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Mehnert-Kolumne

Außenseitermethode Pankreas-Transplantation

Ist die Transplantation von Pankreas eine Diabetes-Therapie für die Zukunft? Bislang bleibt das Op-Verfahren auf wenige Patienten beschränkt.

Von Prof. Hellmut Mehnert Veröffentlicht:

Prof. Hellmut Mehnert

Arbeitsschwerpunkte: Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselleiden: Diesen Themen widmet sich Prof. Hellmut Mehnert seit über 50 Jahren.

Erfahrungen: 1967 hat er die weltweit größte Diabetes-Früherfassungsaktion gemacht sowie das erste und größte Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland gegründet.

Ehrung: Er ist Träger der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft.

Zwei Möglichkeiten gibt es, Diabetiker mit Bauchspeicheldrüsengewebe zu behandeln: die Transplantation eines Pankreas und die Verabreichung isolierter Inselzellen.

Potenzielle Kandidaten für solche Verfahren sind Typ-1-Diabetiker mit schweren Hypoglykämien (cave Herzinfarkt und Demenzentwicklung!), Patienten mit sogenanntem Brittle-Diabetes (besonders schwer einstellbar) sowie Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz, bei denen auch eine gleichzeitige Nieren-Transplantation ansteht.

Mit einer klassischen Pankreas-Transplantation sind seit 1967 fast 2000 Diabetiker behandelt worden. Meistens wird dabei das Pankreas simultan mit einer Niere verpflanzt.

Die Therapie beschert Typ-1-Diabetikern mehr Lebensqualität und Lebenszeit und reduziert Folgeschäden.

Wartezeit in Europa bis 24 Monate

Neben der simultanen Nieren-Transplantation ist die sequenzielle Transplantation nach Nieren- Lebendspende von geringerer Bedeutung. Hierbei folgt auf die Nieren-Transplantation zu einem späteren Zeitpunkt die Pankreas-Transplantation.

Interessanterweise überlebt das Pankreasgewebe im Vergleich bei Simultan-Transplantation länger. Dabei schlägt man zudem zwei Fliegen mit einer Klappe: Wegen der Nieren-Transplantation muss sowieso immunsuppressiv behandelt werden, um die Abstoßung der transplantierten Organe zu verhindern.

Der langfristige Erfolg der Eingriffe hängt von der Erfahrung der Chirurgen und der Qualität der transplantierten Organe ab. Im Gegensatz zur isolierten Verabreichung von Inselzellen führt die Pankreas-Transplantation fast immer zu Normoglykämie und Insulinfreiheit.

Die Wartezeit auf die Organe beträgt in Europa sechs bis 24 Monate, ist also deutlich länger als die ebenfalls viel zu lange Wartezeit bei alleiniger Nieren-Transplantation.

Bis zu 30 Prozent der Transplantate werden abgestoßen

Bei sequenzieller Transplantation kommt es rasch zu einer Remission der Niereninsuffizienz. Die Wartezeit an der Dialyse wird so verringert.

Der Zeitpunkt der folgenden Pankreas-Transplantation ist dann untergeordnet. Eine isolierte Pankreas-Transplantation ist natürlich auch möglich, wenn das Pankreastransplantat vorher abgestoßen wurde.

Für die Transplantation gibt es verschiedene Op-Techniken. Das Pankreas kann intra- oder extraperitoneal platziert werden, die intraperitoneale Platzierung wird aber in der Regel bevorzugt.

Der Pankreassaft (unerwünschtes Verdauungssekret) kann in die Blase oder in den Dünndarm abgeleitet werden. Als physiologischere "enterische Drainage" wird dabei die Duodenojejunostomie präferiert.

20 bis 30 Prozent der Transplantate werden abgestoßen. Typische chirurgische Komplikationen sind die Thrombose der Transplantatvene sowie eine Pankreatitis.

Die Transplantationsfunktionsrate nach Simultan-Pankreas- und Nieren-Transplantation liegt nach einem Jahr bei 95 Prozent, nach 20 Jahren immerhin noch bei 32 Prozent.

Noch Zukunftsmusik

Zum Vergleich: Bei der Verabreichung isolierter Inselzellen - dabei werden Inselzellsuspensionen in die Pfortader gespritzt und die Zellen setzen sich in der Leber fest - sind die transplantierten Zellen nach fünf Jahren nur noch bei zehn Prozent der Behandelten funktionsfähig (Insulinfreiheit).

Dieses Verfahren erscheint zwar als elegant, ist aber wegen der bescheidenen Langzeiterfolge weniger überzeugend.

Fazit: Ähnlich wie auch die bariatrische Chirurgie von adipösen Typ-2-Diabetikern ist auch die Pankreas-Transplantation zu bewerten: Die Verfahren können zwar im Einzelfall äußerst hilfreich sein, sie sind aber aufgrund der schwierigen Umstände und des Organmangels auf wenige Patienten beschränkt.

Nur ein Bruchteil der Diabetiker kann damit behandelt werden. Erforscht wird zwar auch das sogenannte künstliche Pankreas. Dabei soll Insulin aus einer Pumpe freigesetzt, und die Dosis automatisch an gleichzeitig gemessene Blutzuckerwerte angepasst werden.

Diese Techniken sind aber - trotz einiger Erfolge - bisher noch Zukunftsmusik.

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