Direkt zum Inhaltsbereich

Auskultation: Ärzte, hört genau zu!

Kardiopulmonale Auskultation in Zeiten von Echokardiografie und DRGs - was moderne Ärzte in Klinik und Praxis dazu beitragen können, die Kunst des Abhörens zu reanimieren, war Thema eines ganz Hightech-fernen Vortrags auf der Medica.

Von Stefan Käshammer Veröffentlicht:
Auskultation: Ärzte, hört genau zu!

© Natalia Merzlyakova / fotolia.com

DÜSSELDORF. Für Professor Matthias Leschke aus Esslingen ist das Stethoskop immer noch ein unverzichtbares Screening-Instrument zur Beurteilung von Patienten auf der Intensivstation, bei der klinischen Visite und in der Praxis.

Es erlaubt das Erkennen von Risikopatienten, für die dann gezielt eine weiterführende bildgebende Diagnostik veranlasst werden kann.

Aktuell bestehe allerdings der Eindruck, dass die Kunst der Auskultation nicht mehr ausreichend gepflegt, gelehrt und weiterentwickelt wird, so Leschke.

Geringe Sensitivität, hohe Spezifität

Dabei gebe es durchaus Untersuchungen zur Relevanz des Auskultationsbefundes im Vergleich etwa mit der Echokardiografie.

Eine kleine Studie mit 90 Patienten habe belegt, dass der positive prädiktive Wert eines dritten Herztons (S3 - schnelle Füllungsphase des Herzens in der Frühdiastole) und/oder vierten Herztons (S4 - Vorhofkontraktion) für einen erhöhten linksventrikulären enddiastolischen Druck (über 15 mmHg) bei 68 Prozent liegt und für eine erniedrigte linksventrikuläre Auswurffraktion (unter 50 Prozent) bei 42 Prozent (JAMA 2005; 293: 2238-2244).

Einschränkend müsse allerdings bemerkt werden, dass die Sensitivität der kardialen Auskultation sehr gering ist, so Leschke. Sie lag für S3 und S4 bei höchstens 50 Prozent.

Bei Patienten ohne auskultierbare pathologische Herzgeräusche könne somit keine Entwarnung gegeben werden.

Jedoch sei die Methode hochspezifisch. Bei Patienten mit deutlichem drittem Herzton liege zu etwa 90 Prozent tatsächlich eine pathologische Veränderung vor.

Anzeichen einer Dekompensation lassen sich prüfen

Ein weiterer Vorteil im Vergleich mit der alleinigen Echokardiografie sei, dass etwa bei Patienten mit Aortenstenose durch die Auskultation im gleichen Untersuchungsgang noch das Vorhandensein von Dekompensationszeichen wie pulmonalen Rasselgeräuschen geprüft werden könne.

Mittlerweile gebe es außerdem elektronische Stethoskope, mit denen sich Auskultationsgeräusche speichern, grafisch darstellen, archivieren und per USB-Schnittstelle in Computer und Netzwerke einspeisen lassen, so Leschke weiter.

Die Auskultation gewinne damit - ähnlich wie das Phonokardiogramm, das ältere Kollegen noch kennen dürften - an Objektivität.

In einer Analyse des Unternehmens Littman gaben jeweils über 80 Prozent der befragten Kardiologen an, dass sowohl ein dritter Herzton als auch Geräusche bei Aortenklappeninsuffizienz mit einem elektronisch-assistierten Stethoskop leichter zu erfassen sind.

Für die Zukunft sieht Leschke enormes Potenzial etwa in kompakten Echokardiografie-Geräten für die Kitteltasche: "Diese Mini-Sonos sind zwar für den Einzelnen noch sehr teuer, leisten aber Erstaunliches und könnten künftig die traditionelle Auskultation mit dem Stethoskop teilweise ersetzen, in jedem Fall jedoch ergänzen."

Das könnte Sie auch interessieren
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© Cardisio

Cardisio

Cardisiographie mit LVEF-Erkennung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Lesetipps
Group of people over vintage colors background smiling with hands on chest with closed eyes and grateful gesture on face. Health concept.

© Krakenimages.com / stock.adobe.com

Diskriminierung

Rassismus in der Hausarztpraxis: Warum Hinschauen die Versorgung verbessert

Schematische Darstellung der Lunge mit Bakterienbesiedlung.

© Working Moments / stock.adobe.com

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen