Mamma-Ca

3D-Modell sagt Effekt der Krebstherapie vorher

An individuellen 3D-Modellen lässt sich offenbar gut vorhersagen, ob Frauen mit Brustkrebs auf eine neoadjuvante Therapie ansprechen werden. Das lassen die vorläufigen Ergebnisse der deutschen Studie SpheroNEO vermuten.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Spricht die Patientin gut auf eine Antikörper- oder Chemotherapie vor der Op an? Über ein 3D-Sphäroid-Modell lässt sich das im Vorfeld klären.

Spricht die Patientin gut auf eine Antikörper- oder Chemotherapie vor der Op an? Über ein 3D-Sphäroid-Modell lässt sich das im Vorfeld klären.

© Springer Verlag GmbH

MÜNCHEN. Bei der SpheroNEO-Studie handelt es sich um eine prospektive, nicht interventionelle Kohortenstudie. In dieser Studie wurde versucht, bei neoadjuvant behandelten Brustkrebs-Patientinnen den Effekt der medikamentösen Therapie am multizellulären Sphäroidmodell in vitro vorherzusagen.

Mit diesem 3D-Modell wird der Tumor in der Patientin quasi als Mikrotumor in der Petrischale nachgeahmt. Tumorbiologie und Mikroenvironment lassen sich besser als im 2D-Modell simulieren.

202 Patientinnen untersucht

Insgesamt 202 Patientinnen aus 13 Krebszentren in Deutschland nahmen an der Studie in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen SpheroTec in Martinsried im Zeitraum zwischen 2009 und 2012 teil.

Die Befunde von 78 Patientinnen konnten für den Vergleich zwischen pathologischem komplettem Ansprechen (pCR, pathological complete response) und dem Überleben der Zellen in vitro im jeweiligen Sphäroidmodell herangezogen werden.

Indikation: Neoadjuvante Therapie

Ein pathologisches komplettes Ansprechen lag vor, wenn in der Brust und in den Axillen keine vitalen Tumorzellen mehr vorhanden waren (Status ypT0 ypN0).

Alle Studienteilnehmerinnen hatten ein duktal oder lobulär invasives Mammakarzinom, und es bestand die Indikation für eine neoadjuvante Therapie, das heißt eine Behandlung vor der Brust-Operation. Mehr als 58 Prozent der Frauen waren HER2-negativ, mehr als 62 Prozent Östrogenrezeptor-positiv.

Der einzige Faktor, der die Komposition der patientenspezifischen Modelle beeinflusste, war das Tumorgrading: Zellen aus hochgradigen, wenig differenzierten Tumoren formten in vitro ein wenig kompaktes 3D-Modell des Karzinoms.

3D-Modelle aus Tumormaterial

Die Krebszellen zur Herstellung der 3D-Sphäroid-Modelle wurden aus dem entnommenen Tumormaterial der Brust gewonnen. Die Modelle wurden in einem externen Labor unter GLP-Bedingungen (Good Laboratory Practice, Gute Laborpraxis) hergestellt.

Die neoadjuvante Therapie überlebten im Mittel nur 21,8 Prozent der Zellen in den Sphäroidmodellen jener Patientinnen, bei denen ein pathologisches komplettes Ansprechen diagnostiziert worden war (n = 22).

Die Ansprechrate lag mit 28,2 Prozent in der in anderen Studien ermittelten Größenordnung, wie die Studienautoren um Kathrin Halfter von der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß-und Thoraxchirurgie der Ludwig-Maximilians-Universität München berichten (BMC Cancer 2015; 15: 519).

Bei Ansprechen häufiger Zelltod

In der Vergleichsgruppe der Patientinnen ohne ein solches Ansprechen (n = 56) überlebten hingegen 63,8 Prozent der Sphäroidzellen. Bei Patientinnen mit einer Trastuzumabbasierten neoadjuvanten Behandlung lag der Anteil der überlebenden Sphäroidzellen bei 21,9 Prozent im Fall eines pathologischen kompletten Ansprechens und bei 45,4 Prozent , wenn die Patientinnen nicht auf die Behandlung ansprachen.

Bei einem Cut-off-Wert von 35 Prozent überlebender Zellen im 3D-Modell ergab sich den Berechnungen der deutschen Wissenschaftler zufolge eine Sensitivität von 95,5 Prozent (nämlich bei 21 von 22 Patientinnen ein richtig positiver Test) und eine Spezifität von 80,4 Prozent (45 von 56 Patientinnen mit richtig negativem Ergebnis).

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