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Extrem dicken Menschen hilft oft nur Chirurgie

Chirurgie ist nicht die Lösung für das Problem Adipositas, aber für Betroffene ist es häufig die einzige Option.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Adipöser Patient mit 357 kg. Die Operation erfordert eine geeignete Infrastruktur.

Adipöser Patient mit 357 kg. Die Operation erfordert eine geeignete Infrastruktur.

© Foto: Prof. Rudolf Weiner

Über eine Million Menschen in Deutschland leiden an morbider Adipositas (BMI über 40), und es werden immer mehr. Wegen der ernsten Folgen wie Depressionen, Hypertonie, Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden oder auch Krebs ist bei Betroffenen die Lebensqualität extrem reduziert und die Lebenswartung um etwa 20 Jahre verringert.

Realistische Chancen, mit Reduktionskost und Bewegung massiv an Gewicht zu verlieren, haben die Betroffenen nicht. "Wenn jemand erst einmal 50 kg zu viel auf die Waage bringt, dann helfen keine Diäten mehr", sagt Professor Rudolf Weiner aus Frankfurt am Main. Denn das Fettgewebe als autonomes endokrines Organ wirkt der Gewichtsabnahme entgegen. Durch Hungern können die Patienten zwar ihre Fettspeicher zum Teil entleeren. Anschließend reguliert der Körper aber den Stoffwechsel auf ein extrem niedriges Niveau. Selbst bei minimaler Kost füllen sich die Speicher sofort wieder, so der Adipositas-Experte von der chirurgischen Klinik am Krankenhaus Sachsenhausen.

Adipositas-Gesellschaft rät ab BMI von 40 zum Eingriff

Helfen können chirurgische Eingriffe mit Magenbypass oder Magenband. Nach Studienergebnissen verlieren Adipositas-Patienten durch solche Verfahren stark an Gewicht. Das hohe Risiko für Folgekrankheiten sinkt dadurch und die Sterberate wird deutlich verringert. Nach den Leitlinien der Deutschen Adipositas-Gesellschaft sind solche bariatrischen Eingriffe generell zu erwägen bei einem BMI über 40, außerdem bei einem BMI über 35 und zusätzlich schweren Begleiterkrankungen. Junge Patienten mit hohem BMI profitieren am meisten von der Operation. Wichtig ist eine lebenslange Nachsorge mit Supplementation von Vitaminen und Mikronährstoffen.

Die Begleiterkrankungen von Adipositas werden nach dem chirurgischen Eingriff gelindert oder sogar ganz beseitigt. So lässt sich Typ-2Diabetes durch einen Magenbypass oder ein Magenband vollständig beseitigen, wenn ein Patient noch nicht 12 bis 15 Jahre an der Erkrankung leidet, sagte Weiner. Er berichtete von den Ergebnissen einer australischen Studie mit 60 adipösen Typ-2-Diabetikern (BMI 30 bis 40). Zwei Jahre nach Einsatz eines flexiblen Magenbands (LAGB) hatten die 30 Patienten der Interventionsgruppe im Mittel 21 Prozent Gewicht verloren.

Bei 73 Prozent der Patienten war der Diabetes völlig verschwunden. Das heißt, der Nüchternblutzucker blieb ohne antidiabetische Medikamente dauerhaft unter 126 mg/dl und der HbA 1c -Wert unter 6,2 Prozent. Zum Vergleich: Die 30 Patienten der Kontrollgruppe ohne Magenband reduzierten mit Sport und Ernährungsumstellung im Mittel ihr Gewicht nur um 1,7 Prozent und nur bei 13 Prozent kam es zu einer Remission des Diabetes.

Kosten der Op können sich schnell amortisieren

Die Kosten eines Eingriffs von etwa 5000 Euro können sich so schnell amortisieren. Weiner hat berechnet, dass zehn Jahre Therapie eines insulinpflichtigen Typ-2-Diabetikers mit Adipositas etwa 110 000 Euro kosten. Im Vergleich dazu müssten für einen chirurgisch versorgten Adipositas-Patienten mit Operation und Nachsorge in zehn Jahren etwa 9200 Euro aufgewendet werden.

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