DÜSSELDORF (sir). Die Hygiene-Hypothese greift offenbar zu kurz: Nicht nur (Virus-) Infektionen verringern das Allergierisiko, sondern ebenso ein Parasitenbefall, wie bei der Medica berichtet wurde. Eine systematische Allergieprävention mit diesen Mitteln verbietet sich aber von selbst - in beiden Fällen.

Bekannt ist, dass T-Helferzellen bei Säuglingen und Kleinkindern weiter ausdifferenzieren in TH1- oder TH2-Helferzellen. Die zytotoxischen TH1-Zellen werden vor allem gegen Virusinfektionen aktiv. Die TH2-Zellen haben ihre Aufgabe in der Bekämpfung von Würmern und anderen Parasiten, werden aber auch mit der Allergie-Entstehung in Verbindung gebracht.

"Trotzdem bekommen Kinder in Gebieten mit vermehrten Wurminfektionen nicht häufiger Allergien", erklärte Professor Reinhild Klein aus Tübingen. "Der Wurmbefall scheint eher vor atopischen Erkrankungen zu schützen." Das Ansteigen der Allergiehäufigkeit kann also nicht einfach damit erklärt werden, dass aufgrund gesteigerter Hygienestandards seltener Virusinfektionen aufträten und deshalb bei vielen Kindern die TH2-Zellen überhand nähmen.

Vielmehr kann nach neuen Erkenntnissen jegliche Art von Infektion - ob mit Bakterien, Viren oder Parasiten - als eine Art Gegengewicht zur Allergie-Entstehung fungieren. "Das geschieht über die verstärkte Ausprägung einer dritten T-Zell-Population, der regulatorischen T-Zellen", so Klein. Sie schütten offenbar Entzündungsmediatoren aus, die TH1- und TH2-Zellen unterdrücken. "Im Prinzip könnten also respiratorische Erkrankungen, aber auch Masern oder Hepatitis-Virus-Infektionen und Wurmbefall die Allergieentstehung hemmen", so Klein. "Das hieße aber den Teufel mit Beelzebub auszutreiben", räumte sie ein. Fazit: Impfen ja, im Dreck spielen aber auch.

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