Ärzte Zeitung, 24.05.2013

Hausnotruf-Prämie

Malteser sorgen für Wirbel an der Weser

Der Malteser Hilfsdienst in Bremen meinte es wohl nur gut: Er versprach Hausärzten eine Werbeprämie für die Vermittlung neuer Kunden. Doch jetzt hat sich daran in der Bremer Ärzteschaft ein Streit entfacht. Kammer und KV bezeichnen das Vorgehen "illegal".

Von Christian Beneker

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Stein des Anstoßes: Zur Vermarktung ihres Hausnotrufs versprachen die Malteser Bremer Ärzten pro vermitteltem Patienten einen Einkaufsgutschein über 60 Euro. Die Kammer sah darin eine unerlaubte Zuweisung gegen Entgelt.

© malteser

BREMEN. Korruption bei Bremer Hausärzten? Der Malteser Hilfsdienst versprach Bremer Mitgliedern des Hausärzteverbandes, die ihren Patienten den Malteser-Hausnotruf vermitteln, einen Einkaufsgutschein von 60 Euro pro neuem Kunden.

Für Kammer und KV an der Weser ein klarer Fall: Die Prämie ist "illegal". Die öffentliche Empörung in der Hansestadt führte dazu, dass die Malteser das Angebot zurückzogen.

Dr. Hans-Michael Mühlenfeld, Chef des Bremer Hausärzteverbandes, ärgert sich unterdessen über "die scheinheilige Diskussion". Der Malteser Hilfsdienst versprach Hausärzten, die den Malteser Hausnotruf empfehlen, den Einkaufgutschein pro Patient.

"Das Ganze war eine Idee unseres Vertriebs", erklärt Malteser-Pressesprecher Andreas Schack: "Die Prämie ist aber nicht Teil der Vereinbarung mit dem Hausärzteverband." Die Prämie war mit Mühlenfeld abgesprochen und von beiden "als unbedenklich eingestuft worden", so Schack.

Dr. Thomas Liebsch, Vorsitzender der Vertreterversammlung der KV Bremen und Chef der neuen Hausarztliste, einer Bremer Konkurrenz zum Hausärzteverband, schätzt "30 bis 40 Hausnotrufpatienten pro Praxis". Im Zweifel hätten also um die 2000 Euro pro Praxis fließen können.

Laut Dr. Heike Delbanco, Geschäftsführerin der Bremer Ärztekammer, ist die Prämie eine "unerlaubte Zuwendung gegen Entgelt nach Paragraf 31 der Berufsordnung".

Hausärztechef verweist auf Versorgungslücke

Allerdings liege eine zu verfolgende Regelverletzung erst dann vor, "wenn die Regelverletzung auch gelebt wird". Nach Worten Schacks wurde aber bis zum Rückzug der Prämie kein Geld gezahlt.

Die KV Bremen übte am Freitag scharfe Kritik an der Vereinbarung. Sie befürchte einen bleibenden Imageschaden für die Ärzteschaft.

"Wieder einmal ist es einer sehr kleinen Gruppe von Berufsfunktionären gelungen, einen ganzen Berufsstand in den Schmutz zu ziehen", erklärten die beiden Vorstände der KV Bremen, Dr. Jörg Hermann und Günter Scherer, in einer Pressemitteilung.

VV-Vorsitzender Liebsch sagt: "Die Affäre beschädigt uns!" Die KV Bremen habe "alle niedergelassenen Hausärzte im Land Bremen davor gewarnt, sich in dieses Vertragswerk einzuschreiben. Vorbehaltlich einer abschließenden rechtlichen Prüfung widerspricht die Vereinbarung ärztlichem Berufsrecht."

Hausärztechef Hans-Michael Mühlenfeld bleibt unterdessen bei seinem Standpunkt: "Wir haben mit dem Vertrag eine Versorgungslücke geschlossen, weil viele Patienten, die es nötig hätten, bisher nicht am Hausnotruf teilnahmen." Das Prämienverfahren sei absolut transparent und letztlich nicht zu beanstanden gewesen.

"Ich habe kein Problem mit den Gutscheinen", betont Mühlenfeld. Dass bei Ärzten ein höherer ethischer Anspruch gelten müsse, als bei anderen Berufsgruppen, bestreitet er.

"Das ist keine ehrliche Diskussion, der Anspruch ist scheinheilig!", so Mühlenfeld. "Man muss anerkennen, dass es in einer Praxis auch darum geht, Geld zu verdienen."

[26.05.2013, 13:45:11]
Dr. Berthold Neu 
Dummheit oder Ignoranz?
"Kein Problem mit den Gutscheinen"? - Einige lernen es wohl nicht mehr! Man muß annehmen, sie hatten es vielleicht noch nie richtig kapiert! Und die ganze unnötige Bonuszahlungs-Debatte geht an ihnen vorbei. Nun sind auch die Sanitäter auf das Bild vom Arzt als Kaufmann gestoßen. Die Ökonomie hat endgültig und unverrückbar in den Hirnen der medizinischen Berufe Platz gegriffen. Wem haben wir das zu verdanken?
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