Ärzte Zeitung, 12.05.2014
 

USA

Schulterschluss für die Homöopathie

FRANKFURT/MAIN.NUSSBAUM. Der Anbieter Hevert-Arzneimittel startet nach eigenen Angaben eine Kooperation mit einer der ältesten und renommiertesten Institutionen für Naturheilkunde in Nordamerika, dem National College of Natural Medicine (NCNM) in Portland, Oregon.

Im Rahmen der Kooperation arbeiteten die Hochschule und Hevert an der Entwicklung eines Lehrplans für einen Masterstudiengang in Homöopathie und Komplexmittelhomöopathie. Weiter erhielten Absolventen finanzielle und praktische Unterstützung beim Etablieren einer eigenen Praxis.

Bis 2018 unterstütze Hevert mit insgesamt 495.000 US-Dollar verschiedene Programme der Hochschule zur Förderung von naturheilkundlicher Ausbildung. (maw)

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[14.05.2014, 11:51:41]
Dr. Edmund Berndt 
Homöopathie ein zertifizierter Aberglaube
Die Zertifizierung und die rechtliche Zulässigkeit gaukeln Wirksamkeit vor. Genau das ist der „wirksame“ Effekt von Diplomen, Schulungskursen in Homöoakademien etc.

Der Zertifizierungsschmäh ist gang und gäbe. Neben einer staatlichen Zertifizierung, die wie alle Zertifizierungen im Prinzip nur eben ein bestimmtes mehr oder weniger überprüfbares Procedere der Herstellung sicherstellen, kann jeder Verein irgendeine x-beliebige Zertifizierung erfinden und festlegen. Es gibt auch zertifiziertes Mondholz zu kaufen, ein Holz, dem nach allen Regeln der bürokratischen Künste bescheinigt wird, in einer bestimmten Mondphase geschlägert worden zu sein.

Sprichwörtlich bezeugt in jeder 2. Ordination eine Urkunde, dass hier zertifizierte Homöopathie von einem zertifizierten Homöopathie-Mediziner betrieben wird. So ein Homöopathiezertifikat ist wie eine Taufurkunde zu sehen. Es wird bestätigt, dass der Arzt offiziell an den Aberglauben Homöopathie glaubt, in diesem Aberglauben per Kurs geweiht wurde und jetzt die Ermächtigung besitzt, den Segen Hahnemans zertifiziert zu erteilen. Wenn Homöopathika in zertifizierten Betrieben aus zertifizierten Ausgansprodukten mit zertifizierten Hilfsstoffen also alles nach den zertifizierten Herstellungsregeln der GMP (Good Manufacturing Practise) hergestellt werden, sind sie noch nicht wirksam, aber lege arte hergestellt! GMP ist kein Wirksamkeitsbeweis und Ärztekammerdiplome auch nicht.

Homöopathische Zubereitungen werden behördlich registriert, das heißt, sie bekommen eine Registrierungsnummer und müssen maximal die Daten der Unbedenklichkeit und gewisse galenische Qualitätspunkte erfüllen. Für Arzneimittel, die zugelassen werden, muss die Wirkung belegt werden, für Homöopathika nicht.

Das Enthexen eines verrenkten Knie mit einem Affenknochen wirkt nicht mehr und nicht weniger, ob der Knochen im oder gegen den Uhrzeigersinn bei der magischen Zeremonie geschwenkt wird, würde unsereins sagen, nicht aber der Heilung Suchende Ureinwohner aus einem entlegenen Winkel der Welt und sein Medizinmann, aber man kann es zertifizieren (!!!!) und festlegen, dass es dann und nur dann „richtig „ gemacht wird, wenn man im Uhrzeigersinn fuchtelt und Begründungen dafür kann auch hier frei nach Robert Musil die „höhere Dummheit“ zu Hauf liefern!

Die Frage ist, was passiert, wenn ein verdeckter Wissenschaftsaktivist in einer Homöopathiefabrik heimlich unter notarieller Aufsicht die Potenzen durcheinander mischt? Beweisen kann dann niemand, ob er C30 Belladonna oder Arnika C200 in Händen hält. Ob dann der Boom so zusammenbricht wie der Glaube an Thor, nachdem Bonifatius die heilige Thoreiche fällte?
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[12.05.2014, 16:46:18]
Dr. Edmund Berndt 
HOMÖOPATHIE eine irre medizinische GLAUBENSLEHRE


Aufklärung und Bildung im Gegensatz zu den Grundlagen der Homöopathie

Die Betreuung, Erziehung und die Schul- und Universitätsbildung von Kindern und Jugendlichen hat zum Ziel, diesen nicht nur eine berufliche Ausbildung, sondern auch eine Bildung im klassischen Sinne der Aufklärung angedeihen zu lassen. Das beginnt schon im Kindergarten. Hier können bereits emotionale und intellektuelle Anlagen gefördert oder unterdrückt werden, die für die Entwicklung der Persönlichkeit einerseits und für die berufliche Zukunft andrerseits bedeutend sind. Allen Kindern sollte ermöglicht werden, später als Erwachsene mündig, selbstbestimmt und verantwortungsbewusst leben zu können.

Wirklich verantwortungsbewusst kann aber nur dann gehandelt werden, wenn die Folgen von Entscheidungen mit hinreichender Gewissheit abzusehen sind. Diese hinreichende Gewissheit setzt ein naturwissenschaftliches Basiswissen, Skepsis und Verständnis für mündige Erwachsene voraus. Daher gibt es keine Bildung und Ausbildung ohne Naturwissenschaft bzw. naturwissenschaftliches Grundwissen.

Das Gegenteil wäre der Fall, wenn eine bloße Betreuung und Verwahrung der Kinder im Kindergarten und nachfolgenden Bildungseinrichtungen gefragt ist. Auch könnten Kindern und Jugendlichen lediglich bestimmte Verhaltensweisen und/oder Fertigkeiten angelernt werden, um sich später zu bewähren und selbständig leben zu können. Dazu wird in aller Regel nur eine entsprechend qualifizierte Ausbildung oder ein Anlernen notwendig sein, um eben beschäftigt werden zu können. Das ist jedoch nicht „Bildung“ im klassischen Sinn. Bildung und Ausbildung sind nicht das gleiche. Sie sollten einander ergänzen.

Die Kriterien, Ansichten und Lebensphilosophien, mit denen die Welt erklärt werden kann, können sehr unterschiedlich sein. Die selektive Wahrnehmung und die Eigenheit unseres Gehirns, aufeinanderfolgende Ereignisse zwingend nur als Verknüpfung von Ursache und Wirkung anzusehen, erlauben es jedem eine private bzw. subjektive „Logik“ zu entwickeln. Diese Logik ist nur scheinbar aber praktisch vorteilhaft. So kann man sich die Welt auch mit den verschiedensten magischen, esoterischen und abergläubischen Vorstellungen „subjektiv“ erklären und hinter den Dingen Zusammenhänge sehen, mit denen man mehr oder weniger erfolgreich sein Leben bestreiten und auf die Zukunft schließen kann. Der Mondkalender und das Tageshoroskop sind so verführerische simple und daher besonders einleuchtende Regeln, um ohne weiteres Nachdenken entscheiden zu können. Besonders attraktiv sind anscheinend einfache, klare, alles erklärende „Grundsätze“, die jeder versteht und die nicht so kompliziert und unverständlich wie Wissenschaft sind. Auch Religionen, besonders fundamentalistische, geben ein Weltbild mehr oder weniger zwingend vor. Wenn man darüber ernsthaft nachdenkt, sind Konflikte mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften unausweichlich und auch nicht wirklich auflösbar. Rational aufgelöst werden diese Konflikte nicht, sie werden nur teilweise oder überhaupt nicht wahrgenommen. Eine naturwissenschaftliche Erkenntnis wird einfach zur beliebigen und persönlichen Meinung erklärt, die man teilen kann oder auch nicht.

In der Vergangenheit, in vorwissenschaftlicher Zeit, war es auch gar nicht anders möglich, als sich die Welt irgendwie beseelt und zweckgerichtet vorzustellen. Die Tücke des Objekts war existenziell ernst zu nehmen. Alles schien beseelt zu sein und das Unerklärliche wurde „sinnvoll“ durch zahlreiche gute und böse Geister und zuletzt durch den unerforschlichen Ratschluss eines Gottes. Es immer noch so zu sehen und sich so zu verhalten, als ob es keine Entwicklung, keinen gesicherten naturwissenschaftlichen Wissenszuwachs gäbe und auch heute noch fest an unmögliche, magische Zusammenhänge zu glauben, bedeutet unseren heutigen Wissensstand zu ignorieren, zu negieren und zu verkennen. Anstelle einer wissenschaftlich gesicherten Kausalität auf dem Fundament der Naturwissenschaften wird das magische Wirken von Geistern und dergleichen mehr angenommen. Diese alleskönnenden guten oder bösen Geister von ehedem werden hinter modernen Begriffen versteckt. Man spricht jetzt von Energien, Kraftfeldern, Quanten, Blockaden usw.

Wer heute noch die „Theorie“ vertritt, die Erde sei eine Scheibe, wird mehrheitlich als Narr angesehen, aber wer heute noch nach der antiken 4-Säfte-Lehre therapeutische Maßnahmen setzt, hat keine derartige Ächtung zu befürchten, obwohl die 4-Säfte-Lehre als Erklärungsmodell genauso überholt ist wie die Theorie, dass die Erde eine Scheibe wäre.

Homöopathie ein versteinertes Relikt überholter vorwissenschaftlicher Vorstellungen

Niemand kann zur Annahme eines rationalen Verständnisses gezwungen werden. Praktisch lässt sich das an der ausufernden esoterischen Szene und vor allem auch in der alternativen, komplementären und ganzheitlichen Medizin- und Heilszene, an Wunderheilern und dubiosen Heilpraktikern beobachten. Hier herrschen immer noch und schon wieder unwissenschaftliche Überzeugungen und Erklärungen vor, die heute im Lichte der Naturwissenschaft einfach als magisch zu bezeichnen sind. Die Homöopathie ist das Paradebeispiel einer solchen Irrlehre. Sie steht mit ihren magischen Vorstellungen im Gegensatz zu allen gesicherten medizinischen Erkenntnissen und wird trotzdem im modernen Medizinbetrieb allgemein akzeptiert. Sie ist keine abstruse Randerscheinung, sondern fixer Bestandteil im medizinischem Alltag und der Ausbildung bis in die Universität hinein. Man könnte fast meinen, dass sich Aberglaube und Esoterik vorzugweise in die Medizin zurückgezogen haben und von dort aus sich anschicken, die Errungenschaften der Aufklärung und der Naturwissenschaften rückgängig zu machen. In den Naturwissenschaften wie z.B. in Chemie und Physik sind überholte Vorstellungen aus der Alchemie oder das Perpetuum mobile längst passee aber nicht mehr in der Medizin. Hier ist das Mittelalter wieder eingezogen. Die Folgen reichen über das Gebiet der Medizin hinaus.

Auf nach unseren heutigen Kenntnissen unzweifelhaft magischen Vorstellungen fußen die Homöopathie und viele andere Verfahren und Mittel der alternativen, komplementären und ganzheitlichen Medizin. Hier boomt moderne Pseudowissenschaft und mit ihr das Kauderwelsch aus verfälschten und verdrehten Begriffen, die aus Wissenschaft und Forschung zum „Eindruckschinden“ entlehnt werden. So wird eine Wirkung erklärt, die gar nicht vorhanden ist und puren magischen Phantasien wird ein moderner wissenschaftlich scheinender Hochglanz aufpoliert. Die Existenz von Feen, Elfen, Schutzengeln etc. erscheint vielen plausibel. Der Glaube an Symbolisches, wie die Erschaffung der Welt buchstäblich in 7 Tagen, erfreut sich steigender Beliebtheit. Das Markenzeichen und die Attraktivität von Scheinmedizin und Pseudowissenschaft ist, dass hier alles einfacher, verständlicher, biologischer und natürlicher ist. Um Anerkennung bemüht, wird jedoch Wissenschaftlichkeit und Bestätigung durch angeblich positive Studienergebnisse behauptet.

Homöopathie verweigert sich allen gesicherten medizinischen Erkenntnissen

Auch nach mehr als 200 Jahren existieren keinerlei einwandfreie und stichhaltige Beweise für eine spezifische Wirksamkeit. Sowohl die historischen Vorstellungen als auch die gegenwärtigen Erklärungen zur Wirkung der Homöopathie stehen in fundamentalen Widerspruch zu allen gesicherten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Lehre des Herrn Hahnemann ist eine für die Medizin unfruchtbare Theorie, eine Irrlehre. Es gibt daher keinerlei Erkenntnisse, die mit Hilfe der Homöopathie gefunden wurden. Alles, was wir heute über „Leben“, „Gesundheit“ und „Krankheit“ im weitesten Sinne wissen, wurde mit Hilfe der Naturwissenschaften erforscht und aufgeklärt. Der Beitrag der Homöopathie zur Entwicklung der Medizin ist null.

Das Credo der Homöopathie „similia similibus curentur“ („Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“) ist ganz in der Tradition der magischen Signaturenlehre. Nach dieser Signaturenlehre zeigt uns die Natur durch Ähnlichkeiten die z.B. heilende Wirkung einer Pflanze, eines Steines oder eines Tierorgans an. Dass hier die angesprochenen Ähnlichkeiten absolut willkürliche Annahmen aus menschlicher Sicht und menschlicher Erwartungen sind, bedarf hoffentlich keiner weiteren Erläuterung und liegt auf der Hand. Die Signaturenlehre ist nichts weiter als eine esoterische Pseudowissenschaft, die durch nichts belegt werden kann und allen Erkenntnissen widerspricht.

Das homöopathische Potenzieren hat seinen Ursprung in der magischen alchemistischen Vorstellung, dass in den Ausgangsmaterialien ein geistartiges Wirkprinzip, eine Heilkraft ähnlich der immateriellen Lebenskraft , der „Vis vitalis“, existiert, die durch bestimmte Prozeduren wie etwa dem wiederholten Verdünnen mit nachfolgendem Schütteln herausgeholt werden kann und muss, um so in reiner immaterieller Form noch besser Heilung zu bewirken. All das ist, wie wir heute wissen, esoterischer vernunftferner Nonsens. Im Klartext: Es gibt keine kausale Wirksamkeit der Homöopathie. Alle Nachprüfungen ergeben immer wieder, dass es egal ist, welche Mittel welcher Hochpotenz gegen welche Krankheit auch immer wie oft eingenommen werden. Homöopathie wirkt nicht mehr und nicht weniger als ein Placebo. Und die Wirkung eines Placebos bzw. der Homöopathie beruht lediglich auf der Erwartungshaltung, dem Image und dem Brimborium rund um die Verschreibung. Es wirkt der persönliche Glaube an die Homöopathie, der durch die allgemein verbreitete Ansicht induziert wurde. Die Hoffnung auf Heilung war immer schon stärker als jede Vernunft und zu allen Zeiten daher eine hervorragende Geschäftsbasis für alle Ärzte und Wunderheiler, die in gutem ehrlichen Glauben einerseits selbst daran glaubten bis hin zu den Scharlatanen, denen bewusst war, dass ihre Therapie und ihre Mittel nicht wirken.

Harmlose Homöopathie - gefährliche Magie?

Entgegen landläufiger Meinung ist Homöopathie keine grundsätzlich harmlose medizinische Modeerscheinung. Homöopathie beruht auf veralteten, transrealen Vorstellungen, die religiösen Dogmen gleichen. Ihr die gleiche Kausalität, den gleichen Stellenwert wie den sonst gültigen medizinischen Erkenntnissen zuzuerkennen ist fatal über die Medizin hinaus.

So birgt die Anwendung der Homöopathie mannigfache indirekte Gefahren. Der unbedingte vernunftferne Glaube an die nebenwirkungsfreie Wirkung der Homöopathie und die geschürte Angst vor konventioneller Medizin und Medikamenten, verführt oft genug, notwendige Behandlungen mit entsprechenden Folgen zu unterlassen. Die Angst vor konventioneller moderner Medizin wird subtil ausgenützt und ist ein wichtiger Faktor für die Scheinwirkung. Warum sollte man sich konventionell medizinisch behandeln lassen, wenn es doch eine angeblich bestens wirksame und sanfte Alternative gibt? Durch dieses irrationale Verhalten müssen immer wieder Kinder unnötigerweise Schmerzen und Leid erdulden. Sie können sich dagegen nicht wehren, und nicht selten kommt es zu bleibenden Schäden. Davon erfährt man nichts. In die Medien kommen nur diesbezügliche tödliche Zwischenfälle.

Mütter wollen für ihre Kinder das Beste und viele greifen deshalb nach Homöopathika, weil es von überall her heißt, diese Mittel seien sanft und ohne Nebenwirkungen. So werden alle Wehwehchen und Krankheiten der Kinder mit Globuli behandelt. Das stört interessanterweise Homöopathieanhänger nicht, aber der konventionellen Medizin wird gerade von ihnen gerne der Vorwurf gemacht, sie behandle zu viel.

Es ist unglaublich, was Mütter, die von der Homöopathie überzeugt sind, glauben behandeln zu müssen. Kinder haben offenbar wie Uhrwerke zu funktionieren und dem entsprechend wird der Tagesablauf mit der Einnahme von Globuli strukturiert. Sie sehen zur Freude der Homöopathieindustrie „Krankheiten“ und „Störungen“, die kein verantwortungsbewusster konventioneller Mediziner als behandlungswürdige Krankheit ansehen würde. Diese Behandlungssucht ist zwar gut gemeint, kommt aber einer Medikamentierwut gleich. Die Folge ist, dass die Kinder geradezu zum Pillenschlucken trainiert werden. Sie lernen, dass es nichts gibt, was einfach wieder vergeht und keiner besonderen Beachtung oder Behandlung bedarf. Die Wirksamkeit eines magischen Rituals wird sich und den Kindern antrainiert.

Homöopathie ist ein Betrug an hilfesuchenden Patienten

Die aber ohne jeden Zweifel auftretenden und beobachtbaren Wirkungen der Homöopathie vermag die moderne Medizin sehr wohl zu erklären. Es mögen hier die Stichworte Placebowirkung, Erwartungshaltung, Zufall, Selbstheilung, falsche Diagnosen und das Auf und Ab chronischer Erkrankungen genügen. Darüber gibt es mehr als genug Studien und Belege und es gibt darüber in seriösen Kreisen keine Diskussion. Diskussionen kommen durch die Verfechter der Homöopathie auf, die immer wieder Studien nach Wunschergebnissen abklopfen, die negativen Studien außer Acht lassen und ständig neue wissenschaftliche Studien trotz negativer Sachlage verlangen. Aber die Homöopathie ist nicht scientabel, wie im Buch die Homöopathie-Lüge (Christian Weymayr, Nicole Heißmann) ausgeführt wird. Homöopathie ist genauso unwissenschaftlich wie Handlesen und Kartenlegen und daher auch nicht naturwissenschaftlich beweisbar und erforschbar.

Homöopathie wirkt nicht ursächlich kraft chemisch physikalischer Eigenschaften. Den Hochpotenzen kommt keine Wirkung zu. Es wirkt das heilige Hahnemannsche Brimborium, das die Homöopathen mit ihren Gläubigen zelebrieren. Wenn ein Medizinmann ein verrenktes Knie mit einem Affenknochen beschwört, gibt es auch nichts zu beforschen.

An der Wirkungslosigkeit unter Berücksichtigung der Placebowirkung etc. ändert auch die gesetzliche Zulassung homöopathischer Behandlungen und Mittel nichts. Die Homöopathie ist per Gesetz davon befreit, ihre Wirksamkeit gleich anderen Medikamenten und Verfahren nachzuweisen. Im Weltbild der Homöopathie hat der Placeboeffekt logischerweise keinen Platz. Wenn die Homöopathie den Placeboeffekt in allen seinen Facetten anerkennt, dann widerlegt sie sich selbst.

Homöopathie ist ein Verrat an den Grundlagen unserer aufgeklärten Zivilisation

Mit der keineswegs mehr stillen Integration der Homöopathie in die moderne Medizin wird abergläubisches Gedankengut für durchaus real gehalten. Die Folgen gehen über den Bereich der Medizin hinaus. Die fundamentalen Gegensätze zwischen Naturwissenschaft und magisch-mystischen Annahmen bereiten kein Kopfzerbrechen mehr. Transreale Vorstellungen ziehen sogar in die Universitäten ein und geistern durch Medizin, Veterinärmedizin, Biologie, Bodenkultur und Pharmazie. Mittlerweile gibt es eine Studenteninitiative für Homöopathie auf der Medizin-Uni Wien. Ein Medizinprofessor in Graz richtete das Erdmagnetfeld mit Plastikchip schlaffördernd aus und im „Interuniversitären Kolleg für Graz / Schloss Seggau“ wurden unter Mitarbeit des Departments Pharmazie der Universität in Graz Kaulquappen homöopathisch kuriert. In Salzburg wird ein ganzes Landesspital durch eine an der Decke im Eingangsbereich montierte Aluminiumskulptur von allen erdachten Erdstrahlen geschützt. Ein Umweltmediziner fabriziert Studien über die krebsauslösende Wirkung von Handystrahlen. Pech war nur, dass die als ursächlich ausgeforschten Funkmasten nachweislich nie in Betrieb waren. Fazit der famosen Studie: Wenn aber gefunkt worden wäre, dann hätte es so sein müssen. In zahlreichen Spitälern fließt Granderwasser. Aber auch bei den Benediktinern in Admont fließt Granderwasser. Der Erfinder erklärte vor Gericht, dass ihm die Technik von Jesus im Traum vermittelt wurde. Der alpenländische Paradigmenwechsel „Vom Weihwasser zum Granderwasser“ lässt grüßen. Leider haben diese Sensationen das Nobelpreiskomitee noch nicht beeindruckt.

Quer durch die Lande erfreuen sich Wunderwasserquellen steigender Beliebtheit. Wunderquellen werden wieder entdeckt. Kraftplätze werden ausgependelt. Straßenkreuzungen werden mit Energiesteinen entstört. Die Liste an Skurrilitäten und absurden Anwendungen ist unerschöpflich. In Traunstein im Freistaat Bayern wird mit Billigung höchster staatlicher Stellen eine weitere Hochschule für die vernunftferne Homöopathie eingerichtet. Deutschland wird seinem historischen Ruf gerecht, es immer besonders gründlich zu machen. Das begleitende Medienorchester ergeht sich in Beifallshymnen. Voraussetzung für solche Sensationen ist der Verlust kritischen Denkens gepaart mit der Salonfähigkeit transrealer und vernunftferner Phantasien. Man kann es sich aussuchen, ob überlegte Regie oder Tollheit diesen Hype vorantreiben.

Homöopathie - eine moderne Gesundheitsreligion

Die Homöopathie kann aber nur so lange wirken, als der Glaube daran verbreitet ist. Daher ist Werbung und Imagepflege für Homöopathie mehr als unbedingt notwendig. Homöopathie greift dazu geschickt verbreitete Vorurteile und Ängste auf und verspricht Erlösung von allen Übeln der Medizin, ja der Zivilisation überhaupt. Nur wer glaubt wird selig, pardon gesund! Zuerst wird das berühmte Bauchgefühl gegen konventionelle Medizin aktiviert und dann mit Homöopathie beruhigt. Nach wie vor zieht der Begriff Schulmedizin, der mit unpraktischer weltfremder Wissenschaft und kalter Technik assoziiert wird.

Die Mantras der Homöopathiereligion, die unaufhörlich beschworen werden, sind die Begriffe „biologisch“ und „natürlich“ neben „sanft“ und „nebenwirkungsfrei“. Das positive Bild der Homöopathie wird nicht durch Tierversuche, Chemie und Technik beeinträchtigt. Selbstverständlich wird die Homöopathie im Gegensatz zu konventioneller Medizin und Pharmazie als humane „non-Profit-Medizin“ angesehen. Das alles ist selbstverständlich ganzheitlich. Aber ganzheitlich ist lediglich das Fehlen jeder Ratio in der Homöopathie

Und weil es ein Glaube ist, wird das Marketing entsprechend gestaltet. Besonders Schwangere und Kinder betreuende Mütter zählen zur Zielgruppe und werden umworben. Für diese Zwecke ist ein Kindergarten ein besonders geeigneter Ort um Anhängerinnen zu rekrutieren. Die werdenden Mütter sind von vielen Sorgen und Ängsten erfüllt. Das sind genau die psychologischen Umstände, die notwendig sind, um den Glauben an die Wirksamkeit zu induzieren und Skepsis und Nachdenken für immer auszuschalten.

In aller Regel kommen die Kinder heute gesund zur Welt und wachsen gesund heran. Trotzdem, Schwangerschaft und Geburt sind einschneidende und außergewöhnliche Ereignisse, die umfangreiche körperliche und seelische Belastungen nach sich ziehen können, auch dann wenn es nicht zu besonderen Komplikationen kommt. Dieser im Vergleich zu früheren Zeiten weitgehende „normale“ Verlauf wird aber nicht der modernen medizinischen Fürsorge (Schwangerenbetreuung, Geburtshilfe, Neonatologie, Kinderheilkunde etc.) zugeschrieben sondern der ebenfalls allgegenwärtigen begleitenden homöopathischen Betreuung. Logisch, dass unter diesen Umständen alles und auch die Magie des Hahnemann wirkt. Eine echte kausale objektive Wirksamkeit ist für die subjektive Heilungsempfindung nicht notwendig. Der Gedanke an Hahnemann genügt wie der heilende Blick von Braco.

Gerade im Vorschulbereich können den Kindern Werte und Tugenden vermittelt werden. Auch Glauben wird den Kindern als Tugend vermittelt. Homöopathie wird in vielen Bildungseinrichtungen als eine bessere Medizin vermittelt. Ihre Anwendung ist grundsätzlich eine Tugend. Das ist der Anfang eines Glaubens, der dann an Hochschulen für Homöopathie seine Priester und Priesterinnen mit einem scheinintellektuellen akademischen Grad weiht.

Politiker und Politikerinnen waschen sich in Unschuld

Die Politiker und Politikerinnen halten sich zurück. Werden sie mit den magisch abstrusen Inhalten der Homöopathie konfrontiert, dann hüten sie sich wie auch die überwiegende Mehrheit der Journalisten und Journalistinnen vor einer klaren Stellungnahme. Eine Diskussion über die Inhalte und Vorstellungen der Homöopathie meiden sie wie der Teufel das Weihwasser. Nichts wäre gefährlicher und negativer für das politische Vorankommen als ein eindeutiges Engagement in einer Frage, die eigentlich nicht nur die Medizin betrifft sondern auch eine Weltanschauung berührt. Am einfachsten geht man diesem Dilemma aus dem Weg, wenn man erklärt, dass man darüber nur eine persönliche Meinung hat, die, weil sie persönlich ist, selbstverständlich nicht relevant ist. Dann kommt der eigentliche taktische Befreiungssprung. Man verweist auf die geltende Gesetzeslage. Die Konfrontation wird damit auf die „Beamtenschaft“, die für die Einhaltung der Gesetze zuständig ist, übertragen und schon haben sich Politiker und Politikerinnen ihrer Verantwortung entledigt und waschen ihre Hände in Unschuld wie einst Pontius Pilatus. Als Waschbecken dienen dann Paragraphen Gesetze, Vorschriften, Anweisungen und dergl. mehr in Bund und Ländern. Hier endet dann die Diskussion im Paragraphendschungel und im Wildwuchs der Zuständigkeiten. Selbstverständlich werden die Behörden bzw. die Beamten alles daran setzen nachzuweisen, dass alles paragraphengerecht und nur paragraphengerecht umgesetzt wird. Eine Diskussion über die Wirksamkeit der Homöopathie ist damit schon beendet, ehe diese begonnen hat. Es steht ja auch nichts drinnen in den Paragraphen über in Wissenschaft, Naturwissenschaft oder Medizin zulässige Inhalte oder Heillehren. Die Diskussion geht ins Leere und genau das wollen die Politiker und Politikerinnen. Sie wollen lediglich Mehrheiten erreichen. Zu viele Wähler und vor allem Wählerinnen schwören auf die Homöopathie und mit Wählerstimmen sollte man es sich nicht verscherzen. Ob die Homöopathie überhaupt wirkt, ist völlig nebensächlich. Angedacht und umgesetzt wird nur, was in der Wahlzelle wirkt.

Das Schweigen der konventionellen Medizin

Der Medizinethik fehlt der Begriff einer unwirksamen Therapie oder eines unwirksamen Mittels. Für Ärzte gilt die Therapiefreiheit. Sie dürfen, mit Einschränkungen natürlich, wenn Patienten dies ausdrücklich wünschen, auch mit erwiesen unwirksamen Methoden behandeln. Kein Wunder ist, dass unter solchen Bedingungen das Geschäft mit Wundermitteln blüht.

Unübersehbar prangt – sprichwörtlich – in jeder zweiten Ordination das Schild „Homöopathie. Scharlatan kann aber nur sein, wer über keine Berufsberechtigung verfügt. In Deutschland ist das Spektrum der „Homöopathen“ durch die Heilpraktiker noch bunter.

Kritische Stimmen aus dem niedergelassenen ärztlichen Bereich gibt es nur wenige. Lediglich aus dem Kreis der wissenschaftlich forschenden Medizin, von Pharmakologen, Biochemikern, Biologen etc. kommt fundierte Kritik ohne Wenn und Aber. Wenn medizinische Allgemeinplätze in die Medien kommen, dann sind sie mit Homöopathie garniert.

Apotheke quo vadis?

Noch trauriger sieht die Situation in den Apotheken aus. Wozu überhaupt noch ein Pharmaziestudium, das sich an Naturwissenschaft orientiert, gut ist, ist nicht mehr erkennbar. Wer sich heute in Apotheken umsieht, wird feststellen, dass ohne Homöopathie nichts mehr geht. Für die Wirkung - genauer die Placebowirkung - der Homöopathie ist die Apotheke von größter Bedeutung. Die noch wissenschaftlich ausgebildeten Apotheker und Apothekerinnen sind der sichtbare Beleg, dass bei der Homöopathie alles mit rechten Dingen zugeht. Es muss etwas dran sein, wenn in allen Apotheken Homöopathie angeboten wird und in einschlägigen Ratgeberpostillen der Gesundheits- u. Wellnessbranche die Homöopathie quasi als Erlösung von allem angepriesen wird. Aber damit sind die Möglichkeiten für Aberglauben in der Apotheke nicht erschöpft. Dr. Bachs Blütentropfen und Schüsslers Salze, ebenso vernunftfern wie Hasenpfoten, stören das Bild einer modernen rationalen Pharmazie nicht, um es einmal pointiert auszurücken. Wo sind die Zeiten, als über die Zulässigkeit von Kosmetik in Apotheken im sogenannten Nebensortiment debattiert wurde?

Ergänzt wird dieses umfassende Marketing durch z.B. die Österreichische Apothekerkammer, wenn diese als Sponsor bei Homöopathieaktionen auftritt. Zahlreiche Ärzte erteilen „gute“ homöopathische Ratschläge in den Medien. Es ist naiv anzunehmen, dass hier nur Reklame für die eigene Ordination gemacht wird und hier gezieltes Sponsoring oder Entschädigung durch Homöopathieproduzenten keinen Platz hätten. Ärztliche Berufsvereinigungen bieten Diplome in Homöopathie an. Damit wird Seriosität und unabhängige Information vorgegaukelt. Dem ist aber nicht so.

Alles zertifiziert!

Berufsvereinigungen sind keine Einrichtungen für den Patientenschutz sondern Interessenvertretungen von Ärzten, Apothekern etc. Ein Zauberwort, mit dem das ahnungslose Publikum verschüttelt wird, lautet „zertifiziert“. Niemand ahnt, dass praktisch jeder noch so unsinnige Kurs und jede noch so abstruse Ausbildung und auch die vernunftferne Homöopathie zertifizierbar sind. Zertifizieren hat nichts mit den Inhalten und der Sinnhaftigkeit einer Ausbildung zu tun. Das Internet ist voll von zertifizierten Ausbildungen zertifizierter Institute und Akademien. Es gibt nichts an verqueren Methoden, Mitteln, Diagnosegeräten und auch Ausbildungen, die nicht zertifiziert werden können. Selbstverständlich ist die Herstellung von Globuli in allen Phasen bis ins Fläschchen zertifiziert. In Punkto Zertifizierung unterscheiden sich Apotheker, Homöopathieärzte, Astrologen und Energetiker nicht, sehr wohl aber vom schwarzafrikanischen Medizinmann. Seine Künste sind noch nicht zertifiziert. Das kann aber noch kommen. Angeblich wird jetzt den Chinesen von dt. Ärzten die TCM erklärt. Diese Magie wurde hierzulande „wissenschaftlich“ veredelt und wird nun reexportiert. Nach Indien ist Homöopathie seinerzeit jedenfalls sehr erfolgreich exportiert worden. Warum sollen dt. Universitäten Medizinmänner in Afrika nicht betreuen und deren Heilkunde zertifizieren?

Vielleicht entsinnen wir uns wieder der die traditionellen bayrisch-österreichischen Heilkost. Beuschel (Lungenhaschee) gegen Asthma, Hirn mit Ei gegen Lernschwäche, geselchtes Herz gegen Infarkt, Kalbszunge gegen Stottern und Stiergoggerl (Hoden) gegen Impotenz. Geräuchertes Kuheuter wird in der Steiermark als Osterspeise geweiht und gegessen. Schmeckt - ich verbürge mich dafür - wie feine Käswurst. Gemäß Symbolismus und altem Wissen könnte es durchaus auch den Milchfluss steigern. Vielleicht gibt es das alles demnächst in ihrer Apotheke auf Rezept als Instantsuppe mit ausgependelten Bachblüten gewürzt. Wenn es zu wenig wirkt, könnte als Ergänzung die Verordnung eines TCM- Mediziners bestehend aus gerösteten Regenwürmern in Schneckenschleim an Nashornraspel ganzheitlich weiterhelfen. Auch diese Mittel lassen sich zertifiziert wie auch Homöopathika herstellen.
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