Ärzte Zeitung, 23.02.2017
 

Bayer

Pharma soll nicht zu kurz kommen

Zuletzt sorgte Bayer fast nur noch durch die Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto für Schlagzeilen. Zur diesjährigen Bilanzpressekonferenz rückte Konzernchef Baumann auch die Pharmasparte ins Licht.

Von Ilse Schlingensiepen

Pharma soll nicht zu kurz kommen

Haben gut Lachen: Fresenius-Vorstandsvorsitzender Stephan Sturm (l.) und FMC-Chef Rice Powell können einmal mehr Rekordzahlen melden.

© Fresenius

LEVERKUSEN. Der Erwerb des US-amerikanischen Saatgutkonzerns Monsanto wird nicht zu Lasten der anderen Geschäftsbereiche von Bayer erfolgen. "Das organische Wachstum in den Bereichen Pharmaceuticals, Consumer Health und Animal Health werden wir unverändert weiter vorantreiben", versicherte Konzernchef Werner Baumann bei der Bayer-Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Leverkusen. Bayer werde auch weiterhin die nötigen Mittel für Investitionen in die Pharma-Standorte sowie für kleinere Übernahmen und Einlizenzierungen zur Verfügung stellen.

Baumann verteidigte erneut den milliardenschweren Deal mit Monsanto. "Die Übernahme passt perfekt zu unserer Strategie, mit unseren Life-Science-Geschäften auf attraktiven, innovationsgetriebenen Märkten führende Positionen einnehmen zu wollen."

Geld für Start-ups

Als wichtiges Mittel, um die Innovationskraft von Bayer weiter zu stärken, sieht er die Investitionen in Forschung und Entwicklung. Im Bereich Life Sciences – also ohne die börsennotierte Kunststofftochter Covestro – gab der Konzern dafür im vergangenen Jahr 4,4 Milliarden Euro aus, nach 4,0 Milliarden Euro 2015. Bei Pharmaceuticals stiegen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 2,5 Milliarden Euro auf 2,8 Milliarden Euro. "Man braucht heutzutage aber auch exzellente Partner, um an der Spitze der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung zu bleiben", betonte Baumann. Deshalb setze Bayer auf Kooperationen und strategische Allianzen mit führenden Hochschulen, öffentlichen Forschungseinrichtungen, Partnerfirmen und Start-ups.

Ende 2016 hat Bayer gemeinsam mit der Investmentgesellschaft Versant Ventures die Firma BlueRock Therapeutics gegründet. "Das Unternehmen soll Stammzell-Therapien zur Heilung verschiedener Krankheitsbilder entwickeln." Mit der von den Gründern bereitgestellten Anschubfinanzierung über 213 Millionen Euro soll BlueRock eine Vielzahl von Programmen in die klinische Phase führen. "Der Schwerpunkt wird zunächst auf Herz-, Gehirn- und Nervenerkrankungen liegen."

BlueRock ist die zweite große Investition des Bayer Lifescience Center nach der Kooperation mit CRISPR im Bereich der Genom-Editierung. "Unser Joint Venture hat im August vergangenen Jahres unter dem Namen Casebia Therapeutics seine Arbeit aufgenommen", so Baumann.

Vielversprechende Pipeline

Die Entwicklungspipelines des Konzerns zeigen seiner Ansicht nach, dass sich die gezielte Stärkung der Investitionskraft auszahlt. Bei Pharma gebe es eine ganze Reihe vielversprechender Produktkandidaten, "sechs von ihnen – in der mittleren bis späteren Pipeline – haben ein kombiniertes Spitzenumsatzpotenzial, das wir auf insgesamt mindestens sechs Milliarden Euro schätzen."

In dieser Größenordung bewegen sich auch die Erlöse der aktuell großen Bayer-Pharmaprodukte Xarelto®, Eylea®, Xofigo®, Stivarga® und Adempas®. Sie kamen 2016 zusammen auf 5,4 Milliarden Euro gemeinsamen Umsatz nach 4,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Für das laufende Jahr nannte Baumann für diese Präparate mehr als sechs Milliarden Euro kombiniertes Umsatzziel. Das Spitzenumsatzpotenzial dieser fünf Top-Produkte bezifferte Baumann auf über zehn Milliarden Euro.

Insgesamt stiegen Bayers Einnahmen in der Sparte Pharmaceuticals (verschreibungspflichtige Originale) 2016 um sieben Prozent auf 16,4 Milliarden Euro. "Wir konnten das Geschäft in allen Regionen merklich ausweiten." Das OTC-Geschäft büßte leicht um 0,6 Prozent auf 6,0 Milliarden Euro Umsatz ein.

Bayer 2016

- Umsatz: 46,8 Milliarden Euro (+1,5 Prozent)

- Gewinn nach Steuern: 4,5 Milliarden Euro (+10 Prozent)

- Mitarbeiter: 115.200 (-1,2 Prozent)

- Dividendenvorschlag: 2,70 Euro je Aktie (+8,0 Prozent), Ausschüttungssumme: 2,233 Milliarden Euro

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