Gebärmutter-Krebs

Aus für Pap-Screening gefordert

Kaum eine Früherkennungsmaßnahme hat sich als ähnlich erfolgreich erwiesen wie das zytologische Screening auf Zervixkrebs. Jetzt fordern Forscher, davon die Finger zu lassen.

Von Robert BublakRobert Bublak Veröffentlicht:
Ein gynäkologischer Abstrich wird für die zytologische Untersuchung präpariert.

Ein gynäkologischer Abstrich wird für die zytologische Untersuchung präpariert.

© Mathias Ernert, Fürst-Stirum-Klinik

TURIN. Never change a winning screening - Guglielmo Ronco vom Centro per la Prevenzione Oncologica in Turin und Kollegen aus fünf weiteren europäischen Ländern wollen diesen Satz nicht mehr für das zytologische Screening auf Zervixkrebs, den herkömmlichen Pap-Abstrich nach George Nicolas Papanicolaou, gelten lassen.

Die Forscher haben die Ergebnisse eines im Median 6,5 Jahre währenden Follow-up von vier randomisierten Studien gesichtet, in denen das HPV- mit dem zytologischen Screening verglichen worden war (Lancet 2013, online 3. November).

Kolposkopie sofort nach positivem Ergebnis

Mehr als 170.000 Frauen im Alter von 20 bis 65 Jahren waren beteiligt. Auf einen ersten Test folgte nach drei bis fünf Jahren ein zweiter. Frauen aus der HPV-Gruppe wurden in einer der Studien bei positivem Testergebnis sofort kolposkopiert.

In den anderen Studien wurden sie auf der Grundlage der gleichzeitig erhobenen zytologischen Befunde zur Kolposkopie geschickt. Bei negativer Zytologie wiederholte man den HPV-Test. Persistierte der Infekt, folgte die Kolposkopie.

Der HPV-Test schützte dabei im Vergleich zur Zytologie deutlich stärker davor, an einem invasiven Zervixkarzinom zu erkranken. Insgesamt erreichte das Inzidenzen-Verhältnis unter dem HPV-Screening gegenüber dem zytologischen Test einen Wert von 0,60.

Während der ersten zweieinhalb Jahre gab es dabei zwischen den beiden Gruppen keinen signifikanten Unterschied, wohl aber danach. Betrachtete man ausschließlich Frauen mit einem negativen ersten Screeningbefund, betrug das Verhältnis der Inzidenzen sogar nur 0,30.

Die Quotienten für Adenokarzinome lagen niedriger als jene für Platteneptihelkarzinome (0,31 vs. 0,78).

Schutz um 60 bis 70 Prozent verbessert

Die kumulative Inzidenz für invasives Zervixkarzinom über den Follow-up-Zeitraum hinweg lag in der HPV-Gruppe nach 3,5 bzw. 5,5 Jahren bei 4,6 bzw. 8,7 pro 10.000 Frauen. Für die Zytologiegruppe ergaben sich Raten von 15,4 bzw. 36,0/10.000.

"Ein HPV-basiertes Screening bietet einen um 60 bis 70 Prozent größeren Schutz vor invasivem Zervixkrebs als der Pap-Test", schreiben Ronco und sein Team im Resümee ihrer Untersuchung.

Das Screening solle im Alter von 30 Jahren beginnen, Intervalle von fünf Jahren seien ausreichend. Kürzere Intervalle gingen auf Kosten der Spezifität.

Denn es würden dann viele Infektionen entdeckt, die sonst von selbst ausgeheilt wären. Auch könne es zur Überdiagnostik von regressiven Formen zervikaler intraepithelialer Neoplasien kommen.

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