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Arbeit mit Folteropfern macht Therapeuten krank

BERLIN (ddp). Die Betreuung von Folteropfern zählt zu den schwierigsten Aufgaben von Ärzten und Therapeuten. Sie erleben täglich unmittelbar die schweren Folgen bei den Mißhandelten: Albträume, Wirklichkeitsverlust und die gefürchteten Flashbacks, wenn die Patienten sogar im Behandlungszimmer plötzlich glauben, ihr Martyrium beginne von vorn.

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"Folteropfern muß man sehr einfühlsam begegnen, riskiert dadurch aber, selbst in den Sog der Traumatisierung gezogen zu werden", sagte der Therapeut Ralf Weber vom Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer auf dem 16. Opferforum des Weißen Rings in Berlin. "Therapeuten werden mit heftigen Gefühlen konfrontiert."

Manchmal würden die Patienten von Weinkrämpfen geschüttelt, oder es komme zu Panikreaktionen, bei denen sie schreien, sich auf dem Boden wälzen oder sogar um sich schlagen. Umgekehrt könne es genauso schwierig sein. Die Betroffenen seien dann wie erstarrt, wirkten eiskalt, berichtet Weber.

Einer niederländischen Studie zufolge ist etwa jeder fünfte Traumatherapeut selbst traumatisiert. Bei Webers Kollegen des Berliner Zentrums seien die "Burn-out-Werte zwar durchschnittlich", aber Symptome zeigten sich "schon beim Verwaltungspersonal". Bei 57 Prozent der Therapeuten hinterlasse die Arbeit zumindest Spuren der Traumatisierung.

Der Ulmer Uni-Mediziner und Schmerzforscher Harald Traue erklärt: "Es ist ein großer Unterschied, ob man Patienten behandelt, die eine Traumatisierung durch Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Lawinen oder eben durch systematisches Quälen durch andere Personen erlitten haben." Eine Distanzierung sei da schwer möglich.

Eine gerade angelaufene Studie soll zu diesem Thema erstmals Genaues zu Tage fördern: "Dabei wurden 17 deutsche Behandlungszentren mit etwa 100 Therapeuten erfaßt, also etwa die Hälfte aller in diesem Bereich Tätigen", sagt Traue. Noch seien die Daten nicht ausgewertet, aber es zeige sich bereits, daß unter den Therapeuten "ähnliche Symptome wie bei den Patienten" auftreten: Schlafstörungen, Erschöpfung, Vermeidungsverhalten.

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