Direkt zum Inhaltsbereich

Antikörper sind ein Ausweg bei Colitis ulcerosa

HANNOVER (grue). Patienten mit Colitis ulcerosa erhalten bei einem schweren Krankheitsschub meist Kortikosteroide. Einem Drittel von ihnen hilft dies aber nicht. Dann besteht die Möglichkeit, zu Immunsuppressiva oder zu monoklonalen Antikörpern zu wechseln.

Veröffentlicht:

An Colitis ulcerosa erkranken hauptsächlich junge Erwachsene zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr. Etwa 170 000 Menschen in Deutschland haben diese Erkrankung. Besonders schwierig ist die Therapie bei steroidrefraktären Schüben. Bisher gibt es nur wenige Alternativen zur chirurgischen Entfernung der entzündeten Darmabschnitte.

"Kurzfristig wirken die Immunsuppressiva Ciclosporin A und Tacrolimus zwar recht gut, aber schließlich müssen doch etwa 40 Prozent der Patienten eine Kolektomie in Kauf nehmen", sagte Dr. Henrike Lenzen von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Eine neue Option ist der monoklonalen, gegen TNF-alpha gerichtete Antikörper Infliximab (Remicade®). Außer bei Morbus Crohn ist er jetzt auch zur Behandlung bei therapierefraktärer Colitis ulcerosa zugelassen.

"Der Antikörper ist eine Alternative besonders für Patienten mit mittelschwerer aktiver Colitis ulcerosa, die auf Standardmedikamente einschließlich Steroide und 6-Mercaptopurin oder Azathioprin nicht ansprechen oder für die eine solche Behandlung nicht infrage kommt", sagte die Gastroenterologin auf einer von der Falk Foundation unterstützten Veranstaltung in Hannover.

In Studien war Infliximab signifikant wirksamer als Placebo: Mehr Patienten kamen in Remission, und die Schleimhautläsionen heilten schneller.

    Mehrere Antikörper sind derzeit in der Entwicklung.
   

Bei akuter schwerer oder fulminanter Colitis ulcerosa war der Behandlungsvorteil, gemessen an der Zahl der Kolektomien, weniger deutlich. Solche Patienten können an der MHH in einer Studie mit dem noch nicht zugelassenen Antikörper Visilizumab behandelt werden. In die Studie werden Patienten aufgenommen, bei denen orale Steroide nicht wirken und die auch auf intravenöse Steroide nach fünf Tagen nicht angesprochen haben.

"Bei solchen Patienten gibt es mit dem humanisierten Anti-CD3-Antikörper innerhalb von zwei Wochen nach Einmalgabe Behandlungserfolge, die mehrere Monate anhalten", sagte Lenzen. Erfahrungsgemäß betragen die Ansprechraten 70 Prozent. Ein Drittel der Patienten kommt in Remission.

Antikörper-Therapien seien relativ gut verträglich. Es könnten aber Infusionsreaktionen auftreten, zudem bildet ein kleiner Teil der Patienten Antikörper gegen das Präparat. In Entwicklung sind derzeit auch die Antikörper Daclizumab und Basiliximab sowie neue Ansätze zur Leukozyten- und Granulozyten-Apherese.

Die MHH beteiligt sich an mehreren klinischen Studien zur CED-Therapie, Infos dazu unter Tel.: 05 11 / 5 32 31 60.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Dissens in Bezug auf Wirksamkeit

Wem oder wogegen helfen Probiotika?

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: Symptomverbesserung unter Upadacitinib zu Woche 8 und 52

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [2]

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Erste Real-World-Daten bei Colitis ulcerosa und neue Langzeitdaten bei Morbus Crohn zu Upadacitinib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG, Wiesbaden
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Prognose meist günstig

Schulterschmerzen in der Hausarztpraxis: Aufklären statt röntgen!

(S)MART-Konzept

Das leisten Fixkombinationen bei Asthma

Lesetipps
 Nebenniereninsuffizienz

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Therapie mit Glukokortikoiden

Was beim Absetzen von Steroiden zu beachten ist

MRSA-Keime sind am 19.09.2017 im Institut für Hygiene und Gesundheit in Hamburg in einer Petrischale zu sehen. Die weißen Plättchen geben verschiedene Antibiotika ab, von denen einige die Keime im Umkreis absterben lassen.

© Daniel Reinhardt / dpa / picture alliance

Robert Koch-Institut

Antibiotika-Resistenzen: Digitales Tool greift Ärzten unter die Arme

Eine ältere Frau liest einen Beipackzettel

© Ingo Bartussek/stock.adobe.com

Datenbankanalyse

Vorsicht bei der Kombination von Antikonvulsiva mit DOAK