Thomas Cueni: "Die Kritik an der fehlenden Innovationskraft der Branche muss aufgrund der jüngsten Statistiken der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA revidiert werden: Im letzten Jahr erhielten in den USA nicht weniger als 40 neue Moleküle, so viele wie nie seit 1997, die Arzneimittelzulassung".

Bereits 2011 hätten die Neuzulassungen "deutlich zugenommen", führt Cueni aus. Dabei handele es sich keineswegs um so genannte "me toos" sondern "in aller Regel um wichtige therapeutische Fortschritte".

Darunter seien auch immer mehr Medikamente gegen seltene Krankheiten, ein Anwendungsgebiet, auf dem sich - so ein weiteres gern gepflegtes Vorurteil - die Pharmaindustrie der geringeren Verkaufsmöglichkeiten wegen nur ungern engagiere.

Der Vorsitzende des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa), Dr. Hagen Pfundner, zeigte sich bei einem Pressegespräch Ende voriger Woche in Frankfurt gleichfalls überzeugt davon, dass "die F&E-Produktivität gestiegen ist". Das werde sich dieses Jahr anhand vieler Neueinführungen bestätigen.

Der vfa prognostiziert, dass 2013 mehr als 25 neue Pharmawirkstoffe in den deutschen Markt kommen; darunter Innovationen gegen Krebs, Infektionskrankheiten, MS und Diabetes. Rund ein Fünftel der neuen Produkte richte sich gegen Krebs, heißt es.

Drei davon seien der "Personalisierten Medizin" zuzuordnen, kämen also in Verbindung mit einem Diagnostikum. Gegen Altersdiabetes steht die Substanzklasse der Gliflozine in den Startlöchern, die eine Ausscheidung überschüssigen Blutzuckers über die Nieren bewirken.

Ein weiterer Schwerpunkt ist MS. Hier werden drei orale und ein zu injizierendes Präparat erwartet. Zudem sollen Innovationen gegen Tuberkulose und seltene Krankheiten wie Sehnerv-Schädigung, Venenverschluss-Syndrom, Infektionen bei Frühchen oder Verbrennungen kommen. (cw)

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