Deutscher Krankenhaustag

Das wünschen sich Kliniker von der Krankenhausreform

Mehr regionale Planung statt einer One-size-fits-all-Strategie, und fest definierte Vorhalteblöcke für Basisversorgung in den DRG – so stellen sich Klinikverbände den Strukturwandel vor, wie beim Deutschen Krankenhaustag zu hören war.

Von Rebekka HöhlRebekka Höhl Veröffentlicht:
Wie sieht die Zukunft des stationären Sektors aus?

Wie sieht die Zukunft des stationären Sektors aus? Kliniker mahnen: Bitte keinen Kahlschlag durch die Hintertür.

© Julian Stratenschulte / dpa

Düsseldorf. Die Strukturreform im stationären Bereich ist überfällig, da sind sich auch die großen Krankenhausverbände einig. „Die Menschen erwarten Antworten: Wie viel Krankenhaus will die Politik in Zukunft noch, wie viel Zentralisierung, wie viel Wohnortnähe?“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Gerald Gaß bei der Eröffnung des Deutschen Krankenhaustages am Montag. Aber, der Wandel müsse in geordneten Schritten organisiert werden, mahnte Gaß, der dieses Jahr auch Kongresspräsident ist.

Eine One-size-fits-all-Strategie dürfe es nicht geben, ergänzte Dr. Michael A. Weber, Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK). „Wir brauchen vielmehr eine regionale Planung, die auch berücksichtigt, welche sozioökonomischen Voraussetzungen in den einzelnen Gebieten gegeben sind.“ Denn letzteres habe Einfluss auf die Krankheitslast und den Versorgungsbedarf.

Ambulanten Bereich für Kliniken stärker öffnen?

Dabei können sich die Kliniker gut vorstellen, mehr im ambulanten Bereich mitzumischen. Die Öffnung für ambulante Versorgung müsse dann aber klar geregelt werden, so Gaß. Dennoch warnte Weber, hier zu sehr auf andere Länder als Blaupause zu schielen. „Dort sind die fachärztlichen Strukturen auch anders organisiert.“

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Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg (FDP) kann sich aber auch den umgekehrten Weg vorstellen: „In bestimmten Fällen werden ambulante Versorgungszentren die bessere und adäquatere Versorgung sein.“ Er teile aber den Wunsch, dass es keine Strukturbereinigung durch die Hintertür geben sollte. Garg: „Das muss ein gestaltender Prozess sein.“ Und in diesem dürften sich Politiker dann nicht darin gefallen, in den Regionen eine Bestandsgarantie für jedes Krankenhaus zu versprechen.

Garg stellte gleich zu Beginn klar: Aus dem Nähkästchen der Koalitionsverhandler wird er nicht plaudern. „Ich werde hier keine Geheimnisse verraten.“ Aber er könne durchaus allgemeine Positionen nennen und vertreten.

Knackpunkt Investitionskostenfinanzierung

Um dem demografischen Wandel gerecht werden zu können, müsse die sektorenverbindende Versorgung vorangebracht werden. Ebenso müssten die Telematik und digitale Anwendungen stärker als verbindende und überbrückende Elemente zwischen ambulantem und stationären Sektor zum Einsatz kommen.

Die Bundesländer müssten aber auch ihrer Investitionsverpflichtung nachkommen. „Ich wünsche mir hier, dass die Regierung im Rahmen eines Bund-Länder-Paktes bestimmte Leitlinien vorgibt, wie die künftige Krankenhausstruktur in Deutschland aussehen soll. Länder, die sich daran halten, sollten Unterstützung vom Bund erhalten“, sagte der Minister.

Für Gaß ist die klare Bereitschaft, den Investitionsverpflichtungen nachzukommen auch deshalb wichtig, weil sie den Kliniken auf der anderen Seite helfe, attraktiver Arbeitgeber zu sein und wieder Fachkräfte zu gewinnen.

Warum die PPR 2.0 der richtige Weg ist

Dass das dringend notwendig ist, machte Dr. Sabine Berninger, Pflegedirektorin an der KJF Klinik Josefinum Augsburg und Vertreterin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) am Beispiel Pflege deutlich: „Die Pflege in deutschen Kliniken befindet sich in der Abwärtsspirale.“

Pflegekräfte müssten viel zu viele Patienten versorgen, hätten keine verlässlichen Dienstpläne und kaum Pausenzeiten. „Wir brauchen ein Personalbemessungsinstrument, das am Bedarf unserer Patienten ausgerichtet ist, damit man wieder pflegen kann, wie es fachlich geboten ist“, forderte sie. Mit dem Personalbemessungsinstrument PPR 2.0 liege ein fundierter Vorschlag auf dem Tisch, schob sie hinterher.

Geht es nach den Klinikvertretern, muss jedoch auch das leidige Thema DRG neu sortiert werden: Die DRG hätten durchaus Transparenz gebracht, so Weber. Ganz abschaffen würde er sie daher nicht. Aber die 100-prozentige Finanzierung über die Fallpauschalen habe sich als Problem erwiesen. „Wir müssen Vorhaltekosten berücksichtigen, für den ärztlichen und pflegerischen Dienst, um notwendige Bereitschaftsdienste aufrechthalten zu können.“

Auch das sieht der schleswig-holsteinische Minister ganz ähnlich: Es müsse ein versorgungsspezifischer Vorhalteblock definiert werden, über den eine Basisversorgung sichergestellt werden könne. Dabei stellte er klar: „Das bisherige DRG-System hat zu deutlichen Fehlentwicklungen geführt.“

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