Spahn

Ansprüche höher schrauben, um Spitze zu sein

Die Politik muss den Anspruch des Gestaltens wieder deutlicher formulieren, die Ansprüche höher schrauben und konkrete Verbesserungen für Bürger erreichen.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:
Spahn im Fokus: Bei der Eröffnung des Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2018 demonstrierte der Bundesgesundheitsminister Gestaltungswillen.

Spahn im Fokus: Bei der Eröffnung des Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2018 demonstrierte der Bundesgesundheitsminister Gestaltungswillen.

© Alexander Joppich

06.06.2018 Video
© Springer Medizin

BERLIN. Ambitionierte Ziele hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch bei der Eröffnung des Hauptstadtkongresses für die von ihm verantwortete Gesundheitspolitik angekündigt: Bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens soll Deutschland wieder auf einen Spitzenplatz kommen, in der Pflege sollen in den nächsten zwölf Monate für Bürger spürbare Verbesserungen durchgesetzt werden.

"Wie müssen die Ansprüche wieder höher schrauben, anstatt uns im Klein-Klein zu verlieren. Dazu muss die Politik den Anspruch des Gestaltens wieder deutlicher formulieren", so das an die eigene Adresse gerichtete Postulat. Notwendig sei dies auch vor dem Hintergrund einer weltweit um sich greifenden Demokratieverdrossenheit.

Datengesetz angekündigt

Zur Digitalisierungsoffensive sei es notwendig, jetzt rasch eine Telematikinfrastruktur für ein sicheres Netz als Datenautobahn aufzubauen. An Ärzte richtete Spahn die dringende Bitte, Investitionen in Konnektoren nicht aufzuschieben.

Notwendig sei mehr Agilität. Dazu gehöre auch, das Smartphone als komfortable Alternative zur Gesundheitskarte nutzbar zu machen.

Eines müsse klar sein: "Das FaxGerät ist im Jahr 2018 kein angemessener Kommunikationsstandard." Anerkennung zollte er der Ärzteschaft, die mit den Beschlüssen des Ärztetages zur Fernbehandlung ihren Gestaltungsanspruch beim Digitalisierungsprozess dokumentiert habe.

Für die Anbieter digitaler Lösungen werde Rechtssicherheit zur Zulassung als Medizinprodukt und für den Weg in die GKV-Erstattung geschaffen, kündigte Spahn an.

Es sei nicht akzeptabel, wenn deutsche Digitalprodukte ihren Hauptabsatz nicht am Heimatmarkt, sondern im Ausland finden.

Für die nächsten Monate kündigt Span ein Datengesetz an, mit dem eine Grundlage dafür geschaffen wird, welche Gesundheitsdaten unter welchen Bedingungen für die Forschung und die Verbesserung der Versorgung genutzt werden können.

Pflege soll an die Telematikinfrastruktur angeschlossen werden

Zur Verbesserung der Personalsituation in der Pflege verteidigte Spahn sein Sofortprogramm von 13.000 zusätzlichen Pflegestellen. Dies müsse als Gesamtpaket gesehen werden.

Dazu gehörten auch der Anschluss der Pflege an die Telematikinfrastruktur und ein Programm, mit dem Investitionen von ambulanten Pflegeeinrichtungen mit bis zu 30.000 Euro und 40 Prozent des Aufwandes gefördert werden sollen. Dies könne auch Mitarbeiter in der Pflege entlasten.

Spahn: "Die entscheidende Botschaft ist: Wir haben verstanden!" Zum Pflegeprogramm gehöre, die Spirale zu höherer Arbeitsdichte und immer mehr Selbstausbeutung kurzfristig umzukehren.

Dazu sollen Anreize zur Rückkehr in den Beruf, für den Wechsel von der Teilzeit- in die Vollzeitarbeit geschaffen und die Möglichkeiten einer gezielten Zuwanderung aus dem Ausland genutzt werden.

Optimistisch ist Spahn, die Sektorengrenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung zu überwinden. Ein großer Wurf dazu werde die Notfallversorgung sein. Schon 2019 erwartet er Ergebnisse der Arbeitsgruppe.

Lesen Sie dazu auch: Kongresspräsident im Video-Interview: "Innovationen sind das Erkennungszeichen des HSK" Montgomery fordert: Schluss mit dem Machtgerangel bei der Digitalisierung! Kommentar: Flammendes Plädoyer

Mehr zum Thema

Hauptstadtkongress

HSK: Die Jahrhundert-Pandemie und ihre Lehren

Das könnte Sie auch interessieren
Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

„EvidenzUpdate“-Podcast

Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

Digitalisierung und Datenschutz pandemiekonform: SVR-Vorsitzender Professor Ferdinand Gerlach (li.) am 24. März in Berlin bei der Vorstellung des Ratsgutachtens und der Bundesdatenschutzbeauftragte Professor Ulrich Kelber (re.) einen Tag später bei der Vorlage seines Tätigkeitsberichts.

„ÄrzteTag“-Podcast

„Wir verlangen Digitalisierung mit Gehirnschmalz!“ (Streitgespräch Teil 1)

Thorsten Kaatze, kaufmännischer Direktor am Uniklinikum Essen

„ÄrzteTag“-Podcast

Ein „Kochrezept“ für die Digitalisierung einer Uniklinik

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nachmittags: das schnelle Telegramm. Am Morgen: Ihr individuell zusammengestellter Themenmix.

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Krisenmanagement in der Corona-Pandemie mit einem hochkarätig besetztem Podium: Ursula von der Leyen, Helge Braun, Christian Drosten, Jens Spahn, Alena Buyx und HSK-Präsident Karl Max Einhäupl.

Startschuss

Hauptstadtkongress – die Eröffnung im Live-Stream

Rosa Sparschwein steht auf Eisscholle: Bröckelndes Eis: Wie lässt sich das drohende Defizit bei den Kassenfinanzen auffangen? Es braucht Ideen neben einer Anhebung der Zusatzbeiträge.

Studie

Krankenkassenfinanzen steuern auf Rekorddefizit zu