Ärzte Zeitung, 04.06.2013

Provinzial Nordwest

Rückzug aus Geschäft mit Klinikhaftpflicht

Auch die Provinzial Nordwest zieht sich nun größtenteils aus dem Geschäft mit der Klinikhaftpflicht zurück.

MÜNSTER. Mit der Provinzial Nordwest hat sich ein weiterer Versicherer zu großen Teilen aus dem Krankenhaushaftpflichtgeschäft verabschiedet. Die Sparte sei zunehmend unrentabler geworden, begründete der Vorstandsvorsitzende Ulrich Rüther die Entscheidung.

"Das Krankenhaushaftpflichtgeschäft ist unter Druck", sagte er bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Münster. Der Versicherer sei nicht mehr in der Lage gewesen, auskömmliche Prämien zu erzielen. "Deshalb haben wir eingegriffen und uns vom Geschäft verabschiedet."

Nur noch kleinere Häuser und Rehakliniken werden versichert

Das Prämienvolumen in dem Bereich sei von zwölf Millionen Euro auf unter eine Million Euro geschrumpft. Die Provinzial Nordwest versichert jetzt nur noch einige kleinere Häuser und Rehakliniken, aber keine Akutkrankenhäuser mehr.

In der Sachversicherung decke der Versicherer zwar noch viele Kliniken ab, in der Haftpflicht sei das aber nicht mehr möglich, erklärte Stefan Richter, Vorstand des Tochterunternehmens Westfälische Provinzial. "Das hohe Spätschadenpotenzial lässt sich nicht mehr über die Prämie abbilden."

Die Schaden-Kostenquote der Provinzial Nordwest habe zu Hochzeiten bei 150 Prozent der Beiträge gelegen. Der Versicherer musste also pro Beitragseuro 1,50 Euro für Schäden, Vertriebs- und Verwaltungskosten ausgeben.

Sparte steckt in roten Zahlen

Bei den Klinikhaftpflichtversicherern herrscht derzeit Katerstimmung. Nach Jahren des Preiskampfes steckt die Sparte tief in den roten Zahlen. Viele Versicherer haben bereits damit begonnen, die Prämien empfindlich zu erhöhen.

Der Versicherer Zurich hat sich sogar komplett aus dem Bereich zurückgezogen. Im Markt sind jetzt vor allem noch Allianz, Ergo, R+V und die Versicherungskammer Bayern aktiv. Die Talanx-Tochter HDI drängt mit neuartigen Policen mit verschärften Bedingungen in das Geschäft.

Die Provinzial Nordwest gehört den Sparkassen sowie dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Der Konzern ist vor allem in Westfalen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern aktiv.

Im vergangenen Jahr hat er 136,2 Millionen Euro verdient nach 116,2 Millionen Euro im Jahr 2011. (frk)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Deutsche ernähren sich schlecht

Tödliche Infarkte und Schlaganfälle durch schlechte Ernährung: Deutschland nimmt hier unter den Ländern mit westlichem Lebensstil einen traurigen Spitzenplatz ein. mehr »

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

„Opioide niemals als Add-on-Therapie!“

Für die Dauertherapie bei mittleren bis starken Schmerzen gibt es keine verträglicheren Analgetika als retardierte Opioide, betont Schmerzmediziner Norbert Schürmann. Daneben kritisiert der Schmerzexperte die Fixiertheit auf Morphin. mehr »