Direkt zum Inhaltsbereich

Prostata-Ca

Androgen-Entzug ist bei Herzpatienten riskant

Eine Androgen-Deprivation erhöht offenbar die kardiale Sterberate bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder nach Herzinfarkt. Doch wie steht es um Männer ohne solche Herzprobleme?

Veröffentlicht:
Gynäkomastie bei kontrasexueller Therapie wegen Prostata-Ca: Bei Herzerkrankungen kann die Behandlung mehr schaden als nutzen.

Gynäkomastie bei kontrasexueller Therapie wegen Prostata-Ca: Bei Herzerkrankungen kann die Behandlung mehr schaden als nutzen.

© Prof. Dr. med. H. S. Füeßl

BOSTON. Einen Nutzen der Androgen-Deprivation zur adjuvanten oder neoadjuvanten Therapie beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom wird sicher niemand bestreiten - die krebsspezifische Mortalität ließ sich in Studien damit deutlich senken. Allerdings gibt es seit einiger Zeit Hinweise, dass dieser Nutzen mit einem erhöhten Risiko für kardiale Ereignisse erkauft wird.

So war in manchen Studien die Gesamtmortalität bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen erhöht, wenn sie sich einer Androgen-Deprivation unterzogen - hauptsächlich, weil es vermehrt zu kardialen Ereignissen kam, berichten Onkologen um Dr. David Ziehr von der Harvard Medical School in Boston.

Die Frage lautet also, ob der Hormonentzug manchen Patienten mehr schadet als nutzt, und vor allem, welchen Patienten.

Daten von über 5000 Männern

Um Antworten zu finden, haben Ziehr und Mitarbeiter nun Daten einer Kohortenstudie zu über 5000 Männern analysiert, die alle aufgrund eines Prostatatumors (cT1c-T3N0M0) eine Brachytherapie bekommen hatten (BJU Int 2014, online 29. Oktober). Von diesen waren etwa 30 Prozent neoadjuvant per Hormonentzug mit GnRH-Agonisten behandelt worden, die übrigen nicht.

Insgesamt war etwa die Hälfte der Männer herzgesund und frei von relevanten kardialen Komorbiditäten wie Diabetes, Hypertonie und Hypercholesterinämie. Bei den übrigen Männern fanden die Ärzte ein bis mehrere solcher Begleiterkrankungen, etwa fünf Prozent hatten eine Herzinsuffizienz oder einen Herzinfarkt in der Vergangenheit.

Insgesamt waren die Patienten mit Androgen-Deprivation älter und hatten eine schlechtere Krebsprognose als solche ohne Hormonentzug.

Im Laufe von etwa fünf Jahren starben rund acht Prozent der Männer, etwa ein Fünftel davon an kardialen Ursachen. Von den Männern ohne gravierende kardiale Risikofaktoren starben 18 Prozent den Herztod, von denen mit Risikofaktoren waren es 24 Prozent und von denen mit Herzinsuffizienz oder überstandenem Herzinfarkt 28 Prozent.

Bezogen auf alle Männer ließ sich unter der Androgen-Deprivation keine Häufung von kardial bedingten Todesfällen beobachten. Selbst bei den Patienten mit Hypertonie oder Diabetes war dies nicht der Fall, jedoch bei denen mit Herzinsuffizienz oder einem Herzinfarkt vor Studienbeginn: Hier lag die Sterberate mit Hormonentzug bei sieben Prozent, ohne bei zwei Prozent.

Wurden eine Reihe von Faktoren berücksichtigt, in denen sich die Patienten mit und ohne Hormonentzug unterschieden, so fanden die Forscher um Ziehr bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder Herzinfarkt unter dem Hormonentzug eine etwa dreifach erhöhte kardiale Sterberate. Das Resultat war allerdings nur knapp statistisch signifikant.

"Number Needed to Harm" von 20

Eine kausale Ursache vorausgesetzt, muss innerhalb von fünf Jahren mit einem zusätzlichen Herztodesfall gerechnet werden, wenn 20 Patienten mit Herzinsuffizienz oder Herzinfarkt eine Anti-Androgen-Therapie erhalten, schreiben Ziehr und Mitarbeiter.

Sie fordern daher, dass Ärzte vor einem Androgen-Entzug mit GnRH-Agonisten die Herzen der Männer im Blick haben, vor allem wenn die Therapie nur der Zytoreduktion vor einer Brachytherapie dient.

Gerade bei prognostisch günstigen Tumoren sei der Nutzen des neoadjuvanten Hormonentzugs gering, der Schaden könne aber beträchtlich sein.

Auf der anderen Seite gibt die Analyse auch eine Entwarnung: Nur fünf Prozent der Männer in der Studie zählten zu der Risikogruppe, denen die Therapie mehr zu schaden als zu nutzen scheint. Der allergrößte Teil der Männer muss sich bei der Androgen-Deprivation keine Sorgen um das Herz machen. (mut)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kommentar zu Prostata-Ca: Herzrisiko Hormonentzug

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Konkurrenz für Primärpraxen?

Reformpaket beschlossen: Apotheker rücken zu Hausärzten in zweiter Reihe auf

Cochrane-Review

Medikamentös therapieren schon bei leichter Hypertonie?

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Arzt entwickelt MFA-Börse

So finden Praxisinhaber die MFA, die zu ihnen passt

Ernährungsberatung

Schilddrüse: Vegane Ernährung verschärft Jodmangel

Lesetipps
Ein Stapel mit vielen Büchern

© Frank Rumpenhorst/dpa

State-of-the-Art

Was in den Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG neu ist

Blick über die Schulter eines Trompeters, der ein Konzert spielt.

© Kitreel / Stock.adobe.com

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte