Regelmäßig screenen!

Altern mit HIV: Risikofaktoren und Komorbiditäten

Älter werdende Menschen mit einer HIV-Infektion sind besonders stark von kardiovaskulären Erkrankungen und anderen Komorbiditäten betroffen. Die Gründe sind vielschichtig. Die niederschwellige Antwort darauf ist das Screening auf Risikofaktoren und die entsprechende Behandlung ähnlich wie bei nicht HIV-Infizierten auch.

Von Friederike Klein Veröffentlicht:

Kopenhagen. Alle altersassoziierten nicht-infektiösen Erkrankungen sind zahlenmäßig bei Menschen mit HIV-Infektion häufiger zu finden als bei nicht HIV-Infizierten. Signifikant häufiger sind insbesondere periphere arterielle Verschlusskrankheit, kardiovaskuläre Erkrankungen und eine beeinträchtigte Nierenfunktion.

Als Ursache diskutiert werden sowohl HIV-assoziierte Faktoren, zum Beispiel eine chronische Inflammation, als auch mit der ART zusammenhängende Faktoren wie zum Beispiel das Risiko für eine Gewichtszunahme unter Dolutegravir oder eine Verschlechterung der Nierenfunktion unter Tenofovir. Zudem spielen Faktoren des Lebensstils wie Rauchen oder Bewegungsmangel und Adipositas und andere patienteneigene Faktoren eine wichtige Rolle, erläuterte Dr. Lene Ryom vom Exzellenzzentrum für Gesundheitswissenschaften, Immunität und Infektionen des Rigshospitalet in Kopenhagen bei der virtuellen Konferenz der International Aids Society (IAS).

Interdisziplinäre Versorgung nötig

Ältere Patienten mit HIV-Infektion und Komorbiditäten benötigen eine interdisziplinäre Versorgung, die bislang nicht überall in gleichem Maße realisiert wurde. Weil aber viele einfach zu bestimmende Risikofaktoren in mehrerer Hinsicht das Risiko für Komorbiditäten und Komplikationen erhöhen, sollten diese regelmäßig niederschwellig vom Primärversorger überprüft und bei vorhandenen Risikofaktoren Maßnahmen ergriffen werden. Wie bei anderen Patienten auch gehören dazu, einen Rauchstopp zu unterstützen und Hypertonus oder Hyperlipidämie zu behandeln.

Professor Richard Harding vom King’s College in London ergänzte, dass es wichtig sei, dabei die für Patienten relevanten Ziele im Auge zu behalten. Bei der Kommunikation von Risiken müsse zudem auf das individuelle Informationsbedürfnis des Patienten geachtet werden. Es dürfe dem Patienten nicht zusätzlich Angst gemacht werden, deshalb sei es wichtig, den Schwerpunkt auf modifizierbare Faktoren zu legen.

Befragt nach den besten ART-Kombinationstherapien mit dem geringsten Risiko für Komorbiditäten, betonte Ryom, dass man inzwischen weit weg sei von einer Therapie nach dem Motto „Eine für alle“. Es müsse die Therapie gefunden werden, die für den individuellen Patienten mit seinen bereits existierenden Komorbiditäten, seinen individuellen Wünschen und seiner Lebensweise am besten passe, die Virämie unterdrücke und dabei vertragen werde. Allerdings sei es schon so, dass frühe antivirale Medikamente zur Therapie der HIV-Infektion mehr Toxizität – auch irreversible – zeigten als neuere, meinte sie. Wichtig sei, nicht mit der Behandlung zu warten, bis sich beispielsweise metabolische Marker durch eine Behandlung verbessert haben.

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