Alkohol-Entwöhnung auch ambulant erfolgreich

BERLIN (gvg). Suchttherapeuten der Universität München haben in einer Studie bei 102 Alkoholabhängigen gute Erfahrungen mit einer rein ambulanten Entwöhnung gemacht. Die Erfolgsquote ähnelt jener bei stationärer Entwöhnung.

Veröffentlicht:

In der Studie wurden die Betroffenen, die alle einen Alkoholentzug hinter sich hatten, insgesamt über neun bis zwölf Monate in Einzel- und Gruppentherapie-Sitzungen betreut.

Pro Person gab es 80 bis 120 Therapiestunden, und zwar mit einem breiten Spektrum therapeutischer Verfahren: von der Verhaltenstherapie über Gestalttherapie und Klienten-zentrierte Gesprächstherapie bis hin zu Entspannungsübungen und Angehörigen-Schulungen. Erfolg oder Mißerfolg der Intervention wurde über 36 Monate nachverfolgt.

    56 Prozent blieben zwei Jahre abstinent.
   

"Drei von vier Betroffenen beendeten die Entwöhnung regulär. Der Rest brach wegen Rückfällen oder Problemen bei der Kostenübernahme ab", sagte der Psychiater Professor Michael Soyka aus Meiringen auf dem Psychiatrie-Kongreß in Berlin.

Die Langzeitergebnisse, die die Münchener erreichen konnten, zeigen, daß die ambulante Entwöhnung möglich ist und häufig Erfolg hat. Nach zwei Jahren waren noch 56 Prozent der ursprünglichen Teilnehmer abstinent. Von jenen, die die Entwöhnung erfolgreich beendet hatten, waren es sogar 69 Prozent.

Im dritten Jahr allerdings fiel diese gute Quote auf 44 Prozent ab. "Wir liegen damit auf einem klinisch befriedigenden Langzeitniveau, das in etwa dem entspricht, was bei einer stationären Entwöhnung erwartet werden kann", sagte Soyka.

Der Psychiater betonte, daß nicht jeder Alkoholabhängige für eine ambulante Entwöhnung in Frage komme. Geeignet sei der Ansatz vor allem bei intaktem sozialem Umfeld und für jene, die bereits eine berufliche Re-Integration begonnen hätten.

Daß das soziale Umfeld Probleme machen kann, zeigt die Beobachtung, daß jene, die in der Münchener Studie während der Entwöhnung rückfällig wurden, überproportional häufig ebenfalls alkoholkranke Partner hatten.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Beratung in der Arztpraxis

Sicher mit Kindern verreisen: So geht‘s

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?