Direkt zum Inhaltsbereich

Tuberkulose

Ausbrüche lassen sich per Erbgutanalyse überwachen

Veröffentlicht:

SAN FRANCISCO/BORSTEL. Mit dem Entziffern des gesamten Erbguts einzelner Tuberkulose-Bakterien lassen sich deren Übertragungswege nachvollziehen.

Das ergab eine Studie unter Leitung des Forschungszentrums Borstel (FZ Borstel), in der Forscher die Erreger von 86 Patienten in Hamburg und Schleswig-Holstein unter die Lupe nahmen. Die Arbeit wird im Online-Fachjournal "PLOS Medicine" veröffentlicht.

"Die genombasierte Untersuchung hat außerdem eine große Bedeutung, wenn es um das Aufspüren von Tuberkulose-Bakterien und deren Verbreitung geht, die gegen mehrere Antibiotika resistent geworden sind", sagte Stefan Niemann vom FZ Borstel der Nachrichtenagentur dpa.

"Genetischer Fingerabdruck" gefunden

Die Tuberkulose-Bakterien wurden mit zwei älteren genetischen Methoden untersucht, die nur einen geringen Anteil des Erbguts erfassen. Eine davon wird auch als "genetischer Fingerabdruck" bezeichnet.

"In 86 von 2301 untersuchten Fällen fanden sich Tuberkulose-Bakterien mit einem fast identischen genetischen Fingerabdruck", sagte Niemann. "Diese Häufung kann man als Ausbruch bezeichnen, am Anfang im Jahr 1997 waren hauptsächlich Menschen betroffen, die regelmäßig eine bestimmte Gaststätte besuchten und in einem Heim für Obdachlose lebten." Keiner dieser Patienten (70 Männer und 16 Frauen) habe eine multiresistente Tuberkulose gehabt.

Das Team um Niemann entzifferte bei diesen 86 Patienten nun fast das gesamte Erbgut der Krankheitserreger - etwa 95 Prozent der rund 4,5 Millionen Basenpaare. Dabei achteten die Forscher vor allem auf Veränderungen im Genom, wie sie im Verlauf der Zeit typischerweise bei Krankheitserregern auftreten.

Nach ihren Angaben können sich die Bakterien im Menschen innerhalb von 22 Stunden verdoppeln, und im Erbgut treten durchschnittlich 0,4 Mutationen pro Jahr auf. Außerdem verglichen sie ihre Genanalysen mit den möglichen Übertragungswegen, die die Behörden durch Befragungen ermittelt hatten.

Auch 2010 Fälle mit Hamburg-Klon

"Es stellte sich heraus, dass die untersuchten Tuberkulose-Bakterien aus dem Jahr 1997 zwar einen identischen genetischen Fingerabdruck hatten, sich in der Genomanalyse aber doch deutlich unterschieden", sagte Niemann.

Von 1998 an konnte sich demnach ein Tuberkulose-Stamm verstärkt verbreiten, den die Forscher als Hamburg-Klon bezeichnen. Dieser entstand vermutlich zwischen 1993 und 1997, bis 2010 wurden ihm laut Studie 56 Patienten zugerechnet.

Nach Angaben des Teams um Niemann wurden nach 2010 weitere Fälle mit dem Hamburg-Klon gefunden. Die genaue Anzahl ist jedoch noch unklar, weil die Analysen noch laufen.

Da die Kosten für die sogenannten Next Generation Sequencing-Verfahren in Zukunft weiter sinken würden, könnte "dieser Ansatz bald die Standardmethode für die Analyse von TB-Infektketten, die Ausbruchs-Analyse und für die Diagnostik werden", hieß es in einer Mitteilung des FZ Borstel. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neue Therapien

Gleich mehrere Durchbrüche bei seltenen Erkrankungen

Lesetipps
Ein Hautarzt untersucht die Haut mit einem Dermatoskop auf Melanom.

© Iryna&Maya / stock.adobe.com

Vergleich mit anderen Ländern

Hautkrebs-Screening in Deutschland laut Studie ohne klaren Nutzen

Eine ältere Person hält drei Blisterstreifen mit Tabletten zwischen beiden Händen.

© wernerimages / stock.adobe.com

GeriPAIN-Leitlinie

Welche Schmerztherapien eignen sich für geriatrische Patienten?