Ärzte Zeitung, 28.08.2015

Niedersachsen

Schwierige Kooperation

Niedersachsens Kliniken im Umland könnten unwirtschaftlich werden, wenn weiter so viele Patienten nach Bremen abwandern. Dort locken spezialisierte Angebote.

Von Christian Beneker

BREMEN. Bremen und Niedersachsen wollen bei der Krankenhausversorgung zusammen arbeiten. Rund 30 Prozent aller Bremer Klinikpatienten kommen aus dem Niedersächsischen Umland an die Weser, so die Zahlen der Bremer Krankenhausgesellschaft (HBKG).

Die Kollegen in Niedersachsen sagen, bei der Zahl seien sie sich nicht so sicher. Die unterschiedliche Einschätzung zeigt schon, dass die beabsichtigte Ländergrenzen übergreifende Kooperation bei der Krankenhausversorgung zwischen Niedersachsen und Bremen nicht so einfach wird.

"Wir würden intervenieren!"

Niedersachsen klagt darüber, dass Bremens spezialisierte Kliniken den Niedersächsischen Umland-Kliniken die Patienten abgraben, die so Gefahr laufen, unwirtschaftlich zu werden.

"Wir haben auch in Niedersachsen nahe der Bremer Landesgrenze spezialisierte Angebote", sagt Marten Bielefeld, stellvertretender Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Niedersachsen, zur "Ärzte Zeitung". "Darum würden wir intervenieren, wenn plötzlich alles nach Bremen ginge."

Daran, die Bremer Klinken dann auch noch bei Investitionen zu unterstützen, denkt Bielefeld nicht.

Auch Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) erklärte kürzlich Entsprechendes: "Die bekommen keinen Cent von uns. Wir sind selbst dermaßen knapp mit Mitteln."

Qualität rückt in den Mittelpunkt

Auf Bremer Seite wünscht man sich mehr Zusammenarbeit zum Beispiel mit den Rettungsdiensten, "damit man auch in Niedersachsen weiß, welches Bremer Krankenhaus welche Leistungen anbietet", sagt Heiko Ackermann, stellvertretender Geschäftsführer der Bremer Krankenhausgesellschaft, der "Ärzte Zeitung".

Im Übrigen rücke der Gesetzgeber die Qualität der Behandlung stärker in den Mittelpunkt, sagt Ackermann. "Da können nicht mehr alle Krankenhäuser jede Leistung erbringen", wie er in Hinblick auf die spezialisierten Bremer Angebote zum Beispiel bei der Neonatologie sagt.

Der Gegensätze ungeachtet setzen die beiden Länder bei der Krankenhausversorgung auf Kooperation. In Bremen steht sie sogar im Regierungsprogramm von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD).

Seit dem Frühjahr 2015 besprechen sich die beiden Länder, ob und wie sie bei der Krankenhausversorgung ihrer Patienten zusammenarbeiten könnten.

"Das Niedersächsische Sozialministerium hat beispielsweise im Frühjahr 2015 am Planungsausschuss Krankenhäuser der Freien und Hansestadt Bremen teilgenommen", teilt das Gesundheitsministerium Niedersachsen auf Anfrage mit. "Mögliche Wege einer Zusammenarbeit in diesem Bereich wurden im Frühsommer besprochen."

Allerdings haben sich die Planungsausschüsse und damit die entscheidenden Gremien der Länder bisher noch nicht getroffen, sagt Bielefeld. "Die Bereitschaft ist da. Es gibt auch ein erstes politischen Abtasten. Aber auf der Fachebene haben wir noch nicht geredet."

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