Junge Diabetiker

ACE-Hemmer und Statine für junge Diabetiker?

Nützen jungen Typ-1Diabetikern mit schnellem Urinalbumin-Anstieg ACE-Hemmer und Statine? Eine Studie brachte kurzfristig keinen Erfolg.

Veröffentlicht: 20.12.2017, 09:00 Uhr

CAMBRIDGE. Typ-1-Diabetiker mit rapide steigenden Urinalbumin-Werten in der Pubertät haben ein erhöhtes Risiko für spätere Herz- und Nieren- Krankheiten. Können sie deshalb von ACE-Hemmern und Statinen profitieren? Dieser Frage ist ein Team um Dr. M. Loredana Marcovecchio von der Universität Cambridge in England nachgegangen (NEJM 2017; 377: 1733). Für ihre Studie haben sie 443 Zehn- bis 16-Jährige mit hohem Albumin-Kreatinin-Quotient (median 10,8 mg/g Kreatinin) ausgewählt.

Die Jugendlichen wurden nach dem Zufallsprinzip einer von vier Gruppen zugeteilt: Die erste Gruppe erhielt den ACE-Hemmer Quinapril (5–10 mg/d) plus den CSE-Hemmer Atorvastatin (10 mg/d). Die zweite und die dritte Gruppe erhielten je eine Arznei plus ein Placebo und die vierte Gruppe nur Placebos. In den folgenden zwei bis vier Jahren wurde alle sechs Monate das Albumin-Kreatinin-Verhältnis in drei Morgenurinproben bestimmt. Ergebnis: Bei den sich ergebenden Flächen unter der Kurve, dem primären Studienendpunkt, gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Ein sekundärer Studienendpunkt war das Auftreten von Mikroalbuminurien. Hier wurde die kumulative Inzidenz mit dem ACE-Hemmer relativ um 43 Prozent reduziert, ein möglicher klinisch relevanter Effekt. Nach Daten der DCCT- und der EDIC-Studie könnte nämlich selbst zeitweilige Mikroalbuminurie das kardiovaskuläre Risiko erhöhen. Mit dem ACE-Hemmer wurde der systolische Blutdruck gesenkt (nicht signifikant).

Mit dem Statin wurden LDL-Cholesterin und Triglyzeride reduziert. Es hatte keinen Einfluss auf das Auftreten von Mikroalbuminurien. Keiner der Wirkstoffe veränderte die Intima-Media-Dicke der Karotisarterien sowie andere Marker für das kardiovaskuläre Risiko. Dasselbe galt für die Progression einer Retinopathie.

Die Forscher vermuten, dass der fehlende Nutzen der Arzneien mit dem kurzen Follow-up zusammenhängt. So haben sich auch blutzuckersenkende Therapien erst nach über zehn Jahren in vaskulären Endpunkten bemerkbar gemacht.

Bei ACE-Hemmer-Einnahme kam es zu vier schweren unerwünschten Ereignissen (GFR-Abfall, hypotensive Episode und ALT-Anstieg), unter dem Statin wurden keine schweren Nebenwirkungen registriert. (bs)

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