Ernährungsmedizin

Anis und Vanille: Die Weihnachtsgewürze stammen von Heilpflanzen

Von Ursula Armstrong Veröffentlicht:

Es ist Advent, kurz vor Weihnachten. Viele Lichter erhellen die winterliche Dunkelheit, es riecht nach Glühwein und gebrannten Mandeln, weihnachtliche Musik erklingt: Weihnachtsmärkte haben trotz zunehmenden Konsums ihren Zauber bewahrt. Allein der Duft sorgt schon dafür, daß es einem so richtig weihnachtlich ums Herz wird: Zimt, Nelken, Kardamom, Anis, Vanille sind die typischen Gewürze für Weihnachtsplätzchen und Glühwein. Und alle stammen von Arzneipflanzen.

Zum Beispiel Anis. Vor allem an den Ständen, die Kräuterbonbons anbieten, steigt der typische Anisgeruch in die Nase. Anis ist eine 30 bis 50 Zentimeter hoch wachsende einjährige Pflanze aus dem Nahen Osten, die einen süßlichen Geschmack hat. Verwendet wird das ätherische Öl aus den Anisfrüchten. Ihm wird zum Beispiel eine krampflösende und schleimlösende Wirkung zugeschrieben.

Anisöl für Glühwein und Plätzchen etwa wird allerdings meist aus Sternanis gewonnen, dessen ätherisches Öl in der Zusammensetzung dem des Anis ähnelt. Der Echte Sternanis ist ein bis zehn Meter hoch wachsender, immergrüner Baum, der in China und Vietnam angebaut wird. Die sternförmigen Früchte sind rotbraun und korkig-holzig. Die medizinische Verwendung von Sternanis ist nicht üblich.

Ein weiteres typisch weihnachtliches Gewürz ist die Vanille. Auch sie ist eine Heilpflanze. Die Vanille, die zu den Orchideen gehört, ist eine riesige, rankende Pflanze, die bis zu 15 Meter lang werden kann und etwa auf Madagaskar wächst. Die ätherischen Öle der Schoten haben über 35 Duftkomponenten. Vanille soll die Stimmung aufhellen - der Geruch soll die Serotonin-Ausschüttung beeinflussen -, bei Nervosität beruhigen, die Verdauung anregen und auch Menstruationsschmerzen lindern.

Das Lebkuchengewürz Kardamom stammt von einer schilfähnlichen Staude, die bis zu vier Meter hoch werden kann. Die Heimat des Kardamom dürfte Indien sein. Inzwischen wird er aber auch in anderen tropischen Gebieten angebaut. Das ätherische Öl, das vor allem aus den Kapselfrüchten stammt, enthält Cineol und Terpinylacetat als Hauptkomponenten. Kardamom - wichtiges Heilmittel in der ayurvedischen Medizin - wirkt krampflösend und schleimlösend, mindert Blähungen und fördert die Verdauung. Außerdem soll er vor allem Lunge und Nieren stärken.

Weitere Lebkuchen- und Glühweingewürze wie Gewürznelken und Koriander sind ebenfalls alte Heilmittel. Genauso Orangen und Walnüsse. Weihnachtsplätzchen müßten also rundum gesund sein.

Vorsichtig sein müssen allerdings Allergiker. Zimt-, Anis- und Haselnußplätzchen sowie Mandelbrot können Eiweiße enthalten, die bestimmten Pollenallergenen ähneln, hat das Deutsche Grüne Kreuz in Marburg gewarnt. Durch Kreuzreaktionen können Juckreiz im Gaumen und Rachen entstehen. In schweren Fällen kann es zu Atemnot oder zum Kreislaufkollaps kommen.

Wer auf Birken-, Hasel- und Erlenpollen allergisch reagiert, verträgt oft keine Mandeln, Hasel-, Wal- oder Cashewnüsse. Marzipan kann wegen der darin enthaltenen Pistazien und Mandeln riskant sein, ebenso das aus Haselnüssen hergestellte Nougat. Und Beifuß-Allergiker können auf Gewürze wie Anis, Koriander und Zimt mit Atemnot reagieren.

"Am besten meiden diese Allergiker Plätzchen und Schokolade", rät Professor Manigé Fartasch von der Hautklinik der Universitätsklinik Erlangen. Vorsichtiges Probieren könne allerdings Abwehr-Reaktionen vorbeugen.

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