Direkt zum Inhaltsbereich

Forschung über 30 Jahre

Asbest – einmal in der Lunge, immer in der Lunge

Asbestfasern sind in der menschlichen Lunge über fast 40 Jahre in derselben Menge nachweisbar. Das hat die Auswertung eines nach eigenen Angaben weltweit einzigartigen Datensatzes des Deutschen Mesotheliomregisters am Institut für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gezeigt.

Veröffentlicht:
Dachdecker bei einer Sanierung: Forscher haben herausgefunden, dass Asbest jahrzehntelang in fast gleicher Konzentration im Körper bleibt.

Dachdecker bei einer Sanierung: Forscher haben herausgefunden, dass Asbest jahrzehntelang in fast gleicher Konzentration im Körper bleibt.

© Wolfgang Jargstorff / stock.adobe.com

BOCHUM. Asbest, ein in natürlichem Gestein vorkommendes faseriges Mineral, wird in der Industrie wegen seiner Biobeständigkeit hoch geschätzt. Die über 30 Jahre durchgeführten Lungenstaubanalysen und nun erstmals im Längsschnitt ausgewerteten Daten bestätigen diese Biobeständigkeit auch für die menschliche Lunge, wie die Universität Bochum berichtet.

Die Forscher schlossen zwölf Fälle in ihre Untersuchung ein. Ihr Datensatz enthält Messergebnisse der Asbestkonzentration in der Lunge ein- und derselben Menschen, die mehrfach im Abstand von 4 bis 21 Jahren gewonnen worden waren.

"Die Asbestkonzentration in der Lunge blieb über den langen Zeitraum von fast 40 Jahren stabil und somit nachweisbar", so Studienautorin Inke Feder in einer Pressemitteilung der Universität. Dieses Ergebnis gelte sowohl für den als gesundheitsgefährlicher geltenden Blauasbest als auch für den Weißasbest. Für letzteren – der in der Industrie am meisten verwendet wurde – sei in der Fachwelt bislang umstritten gewesen, ob die Fasern in der Lunge überdauern oder nicht.

Nicht zuletzt sei die Frage der Nachweisbarkeit von Asbestfasern in der Lunge entscheidend dafür, wie man das Risiko durch Asbest am Arbeitsplatz bewertet, betonen die Forscher. Daraus folgt die Entscheidung, ob eine Lungenerkrankung als Berufskrankheit anerkannt werden kann, sodass die Betroffenen Anspruch auf eine Entschädigung haben.

Das Forscherteam um Inke Feder und Prof. Dr. Andrea Tannapfel hat nun die Ergebnisse der Studie gemeinsam mit Kollegen vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (IPA) der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung im European Respiratory Journal veröffentlicht (DOI: 10.1183/13993003.02534-2016).

Warum Asbest in der Lunge überdauert

Als Erklärung für ihre Befunde erinnern die Forscher daran, dass feine Fasern wie Asbest bis tief in die Lungenbläschen vordringen und nicht durch Flimmerhärchen abgefangen und ausgehustet werden. Als Reaktion der Lunge könnten sich geflechtartig-netzähnliche diffuse Vernarbungen mit den darin eingelagerten Stäuben bilden, die Asbestose. Da die Asbestfasern nun so biobeständig seien, können die Fresszellen des Immunsystems sie auch nicht abbauen. Diese Fresszellen sterben ab und bilden die typischen Asbestkörper. Dabei würden wiederum Inhaltsstoffe frei, die eine chronische Entzündung verursachen, woraus Krebs, etwa ein Mesotheliom entstehen könne – und zwar auch noch bis zu 60 Jahre nach Asbestkontakt. (run)

Mehr zum Thema

Klimabewusste Inhalationstherapie

COPD: LAMA-LABA-Inhalatoren im Vergleich

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Medizin aus dem Kochtopf

Wie Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration beeinflusst

Gastbeitrag

Bedenken gegenüber Digitalen Gesundheitsanwendungen anscheinend berechtigt

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Lesetipps
Schatten eines übergewichtigen Menschen an einer Wand.

© Luluraschi / stock.adobe.com

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom

Fußballfans im Stadion jubeln.

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Anpfiff fürs Herzrasen

Gefährlich emotional: Wenn Fußball aufs Herz geht