Direkt zum Inhaltsbereich

Aufklärung über Koronarintervention durch Hausärzte?

MÜNCHEN (wst). Die Klage ist nicht neu, aber nach wie vor aktuell: In Deutschland werden zu häufig perkutane Koronarinterventionen (PCIs) gemacht. Dabei gehen die Patienten, die sich für diese auch kostenträchtige Maßnahme entscheiden, oft von falschen Voraussetzungen aus. Hausärzte können hier wichtige Aufklärungsarbeit leisten.

Veröffentlicht:

In keinem Land der Welt werden -bezogen auf die Bevölkerungszahl - so viele PCIs gemacht wie in Deutschland, hat Professor Peter Baumgart aus Münster bei der Fortbildungsveranstaltung "Kardiologische Rehabilitationsmedizin" in München gesagt.

Und auch nach den Ergebnissen der umfassenden COURAGE*-Studie, ist in Deutschland im Gegensatz zu den USA keine Trendumkehr, sondern weiterhin eine steigende PCI-Rate zu verzeichnen, kritisierte Baumgart. Die Studie hatte bestätigt, dass Patienten mit stabiler KHK bei optimierter Pharmakotherapie von einer zusätzlichen PCI für die Prognose keinen und symptomatisch nur einen eher bescheidenen, zeitlich befristeten Nutzen erwarten können (wir berichteten),

Intervention bei weiterhin belastenden Symptomen

Würde Patienten mit stabiler KHK gesagt, dass sich an ihrer Prognose durch eine PCI nichts ändert, würden wohl weit mehr als heute dem Eingriff nicht zustimmen. Da sich so mancher Kardiologe in der Entscheidung für oder gegen eine PCI in einem auch wirtschaftlich beeinflussten Interessenkonflikt befindet, wäre sicher hilfreich, wenn Patienten bereits von ihren überweisenden Hausärzten über Sinn und Zweck einer PCI aufgeklärt und für Fragen an den Kardiologen gerüstet würden, so Baumgart auf der von MSD und Essex Pharma organisierten Veranstaltung.

Eine PCI bei stabiler KHK hält Baumgart in Übereinstimmung mit aktuellen Leitlinien nur dann für gerechtfertigt, wenn trotz optimierter Pharmakotherapie weiterhin subjektiv belastende Symptome bestehen. Das Argument, wonach Patienten mit einer schlechten Pharmako- Compliance auch prognostisch von einer PCI profitieren, mochte Baumgart nicht gelten lassen. Denn gerade bei der Arznei-Einnahme unzuverlässige Patienten könnten durch eine PCI mehr verlieren als gewinnen. Nämlich dann, wenn sie postinterventionell durch unzuverlässige Clopidogrel-Einnahme ein hohes Risiko für Stentthrombosen provozieren.

*Clinical Outcomes Utilizing Revascularization and AGgressive Drug Evaluation

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

DEGAM-Kongress

Wie viele KHK-Patienten rauchen?

Das könnte Sie auch interessieren
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© Cardisio

Cardisio

Cardisiographie mit LVEF-Erkennung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leitlinien-Update

Welcher Kompressionsstrumpf ist der richtige?

Lesetipps
Farbige Röntgenaufnahme der Lendenwirbelsäule mit einem Kompressionsbruch

© ALAIN POL / Science Photo Library

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Group of people over vintage colors background smiling with hands on chest with closed eyes and grateful gesture on face. Health concept.

© Krakenimages.com / stock.adobe.com

Diskriminierung

Rassismus in der Hausarztpraxis: Warum Hinschauen die Versorgung verbessert