Ärzte Zeitung, 02.10.2015
 

Hexal

Geglückte Standortwahl im Osten

Der Generikaanbieter Hexal hat seine Pharmabetriebe in den neuen Bundesländern stetig ausgebaut. Im weltweiten Standortwettbewerb können Salutas und Aeropharm mithalten.

Von Christoph Winnat

Geglückte Standortwahl im Osten

Die dunklen Wolken täuschen: Salutas Pharma in Magdeburg ist voll ausgelastet. Das zur Sandoz-Gruppe gehörende Hexal-Werk gilt im Konzern als Vorzeigebetrieb für die Herstellung fester oraler Formen.

© Hexal

MAGDEBURG/RUDOLSTADT. Blühende Landschaften oder Industriebrachen im Dämmerschlaf? Versenkte Subventionsmilliarden oder Investitionen in eine zukunftsfähige Infrastruktur? Über den Aufbau Ost gehen die Meinungen auseinander.

 Zweifellos auf der Haben-Seite der Einheit dürfte die Übernahme der ostdeutschen Pharmastandorte Barleben und Rudolstadt durch den Generikahersteller Hexal stehen.

Gleich drei Standorte betreibt die Sandoz-Tochter heute in den neuen Bundesländern: Bei Magdeburg - in Barleben und Osterweddingen - die Salutas Pharma GmbH, die für den weltweiten Konzernbedarf feste Formen fertigt.

Und im thüringischen Rudolstadt die Aeropharm GmbH, die Trockenpulverinhalatoren, Asthmasprays und Augentropfen entwickelt und produziert.

Belegschaft in alter Stärke

25 Jahre Deutsche Einheit

Die "Ärzte Zeitung" blickt in einem Dossier auf "25 Jahre Deutsche Einheit": Hier geht es zur Artikel-Übersicht.

Beide Gesellschaften gelten in der Sandoz-Gruppe heute als Vorzeigebetriebe ("Global Centers of Excellence") , wie Jan Tangermann im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" betont. Tangermann war ab der Übernahme durch Hexal 2003 Geschäftsführer der Aeropharm und hat die Konsolidierung des vormals von der Schließung bedrohten Werks bis 2009 miterlebt. Heute ist er Vertriebsleiter Westeuropa für die Hexal Muttergesellschaft Sandoz.

Von ehedem fast 500 Mitarbeitern hätten Ende 2002 nur noch 45 bei Aeropharm gearbeitet. Seit der Privatisierung durch die Treuhandanstalt unmittelbar nach der Wende habe das Unternehmen mehrere Eigentümerwechsel absolviert.

Mit Hexal sei dann der erste Interessent auf den Plan getreten, der nicht an Produktlizenzen und Vertriebsrechten interessiert war, sondern an pharmatechnischem Fachwissen, berichtet Tangermann.

Rund 300 Millionen Euro habe Hexal über die Jahre investiert, Produkte von anderen Fertigungsbetrieben nach Thüringen transferiert und damit das Auftragsvolumen stetig gesteigert. - Das Commitment der Hexal zum Standort sei von Novartis, die den Generikaanbieter 2005 übernahm, nahtlos fortgesetzt worden.

Inzwischen hat die Aeropharm-Belegschaft mit 420 Mitarbeitern fast wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Jährlich rollen nach Angaben Tangermanns in Rudolstadt 14,5 Millionen Fertigarzneimittel vom Band, die in 35 Länder exportiert werden. Der Löwenanteil der Produktion (85 Prozent) entfällt auf Anforderungen von Hexal und Sandoz, der Rest sind Aufträge Dritter.

Die Geschichte der Magdeburger Salutas Pharma liest sich kaum weniger beeindruckend: Als "Fahlberg-List Chemische und Pharmazeutische Fabriken" gehörte der Traditionsbetrieb zu den wichtigsten Arzneimittelherstellern der DDR. Das Gründungsdatum 1886 geht auf die Entdeckung des künstlichen Süßstoffs Saccharin durch den russisch-amerikanischen Chemiker Constantin Fahlberg zurück.

1992 erwarb Hexal das Unternehmen von der Treuhand. Damals waren 200 Mitarbeiter in Barleben und Osterweddingen tätig, heute sind es 1500. Rund 400 Millionen Euro wurden für Modernisierung und Ausbau der Anlagen aufgewendet. Salutas hat sich zur größten Pharma-Fertigung in der Sandoz-Gruppe entwickelt.

Über 90 Prozent der Produktion werden an Konzerngesellschaften geliefert, weniger als zehn Prozent an Dritte. Dabei handelt es sich laut Hexal-Manager Tangermann ausschließlich um Generika.

Pluspunkt Kosteneffizienz

Die Jahresproduktion in Barleben und Osterweddingen erreicht gegenwärtig rund zehn Milliarden Kapseln und Tabletten. 380 Wirkstoffe werden verarbeitet und als Fertigarzneimittel in 75 Länder exportiert.

Die Stärken der Salutas, so Tangermann, seien hohe Volumina und Kosteneffizienz. Damit erbringe der Standort den Beweis, dass Generika auch in Deutschland zu wettbewerbsfähigen Konditionen hergestellt werden können.

Weitere Beiträge zur Serie:
"25 Jahre Deutsche Einheit"

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