Direkt zum Inhaltsbereich

Krebsrisiko

Auch bei wenigen Muttermalen zur Vorsorge!

Viele Nävi bedeuten auch ein erhöhtes Melanomrisiko. Allerdings lohnt sich die Hautkrebs-Vorsorge auch für Menschen mit wenigen Muttermalen: Denn sie entwickeln oft größere Tumoren.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Dermatologen sollten Personen mit wenigen Nävi genau so kritisch untersuchen wie solche mit sehr vielen.

Dermatologen sollten Personen mit wenigen Nävi genau so kritisch untersuchen wie solche mit sehr vielen.

© 35007 / iStock

BOSTON. Personen mit multiplen sowie atypischen Nävi haben bekanntlich ein erhöhtes Melanomrisiko. Allerdings ist unklar, ob damit auch eine schlechtere Prognose einhergeht. Nach einer aktuellen Analyse gehen US-Dermatologen aus Boston davon aus, dass Melanome bei Personen mit mehr als 50 Nävi zum Zeitpunkt der Tumordiagnose eher noch dünn sind.

Dagegen ist bei wenigen und bei atypischen Nävi das Risiko deutlich erhöht, bei der Diagnose einen Tumor jenseits von 2 mm Dicke zu tragen (JAMA Dermatol 2016; 152:413-418). Möglicherweise sind sich Personen mit multiplen Nävi sowie deren Ärzte des Erkrankungsrisikos eher bewusst und kontrollieren ihre Leberflecke strenger.

Junge Patienten hatten mehr Nävi

Für die Studie haben Dermatologen um Dr. Alan Geller von der Harvard Medical School in Boston 566 Melanompatienten unmittelbar nach der Diagnose untersucht. Jeweils zwei Experten ermittelten unabhängig voneinander die Gesamtzahl der Nävi sowie der atypischen Nävi.

Zudem erfassten sie die Tumordicke, wobei sie die Patienten grob in solche mit mehr oder weniger als 2 mm dicken Tumoren einteilten. Da in der Regel die meisten Patienten dünnere Tumoren aufweisen, wurde ein überproportional großer Anteil mit dicken Tumoren in die Studie aufgenommen.

Im Schnitt lag das Alter der Patienten bei 57 Jahren, rund 40 Prozent waren weiblich. Wenig überraschend hatten die jüngsten Patienten die meisten Nävi - das spiegelt das hohe Erkrankungsrisiko wieder.

Mehr als 50 Nävi wurden bei 28 Prozent der Patienten unter 45 Jahren beobachtet, aber nur bei knapp 3 Prozent derjenigen im Alter von 70 oder mehr Jahren. Letztere hatten zu 88 Prozent weniger als 20 Nävi.

Ein ähnliches Bild ergab sich bei Patienten mit atypischen Nävi: Mehr als fünf atypische Nävi hatten 27 Prozent der jüngsten, aber nur 1,4 Prozent in der ältesten Patientengruppe. Von Letzteren zeigten 93 Prozent überhaupt keine atypischen Nävi, von den Jüngsten nur die Hälfte. Generell stieg die Zahl der atypischen Nävi mit der Gesamtzahl der Leberflecke.

Mehr Nävi - bessere Aussichten

Wurde die Tumordicke analysiert, so hatten die Patienten mit den meisten Nävi die besten Aussichten: Bei ihnen waren die Tumoren im Schnitt nur 1,1 mm dick, bei denjenigen mit weniger als 20 Flecken lag die Dicke hingegen bei mehr als dem Doppelten (2,3 mm).

 Dieser Zusammenhang ist allerdings stark altersabhängig und gilt nach diesen Daten vor allem für Patienten unter 60 Jahren.

Haben sie mehr als 50 Nävi, dann ist die Wahrscheinlichkeit, einen dicken (> 2 mm) statt eines dünnen Tumors zu haben, um 65 Prozent geringer als bei solchen mit weniger als 20 Nävi (odds ratio = 0,35) - und zwar auch dann, wenn eine Reihe von Faktoren wie Geschlecht, anatomische Position oder histologischer Subtyp berücksichtigt werden.

Umgekehrt ist die Chance für einen dicken Tumor um das 2,4-Fache erhöht, wenn bei den jüngeren Patienten mehr als fünf atypische Nävi beobachtet werden. Bei Patienten über 60 Jahren zeigt sich jedoch ein anderer Zusammenhang: Hier ist bei mehr als fünf atypischen Nävi das Risiko für einen dicken versus dünnen Tumor um rund 80 Prozent reduziert (odds ratio = 0,22).

Was lässt sich nun aus den Daten schließen? Die allermeisten Melanompatienten haben weniger als 20 Nävi. Gerade bei ihnen finden Ärzte aber vermehrt dicke Tumoren. Dermatologen sollten daher Personen mit wenigen Nävi genau so kritisch betrachten und untersuchen wie solche mit sehr vielen - vor allem jenseits des 60. Lebensjahrs, schreiben die Autoren der Studie.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Krankenkassen-Auswertung

Immer mehr Menschen erkranken an Hautkrebs

Vergleich mit Dermatologen

Melanome: KI-Diagnostik scheint verlässlich

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Dr. Utta Petzold 27.05.201609:31 Uhr

Früherkennung ist nicht Vorsorge

Die vorliegenden Daten weisen gleichermaßen auf die Bedeutung der Früherkennung wie der Vorsorge hin:
Beim Hautkrebs kann die Früherkennung durch regelmäßige Inspektion vergleichsweise barrierefrei erfolgen. Echte Vorsorge ist für einige Hautkrebsarten beispielsweise der sinnvoll angewandte UV-Schutz.
Meines Erachtens sollten Medizinjournalisten und Ärzte in der sauberen Nomenklatur mit gutem Beispiel vorangehen, damit Patienten nicht glauben, ein Hautkrebsscreening könne Hautkrebs verhindern.

Sonderberichte zum Thema
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: Schematische Wirkprinzipien verschiedener immuntherapeutischer Ansätze beim Multiplen Myelom

© Johnson & Johnson

Therapie des Multiplen Myeloms

Ebnet die Präzisionsmedizin den Weg zur funktionellen Heilung dieser Neoplasie?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss
Abb. 1: sPGA-Ansprechen über zwei Jahre

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [1]

Psoriasis-Therapie bei Kindern und Erwachsenen

PDE-4-Hemmer: erste orale Systemtherapie für Kinder − auch bei besonderen Manifestationen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Plötzliche Niesanfälle bringen Mann in Lebensgefahr

Herzbericht 2026

Das sind die aktuellen Trends in der Herzmedizin

Lesetipps
Illustration eines molekularen Modells von Messenger RNA.

© Dr_Microbe / Getty Images / iStock

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

Eine Ärztin tropft Allergielösung auf den präparierten Unterarm einer Patientin für den Pricktest.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Steigende Prävalenz

Allergiediagnostik: Dos und Don’ts für die Hausarztpraxis

Eine Thrombose in einem Gefäß

© freshidea / stock.adobe.com

ASS und P2Y12-Inhibitoren

So geht die Plättchenhemmer-Therapie in der Praxis!