AOK-Daten belegen

Ambulante Darmspiegelungen sind sicher!

Ambulante Koloskopien zu Screening- oder Abklärungszwecken ziehen selten ernste Komplikationen nach sich. Das hat eine aktuelle Analyse von Daten der AOK ergeben.

Von Robert BublakRobert Bublak Veröffentlicht: 08.03.2013, 07:02 Uhr
Die Koloskopie ist sicher und dauert nur etwa 20 Minuten.

Die Koloskopie ist sicher und dauert nur etwa 20 Minuten.

© Klaus Rose

HEIDELBERG. Um die Sicherheit von Koloskopien zu überprüfen, hat das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) AOK-Daten von Patienten mit ambulanten Koloskopien aus den Jahren 2001 bis 2008 ausgewertet.

Von den rund 33.000 Koloskopien bei Patienten der AOK Hessen, deren Daten in die Untersuchung eingingen, entfiel rund ein Viertel auf das Darmkrebsscreening (Gastrointest Endosc 2013; 77: 419). Drei Viertel dienten der diagnostischen Abklärung.

Erfasst wurden nicht nur die unmittelbaren Zwischenfälle während der Koloskopie, sondern auch Ereignisse, die sich in den ersten 30 Tagen danach ereigneten und bei denen Betroffene stationär behandelt werden mussten.

 Jedem Patienten mit Koloskopie wurde zum Vergleich ein Kontrollpatient gleichen Alters und Geschlechts sowie mit gleichen Begleiterkrankungen beigesellt, der sich keiner Darmspiegelung unterzogen hatte.

Nur fünf Blutungen pro 10.000 Untersuchungen

Die Inzidenz von Darmperforationen im 30-Tages-Intervall nach der Untersuchung erreichte 0,8 pro 1000 nach Screening- und 0,7 pro 1000 nach diagnostischen Koloskopien.

Für Blutungen betrugen die Raten 0,5/1000 bzw. 1,1/1000. Ermittelt wurden auch die Quoten für Myokardinfarkte, zerebrale Insulte und Milzverletzungen; sie lagen zwischen 0,0/1000 und 0,5/1000.

Es gab dabei keine signifikanten Unterschiede in den Komplikationsraten zwischen den Personen mit Koloskopie und den Kontrollprobanden, mit Ausnahme der Perforations- und Blutungsquoten. Allerdings waren Blutungen nur nach diagnostischen Spiegelungen häufiger.

Die Komplikationsrate von ambulanten Routine-Koloskopien liege damit in einer Größenordnung, die angesichts des Nutzens der Vorsorge präventionsmedizinisch vertretbar sei, heißt es in einer Stellungnahme des DKFZ. So kam es bei nur fünf von 10.000 Untersuchungen zu einer Darmblutung.

Brenner: Komplikationen nur bei großen Polypen

Professor Hermann Brenner, Seniorautor der Studie, zeigte sich in der Mitteilung zufrieden.

"Zu den seltenen ernsthaften lokalen Komplikationen kommt es zumeist nur dann, wenn bei der Untersuchung ein großer Polyp entdeckt und abgetragen wird", sagte Brenner.

"Gerade in solchen Fällen profitieren die Patienten aber ganz besonders von der Darmspiegelung - die ihnen möglicherweise das Leben gerettet hat."

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