Alte Menschen profitieren von Psychotherapie

DÜSSELDORF (iss). Gerade bei alten Menschen ist es schwierig, eine Depression zu erkennen. Wenn Patienten jedoch über diffuse Schmerzen, Schwindel oder Schlappheit klagen, lohnt es sich, auch nach dem seelischen Befinden zu fragen. Zur Therapie sind bei alten Menschen nicht nur Arzneien sondern auch Psychotherapien oft hilfreich.

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Nach Daten von Studien haben bis zu zehn Prozent der Menschen über 65 Jahre und sogar bis zu 45 Prozent der Heimbewohner Depressionen. Darauf hat der Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Arnold Schüller, hingewiesen. "Etwa 40 Prozent aller Suizide in Deutschland werden von Menschen über 65 Jahren begangen, und die Depression ist eine der Hauptursachen dafür", so Schüller bei einer Veranstaltung des Düsseldorfer und Duisburger "Bündnis gegen Depression".

Oft verbergen sich Depressionen hinter körperlichen Symptomen, sagte Dr. Wolfgang Wittgens vom Krankenhaus Elbroich in Düsseldorf. Dies sei auch für Kollegen nur schwer zu erkennen. Hausärzte sollten deshalb bei älteren Patienten außer der körperlichen Untersuchung immer auch nach seelischen Befindlichkeiten und sozialen Aktivitäten fragen, empfiehlt er. Es sei bei Depressiven zudem wichtig, früh mit der antidepressiven Behandlung anzufangen, sagte der Chefarzt der Psychiatrie.

Außer der medikamentösen Therapie sollten auch Psychotherapien genutzt werden. Diese könnten bei älteren Patienten sehr wirksam sein. Er erlebe häufig, dass bei älteren Menschen unverarbeitete Erlebnisse aus der Vergangenheit plötzlich wieder hochkommen, berichtete Wittgens.

Auslöser seien oft Ereignisse wie der Verlust des Partners oder eine schwere Krankheit. Ärzte sollten depressive Patienten in Gesprächen immer darauf hinweisen, dass sie selbst etwas tun können, um ihren Zustand zu verbessern. Zum Beispiel könne körperliche Betätigung hierbei helfen, sagte die Altersforscherin und ehemalige Gesundheitsministerin Professor Ursula Lehr.



STICHWORT

Bündnis gegen Depression

Depressionen besser zu erkennen und Depressive besser zu behandeln - das ist das Ziel des "Bündnis gegen Depression". Helfen sollen dabei gezielte Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte und Pflegende und die Information der breiten Öffentlichkeit.

Im Deutschen Bündnis gegen Depression engagieren sich inzwischen mehr als 30 Städte und Regionen. Das Bündnis tritt mit drei Kernaussagen an: Depression kann jeden treffen, Depression hat viele Gesichter und Depressive sind behandelbar.

Ihren Ausgang nahm die Bewegung im Januar 2001 in Nürnberg. Dort schlossen sich unter anderem Ärzte, Psychiater, kirchliche Organisationen und staatliche Stellen zusammen. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Vermeidung von Suiziden. (iss)

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