PURE-Studie

Was Politiker über die Gesundheit ihrer Völker wissen müssen

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In welcher Region dominiert eine gesunde Ernährung mit Obst und Gemüse? Wo erfolgt die Energieaufnahme mit Eiweiß und ungesättigten Fettsäuren? Und was bedeutet das für die Gesundheit in den Ländern der Welt? Diese Fragen wurden jetzt in einer großen epidemiologischen Studie aufgegriffen.

Von Rainer Klawki

MÜNCHEN. Zunächst scheinen die reichen Länder gut abzuschneiden, doch auch sie sind gefährdet: durch Bewegungsmangel und Übergewicht.

Arme Länder decken ihren Kalorienbedarf derzeit im Vergleich mit reichen Ländern vornehmlich mit Kohlenhydraten. Reiche Länder nutzen meist einen Mix aus Obst und Gemüse, Eiweißen und ungesättigte Fettsäuren plus Kohlenhydrate.

Auf einem weltweiten Niveau lassen diese Zusammenhänge wichtige Rückschlüsse für die Gesundheitsvorsorge und Politik zu. In der PURE (Prospective Urban Rural Epidemiology)-Studie wurden diese Zusammenhänge untersucht. Professor Salim Yusuf von der McMaster Universität in Hamilton (Kanada) hat Einzelheiten beim ESC in München vorgestellt.

Zusammenhang zwischen Bruttoinlandsprodukt und Gesundheits-Index

PURE ist eine prospektive Studie, die das Bruttoinlandsprodukt eines Landes in Beziehung zu einem Gesundheits-Index setzt - und aus weiteren Detailerhebungen zu Nahrungsaufnahme, Bewegung und Rauchen Vorschläge zur Gesundheitsvorsorge erarbeiten möchte.

"Zum einen geht es um die Verteilung der Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen in der ganzen Welt - unterschieden nach Region, Ethnie, Stadt- und Land-Status sowie sozialem Status, zum anderen um die Erfassung von Faktoren des Lebensstils einschließlich Ernährung, Tabakgenuss und Bewegung, die beeinflussbar sind und einen Effekt auf den Gesundheitsstatus haben", erläuterte Yusuf in München.

Verfügbar waren für die Studie Daten von 154.000 Personen aus 628 Gemeinden in 17 Ländern aus fünf Kontinenten. Dazu gehören: , Argentinien, Bangladesh, Brasilien, Chile, China, Indien, Iran, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Pakistan, Polen, Schweden, Südafrika, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate und Zimbabwe.

Ein erster Aspekt, den Yusuf untersucht hat, war der Konsum von Obst und Gemüse nach Ländern und Regionen. Hier zeigte sich, dass nur ein Drittel der Länder über dem empfohlenen Standard lagen.

Höherer Obst- und Gemüsekonsum in reicheren Ländern

Je reicher Länder sind, um so mehr Obst und Gemüse wurde konsumiert. Das ergab der Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt (GDP, gross domestic product). Dabei schwankt die Aufnahme in Gramm pro Tag zwischen 200 und 1000. Wird der sogenannte Wealth-Index mit der aufgenommenen Obst- und Gemüsemenge in Beziehung gesetzt, zeigt sich der günstige gesundheitliche Effekt des Gemüse- und Obstkonsums in Abhängigkeit von der Menge.

Yusufs Schlussfolgerung: Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen Gesundheit und Gemüse-/Obstkonsum. Ein Drittel der Weltbevölkerung konsumiert derzeit nicht genügend Obst und Gemüse, entsprechend schlecht ist der Gesundheitsindex in diesen Ländern.

Kohlenhydrate sind eine preisgünstige Quelle von Energie vor allem in Ländern wie Indien, Pakistan und Zimbawe. In diesen Ländern wird der Energiebedarf vor allem auf diese einfache Weise gedeckt - im Gegensatz zu reicheren Ländern mit vermehrter Eiweißaufnahme.

Je gesünder die Ernährung, desto geringer die Bewegung

Eine weitere Beobachtung: Je gesünder die Bevölkerung sich ernährt, um so weniger bewegen sich die Menschen. Es gebe aber keine Möglichkeit, das damit oftmals verbundene Übergewicht ausschließlich mit mehr Bewegung zu kompensieren, selbst dann nicht, wenn täglich ein Marathonlauf auf dem Programm stände, erläuterte Yusuf.

Deshalb sei es erforderlich, die Epidemie des Übergewichts mit einer Veränderung der Umgebung für die Nahrungsaufnahme in reichen Ländern zu bekämpfen.

Beim Rauchen hat sich vor allem bei Männern ein Unterschied zwischen reichen Ländern mit 10 Prozent Rauchern und armen Ländern mit 40 Prozent Rauchern gezeigt. Die Rate derjenigen, die mit dem Rauchen aufgehört haben, ist derzeit besonders hoch in den reichen Ländern.

Und besonders groß ist hier auch der gesundheitliche Effekt. Hier rät Yusuf, dass der Focus der gesundheitspolitischen Anstrengungen darauf liegen sollte, dass Menschen weltweit mit dem Rauchen aufhören. Das habe in den ärmeren Ländern auch einen günstigen Effekt auf die nachrückende Generation.

Der Fachbegriff für diesen nachhaltigen Effekt sei die "epidemiologische Transition". Im nächsten Jahr möchte Yusuf dann Zahlen vorlegen, die die Unterschiede zwischen Personengruppen und Ländern verursacht, um dann schon zu konkreten Ratschlägen für die Politik in bestimmten Regionen zu kommen.

Quelle: www.springermedizin.de

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