Ärzte Zeitung online, 08.03.2019

Bionorica-Jahresbilanz

Cannabinoide als Wachstumstreiber

Der Phytotherapeutika-Hersteller Bionorica hat in diesem Jahr beim Umsatz erstmals die 300-Millionen-Euro-Marke überschritten. Und das Wachstum im In- und Ausland soll ungebremst weitergehen.

Von Hauke Gerlof

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Wirkstoffextraktion aus pflanzlichem Rohmaterial.

©Bionorica SE / Stefan Hanke

DÜSSELDORF. Immer neue Wachstumsfelder im In- und Ausland lassen den Phytotherapeutika-Hersteller Bionorica (Neumarkt/Oberpfalz) weiter wachsen. Im vergangenen Jahr hat unter anderem der steigende Absatz von Dronabinol und Cannabidiol mit 27 Millionen Euro zu einem deutlichen Umsatzplus beigetragen.

Weltweit lag das Wachstum mit Cannabinoiden im Unternehmen bei 60 Prozent, in Deutschland brachte das erste komplette Jahr nach der Gesetzesänderung im März 2017 ein Absatzplus von rund 80 Prozent.

Dronabinol für 20.000 Patienten

Wie Dr. Uwe Baumann, Vorstand für Marketing und Vertrieb, bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Düsseldorf mitteilte, hat Bionorica 2018 knapp 20.000 Patienten in Deutschland vor allem mit Dronabinol versorgt – von insgesamt 30-35.000 Patienten deutschlandweit.

Beim Umsatz bleibe Dronabinol trotz des hohen Marktanteils bei versorgten Patienten dennoch hinter den Cannabis-Blüten zurück. Der Grund: Die Tagestherapiekosten lägen nach einer Aufstellung der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg für Dronabinol bei 14 Euro, für Cannabis in Form getrockneter Blüten bei 65 Euro.

Auch in diesem Jahr werde das Wachstum bei Cannabinoiden weitergehen, erwartet Professor Michael Popp, Inhaber und Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Inzwischen verbreite sich bei den Krankenkassen zunehmend die Erkenntnis, dass es kaum Missbrauch bei den Verordnungen gebe. Versorgt würden vielmehr überwiegend austherapierte schwer kranke Patienten. Diese Erkenntnis könne sich auf die Genehmigungen der Kassen auswirken.

Insgesamt ist der Umsatz von Bionorica im vergangenen Jahr um 13,8 Prozent auf knapp 338 Millionen Euro gewachsen und liegt damit erstmals über 300 Millionen Euro. Auch 2019 soll der Umsatz zweistellig nach oben gehen, so die Erwartung.

Der Anteil des EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) am Umsatz liege bei etwa 16 Prozent. „Das ist aber auch nötig für unsere hohen Investitionen“, betonte Popp. Insgesamt investierte Bionorica 2018 43,6 Millionen Euro, 2019 sollen es 48,2 Millionen Euro sein.

Hohe Investitionen

Bionorica 2018

  • Umsatz: 338 Millionen Euro (+13,8 Prozent)
  • Wachstum Apothekenabverkauf in Deutschland: + 3,1 Prozent (Phytomarkt insgesamt -0,7 Prozent)
  • Absatzentwicklung international: + 15,38 Prozent auf 45 Millionen Packungen
  • Absatz insgesamt: 65 Millionen Packungen (+12 Prozent)
  • Forschungsaufwendungen: 40 Millionen Euro
  • Mitarbeiterzahl: 1736 (2017: 1635)

Im kommenden Jahr werde Bionorica die Produktion in seinem neuen Werk in Woronesch aufnehmen, das die rasant wachsende Nachfrage in Russland, mittlerweile der größte Markt für Bionorica, und den Ländern im eurasischen Raum decken soll.

Zweistellige Millionenbeträge habe Bionorica auch in die wissenschaftliche Erforschung von Naturarzneimitteln investiert, berichtete Popp weiter, unter anderem in eine Studie, die nachgewiesen habe, dass Canephron® in der Therapie bei unkomplizierten Harnwegsinfekten einem Antibiotikum nicht unterlegen sei.

Weiterhin wachse der europaweite Marktführer bei Phytotherapeutika in den meisten Ländern deutlich stärker als der Markt. So verzeichne das Erkältungs-Präparat Sinupret® mittlerweile einen Marktanteil von 62,5 Prozent in Deutschland. Hierzulande verkaufte Bionorica 2018 erstmals mehr als 20 Millionen Packungen. Die Exporte wuchsen im selben Zeitraum um 15,4 Prozent auf jetzt 45 Millionen Packungen.

Enormes Potenzial sehen Baumann und Popp auch in den großen Märkten Italien, Frankreich und Spanien, die bisher für nicht verschreibungspflichtige Naturarzneimittel schwer oder gar nicht zugänglich waren.

Aktuelle Zulassungserfolge für Bronchipret® und Klimadynon® sowie Imupret® (nur in Spanien) seien ein Anfang, weitere Zulassungen könnten noch 2019 folgen.

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