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5000 Aids-Tote am Tag: Mahnende Zahlen zur globalen HIV-Situation

Seit Sonntag läuft die 18. Internationale Aids-Konferenz in Wien. 25 000 Experten aus 180 Ländern werden erwartet. Hauptrisikogruppe für eine HIV-Infektion sind in Deutschland Männer, die Sex mit Männern haben.

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Safer Sex ist nur eine der wichtigen Maßnahmen im Kampf gegen HIV.

Safer Sex ist nur eine der wichtigen Maßnahmen im Kampf gegen HIV.

© Gine Sandera / fotolia.com

WIEN (eb). 5000 Aids-Tote am Tag, 7400 HIV-Neuinfektionen und kein Impfstoff in Sicht: Die weltweite Lage sieht nicht rosig aus, wenn Dr. Osamah Hamouda, HIV-Experte am Robert Koch-Institut in Berlin an der Aids-Konferenz in Wien teilnimmt. In Deutschland haben sich die Ansteckungszahlen nach einem vorübergehenden Anstieg zwar wieder stabilisiert. Die Risikogruppen aber sind die gleichen geblieben. Es sind vor allem schwule junge Männer zwischen 25 und 40, die sich mit dem HI-Virus infizieren.

67 Prozent der Patienten, bei denen in Deutschland im Jahr 2009 eine neue HIV-Infektion festgestellt wurde, sind Männer, die Sex mit Männern haben. Nur 17 Prozent der Betroffenen haben sich bei heterosexuellen Kontakten angesteckt. 11 Prozent stammen aus Ländern mit einer hohen Verbreitung von HIV in der Allgemeinbevölkerung und haben sich größtenteils bereits dort über heterosexuelle Kontakte angesteckt. Die Zahl der Drogenabhängigen unter den Infizierten ist 2009 dagegen um 20 Prozent gesunken. Es sind nur noch 3,5 Prozent.

Insgesamt gab es in Deutschland für das Jahr 2009 rund 2800 gemeldete HIV-Neudiagnosen, ähnlich viele wie in den beiden Vorjahren. Doch Hamouda hat keine eindeutigen Zahlen vor sich. "Die heutigen Tests unterscheiden noch nicht zwischen frisch erworbenen Infektionen und Ansteckungen, die Jahre zurückliegen können", erläutert er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. So könne niemand genau sagen, wie viele Menschen sich 2009 in Deutschland neu angesteckt haben - und ob es mehr oder weniger sind als früher. 2800 Neudiagnosen im Jahr das sei im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eine gute Situation, sagt Hamouda. "Das liegt daran, dass Aufklärung- und Präventionsprogramme hier früh begonnen wurden.""Je früher eine medizinische Betreuung gewährleistet ist, desto eher lässt sich zum richtigen Zeitpunkt die Behandlung beginnen und das Virus erfolgreich unterdrücken." Das wüssten heute auch die meisten Homosexuellen. "Ein schwieriges Spektrum sind nur Menschen, die sich oft testen lassen, aber ihr Verhalten nicht ändern", ergänzt Hamouda. "Und es gibt auch Menschen, die eine Infektion nicht bestätigt haben wollen. Aber das ist eine Minderheit."

Eine Stärkung von Frauenrechten weltweit hat die Deutsche Aids-Stiftung angemahnt. Das sei eine grundlegende Voraussetzung für die erfolgreiche Bekämpfung von HIV. Nach Angaben von UNAIDS sei HIV die Hauptursache für Krankheit und Tod bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren. In Afrika südlich der Sahara sind 60 Prozent der Menschen mit HIV weiblich. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist einer der Gründe für diese globale Entwicklung. Bis zu 70 Prozent der Frauen machen im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit Gewalt, in Südafrika wird jede Minute eine Frau vergewaltigt. Frauen, die Angst vor Gewalt haben oder diese bereits erleben, haben keine Möglichkeit, geschützten Geschlechtsverkehr einzufordern, sie nehmen HIV-Tests weniger in Anspruch, verheimlichen oft ihre Infektion und haben daher meist auch keinen Zugang zu Behandlung. Eine weitere Ursache für die hohe Gefährdung von Frauen ist die Benachteiligung etwa im Zugang zu Bildung, zum Arbeitsmarkt und zum Gesundheitssystem. Frauen sorgen in der Regel für die Kinder und haben daher geringere Chancen auf Berufstätigkeit und eigene Einkünfte. Weltweit haben nur 38 Prozent der jungen Frauen korrekte und umfassende Informationen über HIV/AIDS. Von den 110 Millionen Kindern, die keine Schule besuchen, sind zwei Drittel Mädchen. "Die Regierungen der besonders betroffenen Länder, aber auch die internationale Staatengemeinschaft sind aufgefordert, sich gegen die Benachteiligung von Frauen einzusetzen, damit sie gleichberechtigten Zugang zu Aufklärung, Prävention und medizinischer Therapie erhalten." Um Frauen besonders für sie geeignete Präventionsmöglichkeiten zur Verfügung stellen zu können, müsse die Forschung an AIDS-Impfstoffen und Mikrobiziden verstärkt fortgesetzt werden.

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