Ärzte Zeitung online, 22.03.2017
 

GlaxoSmithKline

Ab 2022 kommt MenB-Impfstoff aus Marburg

Marburg bekommt eine neue Anlage für MenB-Impfstoff. Doch die Produktion von Tetanus- und Diphtherie-Vakzinen läuft in absehbarer Zeit aus.

Ab 2022 kommt MenB-Impfstoff aus Marburg

Spatenstich mit Politprominenz: Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (3.v.r.) und Standortleiter Jochen Reutter (4. v.r.).

© GSK

MARBURG. Vor zwei Jahren übernahm im Rahmen eines Spartentauschs GlaxoSmithKline (GSK) vom schweizer Wettbewerber Novartis dessen Impfstoffsparte. Damit fiel GSK auch der traditionsreiche Marburger Standort – einst die Behringwerke – zu. Offiziell übernahmen die Briten im April 2015. Zuletzt hatte Novartis den Werkkomplex in den Stadtteilen Marbach und Görzhausen noch mit neuen Anlagen zur Produktion von Impfstoffen gegen Tollwut und FSME ausgebaut.

Von der damit verbundenen modernen Infrastruktur kann Marburg jetzt im konzerninternen Standortwettbewerb profitieren: Zu Wochenbeginn wurde der symbolische erste Spatenstich für eine 162 Millionen Euro teure Anlage zur Produktion des Meningokokken-B-Impfstoffs Bexsero® gesetzt. Außer in Deutschland produziert GSK Impfstoffe auch in Belgien, Italien, Ungarn, Kanada, den USA und Singapur. Bislang wurde Bexsero® bei einer Novartis-Tochter in Österreich hergestellt. Langfristig wolle man aber wichtige Antigene selbst produzieren, statt von Dritten abhängig sein, erläuterte Standortleiter Jochen Reutter im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Die jüngste Großinvestition sei "ein gutes Zeichen für unsere Zukunft".

Der MenB-Impfstoff sei eines der gegenwärtig wachstumsstärksten GSK-Produkte. Laut Geschäftsbericht wurden 2016 mit Bexsero® weltweit 390 Millionen Pfund (447,2 Millionen Euro) erlöst, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Und das eigentliche Nachfrage-Hoch ist noch nicht erreicht: Seit Einführung 2014 seien kumuliert 15 Millionen Dosen produziert worden, berichtete Reutter. Ab 2022 – dem Jahr, in dem nach Abschluss sämtlicher Auditierungs- und Validierungsphasen die reguläre Marktbelieferung aus Marburg beginnen soll –, werde mit einer Jahresproduktion von 26 Millionen Dosen gerechnet, wobei sich die Kapazität der Marburger Anlage auf bis zu 40 Millionen Dosen erhöhen lasse.

Reutter kündigte mittelfristig weitere Investitionen in Marburg an. Insbesondere hoffe man auf die Zuteilung eines weiteren Produktionsauftrages durch die Konzernmutter. Um welchen Impfstoff es sich dabei handeln könnte, wollte Reutter noch nicht verraten. Sollte Marburg den Zuschlag erhalten, dürften sich die dann anstehenden Investitionen "in etwa der gleichen Größenordnung bewegen wie jetzt für den MenB-Impfstoff". Ausschließlich auf Zuwachs stehen die Zeichen in Marburg allerdings nicht, denn gleichzeitig gehen auch Produktionsaufträge verloren. Diphtherie- und Tetanus-Vakzinen sollen im Zuge einer Werkskonsolidierung nur noch bis 2021 in Marburg hergestellt und dann an einen ungarischen Betrieb abgegeben werden. Damit werde die Beschäftigung in der Lahnstadt – derzeit arbeiten hier um die 1000 Leute für GlaxoSmithKline – in etwa konstant bleiben, so Reutter.

Insgesamt beschäftigt GlaxoSmithKline eigenen Angaben zufolge in Deutschland mehr als 3500 Mitarbeiter, die 2016 rund 1,3 Milliarden Euro erwirtschafteten. Der Pharmaumsatz (verschreibungspflichtige Medikamente und Impfstoffe) erreichte 804 Millionen Euro, von denen etwas mehr als die Hälfte auf das Konto des Impfstoffgeschäfts gingen. GSK sei der letzte Anbieter, der hierzulande noch Impfstoffe produziere, betonte Bettina Brennecke, Mitglied der deutschen Geschäftsleitung. Mit 30 Impfstoff-Produkten verfüge man über das breiteste Portfolio in diesem Teilmarkt. – Weltweit erlöste GSK mit Impfstoffen 2016 rund 4,6 Milliarden Pfund (bereinigt um Wechselkurseffekte +14 Prozent). (cw)

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