Sponsoren des Kongresses stellen sich vor: Mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Ärzteversicherung

Haftpflicht: "Vor Millionenforderungen ist letztlich kein Arzt gefeit"

Angesichts der Schadensummen wird die Arzthaftpflicht immer wichtiger. Patrick Weidinger von der Deutschen Ärzteversicherung über aktuelle Trends.

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"Wir haben keinen signifikanten Anstieg der Schadenshäufigkeit festgestellt." Patrick Weidinger Rechtsanwalt und Prokurist der Deutschen Ärzteversicherung

Ärzte Zeitung: Herr Weidinger, Berichte über Ärztepfusch legen den Verdacht nahe, dass Ärzte immer schlechter arbeiten. Können Sie als größter Anbieter von Haftpflichtversicherungen für Ärzte diesen Eindruck bestätigen?

Patrick Weidinger: Auf keinen Fall! Deutschland hat eine fantastisch gute Versorgungsqualität. Und wir haben keinen signifikanten Anstieg der Schadenshäufigkeit festgestellt.

Ärzte Zeitung: Aber die Schadenshöhen haben sich schon verändert?

Weidinger: Leider haben sich die Schadenshöhen tatsächlich verändert, und zwar sehr deutlich. Bei schweren Personenschäden können Sie heute ohne weiteres mit einem Schadensvolumen von drei Millionen Euro und mehr rechnen. Da ist zum einen das Schmerzensgeld, das sich zum Beispiel für das apallische Syndrom in den letzten zwanzig Jahren von 50 000 DM auf 500 000 Euro entwickelt hat. Ich denke hier aber auch an aktuelle Fälle wie den anaphylaktischen Schock infolge einer Desensibilisierungsinjektion, an die verkannten Herz- und Hirninfarkte, an die fehlerhafte Reanimationen und andere schwere Sauerstoffmangelsyndrome.

Ärzte Zeitung: Dies betrifft das Schmerzensgeld. Dazu kommen aber noch weitere Positionen?

Weidinger: Richtig. Das Schmerzensgeld macht noch den geringsten Anteil des Schadensvolumens aus. Hinzu kommen etwa die monatlichen Heilbehandlungs- und Pflegekosten, welche die Kranken- und Pflegekassen heute fast ausnahmslos regressieren, die Kosten für Haushaltshilfen, der Verdienstschaden und vieles mehr. Soweit es sich bei den Positionen um wiederkehrende Leistungen handelt, sind diese heute deutlich länger zu bezahlen als noch vor einigen Jahren. Der Fortschritt macht es möglich, dass selbst Wachkomapatienten eine kaum noch eingeschränkte Lebenserwartung haben.

Ärzte Zeitung: Kann man denn sagen, dass bestimmte Ärzte prädestiniert für schwere Zwischenfälle sind, vielleicht weil ihnen immer mal wieder etwas Unerwünschtes passiert?

Weidinger: Unsere Statistiken zeigen, dass die meisten Ärztinnen und Ärzte völlig unerwartet mit exorbitanten Schadenersatzforderungen konfrontiert werden. Ein über viele Jahre "schadenfreies" Arbeiten ist kein Garant dafür, nicht plötzlich selbst mit Vorwürfen überzogen zu werden. Es sind gerade die guten und gewissenhaften Mediziner, denen irgendwann im Laufe des Berufslebens ein Missgeschick passiert, das weit reichende juristische und finanzielle Folgen hat. Und kein Fachgebiet ist von solchen Katastrophen ausgenommen.

Ärzte Zeitung: Gibt es denn zwischen den Fachgebieten systemische Unterschiede bei den ärztlichen Fehlern?

Weidinger: Die gibt es. Während in operativen Fächern die Behandlungsfehler imponieren wie die Nervschädigung bei Lymphknotenbiopsie, sind die Innere Medizin, aber auch die Allgemeinmedizin zusätzlich sehr stark von Diagnosefehlern geprägt. Diese betreffen vor allem übersehene Herzinfarkte, Schlaganfälle, Karzinome, Blinddarmdurchbrüche, Borreliosen, und Erkrankungen der inneren Organe wie der Nieren. Daher brauchen auch Ärzte dieser Fachgruppen den Schutz der Solidargemeinschaft einer Versicherung.

Deutsche Ärzteversicherung AG

Branche: Versicherungen

Unternehmensdaten: gegründet 1881 als "Centralshilfskasse für die Ärzte Deutschlands". 1928 Umfirmierung in "Deutsche Ärzteversicherung". Mitte 90er Jahre rechtliche Verselbständigung in der Sparte Lebens- und Rentenversicherungen als eigenständige Tochtergesellschaft in der AXA-Gruppe. 2007 Übernahme der DBV-Winterthur. Angebot von Versicherungs- und Vorsorgeprodukten für akademische Heilberufe. Kooperation mit Deutscher Ärzte- und Apothekerbank und allen wichtigen berufsständischen Organisationen. 200 000 Kunden.

Wichtige Produkte: MedProtect (Rahmenvereinbarung zur Berufshaftpflichtversicherung mit 13 Landesärztekammern; DocDor (private Vorsorge), GesundheitsRente (betriebliche Altersvorsorge für Medizinische Fachangestellte)

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