Ärzte Zeitung online, 07.03.2019

Neuer Versicherer

Keine Angst vor Arzt- und Klinik-Haftpflicht

Mit der Kombination von Haftpflichtdeckung, Beratung und Risikomanagement will der französische Spezialversicherer Sham in der deutschen Krankenhaus-Haftpflichtversicherung Fuß fassen.

Von Ilse Schlingensiepen

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Absicherung des ärztlichen Op-Risikos: Das ist das Kerngeschäft des vor bald 100 Jahren gegründeten französischen Anbieters Sham.

© bilderstoeckchen / Fotolia

DORTMUND. Der französische Klinik-Haftpflichtversicherer Sham drängt auf den deutschen Markt.

„Wir haben an den ersten Ausschreibungen teilgenommen, sind aber noch nicht zum Zug gekommen“, berichtete unlängst der Hauptbevollmächtigte der Dortmunder Niederlassung Peter Jeurissen.

Sham ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, der Name steht für Société Hospitalière d’Assurances Mutuelles. Das Unternehmen wurde 1927 im französischen Lyon gegründet und ist in Frankreich nach eigenen Angaben der führende Versicherer im Gesundheitswesen.

Sham sehe gutes Potenzial im hiesigen Markt, so Jeurissen. Zunächst seien große Kliniken die Hauptzielgruppe. Dort habe das Unternehmen die größte Expertise. „Aber im Prinzip versichern wir alle Krankenhäuser.“ Später sollen Rehaeinrichtungen und der ambulante Sektor mit niedergelassenen Ärzten folgen.

Sham ist 2015 nach Spanien und Italien gegangen und hat auch in diesen Ländern mit der Klinikhaftpflicht begonnen. „Mittlerweile sind wir dort auch im ambulanten Bereich tätig.“

Der Versicherer bietet Deckung für alle medizinischen Fachrichtungen, inklusive als schwierig geltender Bereiche wie etwa die Geburtshilfe. „In Frankreich werden zwei von drei Geburten von Sham versichert.“

Markt in schwierigem Fahrwasser

Der deutsche Markt für Klinikhaftpflicht befindet sich seit Jahren in schwierigem Fahrwasser. Wegen hoher Schäden und nicht risikoadäquater Prämien hatte sich 2012 die Zurich Versicherung aus dem Segment zurückgezogen. Weitere Anbieter haben den Markt verlassen, zuletzt die Schweizer Baloise Insurance.

Den verbleibenden Versicherern macht weniger die Schadenfrequenz Probleme, als die ständig steigende Höhe der Schadenaufwendungen. Das schreckt Jeurissen nicht. „Ich finde, Deutschland ist ein richtig spannendes Projekt für uns.“

Sham habe große Expertise im Risiko- und Schadenmanagement und biete diese Dienstleistungen den Kunden gemeinsam mit den Versicherungslösungen an. „Mit der richtigen Beratung und einem konsequenten Risikomanagement ist es möglich, die Schadenbelastung in den Griff zu bekommen.“

Weil das Risikomanagement in der Heilwesenversicherung eine so große Bedeutung hat, will Sham diesen Bereich nicht aus der Hand geben.

Mit günstigen Prämien wollen die Franzosen den Markt aber nicht aufrollen – um ihn dann nach einigen Schadenfällen wieder zu verlassen. Man setze auf Nachhaltigkeit. „Wir können langfristig nur erfolgreich arbeiten, wenn wir nicht nur über den Preis verkaufen.“

Von Klinikmanagern gegründet

Die Assekuranz wurde von Klinikmanagern gegründet, im Aufsichtsrat sitzen heute nur Entscheidungsträger aus dem Gesundheitswesen, berichtet Jeurissen.

Sham arbeitet anders als die meisten hiesigen Anbieter nach dem sogenannten Claims-Made-Prinzip: Derjenige Versicherer ist für die Schadenregulierung zuständig, in dessen Vertragslaufzeit ein Schaden gemeldet wird.

Beim in Deutschland dominierenden Occurence-Prinzip entscheidet dagegen, bei welchem Unternehmen der Kunde bei Schadeneintritt versichert war.

Jeurissen erwartet, dass das Claims-Made-Prinzip in Deutschland an Bedeutung gewinnen wird, wie es in anderen europäischen Ländern bereits der Fall gewesen sei.

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