Ebola-Krise

Was sind Lehren aus den Versäumnissen?

Mehr als 10.000 Tote, 800 infizierte Gesundheitsmitarbeiter forderte die Ebola-Epidemie in Westafrika. Oft kam Hilfe zu spät. Zwei Experten berichten beim Ärztetag, ob die Welt für die nächste globale Epidemie besser gerüstet ist.

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Hatte viele Fragen zu beantworten, als ein Ebola-Patient in Frankfurt behandelt wurde: Prof. René Gottschalk.

Hatte viele Fragen zu beantworten, als ein Ebola-Patient in Frankfurt behandelt wurde: Prof. René Gottschalk.

© dpa

Frankfurt/Main. Das Thema Ebola ist oben angekommen - auf der Agenda der Tagung der G 7-Länder am 7./8. Juni auf Schloss Elmau. Bedurfte es dazu erst dieser Katastrophe?

Mehr als 10.000 Tote, 800 infizierte Gesundheitsmitarbeiter in Westafrika. Die am stärksten betroffenen Länder Liberia, Sierra Leone und Guinea sind wirtschaftlich um fünf bis zehn Jahre zurückgeworfen, die Gesundheitssysteme ruiniert.

Zugleich erlahmte der Kampf etwa gegen Malaria - steigende Infektionszahlen sind die Folge.

Dr. Tankred Stöbe, Mitglied im Vorstand von "Ärzte ohne Grenzen" in Deutschland, wird beim Deutschen Ärztetag in Frankfurt über "Medizin in Zeiten globaler Epidemien" referieren.

Stöbe werde den Delegierten "die Leviten lesen", meinte Ärzte-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery. Alle hätten die Dramatik der Krise unterschätzt, sagt er.

Der "Patient Null"

Vermutlich im Dezember 2013 infizierte sich "Patient null" mit dem Ebola-Virus. Bereits im März 2014 warnten Ärzte vor einer Epidemie. Erst im August rief die WHO den internationalen Gesundheitsnotfall aus - da waren schon 1000 Menschen gestorben. Und im September reagierte die Bundesregierung mit Hilfszusagen -  zu langsam und zu spät.

Bei einer viertägigen Reise nach Westafrika versuchte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) im April, Lernerfahrungen aus der Krise zu ziehen. Eine Konsequenz: Ein Sonderprogramm in Höhe von 200 Millionen Euro, mit dem der Aufbau der Gesundheitsversorgung in den Ländern unterstützt werden soll.

Die Gesundheitssysteme vor Ort müssten gestärkt werden, um für künftige Epidemien besser gerüstet zu sein, so Gröhe.

Für Tankred Stöbe bleibt das bittere Fazit, dass die Hilfe der reichen Länder erst in Gang kam, als einzelne Ebola-Fälle in Europa und in den USA auftraten oder Patienten zur Behandlung dorthin ausgeflogen wurden - so wie beispielsweise nach Frankfurt.

Hysterische Reaktionen in Deutschland

Davon - und von den teils hysterischen Reaktionen in Deutschland - kann Professor René Gottschalk berichten. Der zweite Referent zu diesem Thema beim Ärztetag ist Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts und des hessischen Kompetenzzentrums für hochansteckende Krankheiten.

In Deutschland stehen sieben Behandlungszentren mit insgesamt 50 Betten für Ebola-Infizierte zur Verfügung - höchste intensivmedizinische Betreuung ist garantiert. Angesichts dieser verfügbaren Expertise, habe Deutschland "desaströs wenig" Hilfe für die betroffenen Länder geleistet, erklärt der Infektiologe Gottschalk.

Vor diesem Hintergrund hält er die mediale Panikmache hierzulande für unangemessen. Gottschalk berichtete seinerzeit von nach Deutschland zurückgekehrten Touristen aus Afrika, die aus Angst vor Ebola in Krankenhäusern abgewiesen wurden.

Mittlerweile hat das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung wieder sein Normallevel erreicht, Westafrika verschwindet aus dem Blickfeld. Der Krisenstab der Bundesregierung für die Ebola-Epidemie stellt Mitte Mai seine Arbeit ein.

Jetzt wäre eine Auswertung der Ebola-Krise geboten - mit Blick auf die nächste globale Epidemie. Lautet doch das Motto der G 7-Tagung: "An morgen denken. Gemeinsam handeln." (fst)

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