Ärzte Zeitung online, 19.09.2017
 

Milchmädchenrechnung

vfa widerspricht Studie zu F&E-Ausgaben bei Krebsmitteln

Was kostet die Entwicklung eines neuen Krebsmittels? Weniger als bislang gedacht, sagen zwei US-Mediziner. Der Pharmaverband vfa widerspricht.

BERLIN. "648 Millionen Dollar kostet die Entwicklung eines neuen Krebsmittels – deutlich weniger als bislang geschätzt", heißt es in einer aktuellen Untersuchung der US-Mediziner Vinay Prasad und Sham Mailankody, kürzlich erschienen in der Fachzeitschrift JAMA Internal Medicine (doi:10.1001/jamainternmed.2017.3601). Und schon nach kurzer Zeit im Markt, so die Autoren weiter, seien die Entwicklungskosten wieder eingespielt.

Prasad und Mailankody hatten Börsenberichte nach Umsätzen und F&E-Ausgaben für zehn, zwischen 2006 und 2015 in den USA zugelassene Krebsmittel durchforstet.

Dieser Rechnung widerspricht jetzt der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa). Die Stichprobe von lediglich zehn noch sehr jungen Unternehmen sei "nicht repräsentativ". Außerdem handelt es sich bei neun der zehn in Augenschein genommenen Innovationen um Orphan Drugs, "für deren Erprobung weit weniger Studienteilnehmer erforderlich sind als bei Medikamenten gegen häufige Krebsarten, was die Kosten vor der Zulassung niedriger hält".

Kosten zur Grundlagenforschung nicht berücksichtigt?

Vor allem aber, so der Verband, würden die Autoren fast nur Kosten berücksichtigen, "die nach der Erfindung der jeweiligen Wirkstoffe angefallen sind; die Ausgaben für die Jahre dauernde Erarbeitung eines neuen Wirkstoffs (aufbauend auf der Grundlagenforschung) unterschlagen sie weitgehend".

Der vfa verweist auf frühere Studien, wonach für die Molekül-Suche und -Modellierung im Anschluss an eine Wirkprinzip-Hypothese "noch mal mehrere hundert Millionen Dollar" anfielen.

Vfa-Geschäftsführer Dr. Siegfried Throm: "Die Untersuchung von Prasad und Mailankody, die bedeutende Kostenpositionen nicht berücksichtigt und eine untaugliche Stichprobe verwendet, ist kein seriöser Beitrag zur Diskussion über Forschungs- und Entwicklungskosten von Krebsmedikamenten." (cw)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »