Direkt zum Inhaltsbereich

Herzschwäche bei Diabetes

Begünstigen Antidiabetika eine Herzinsuffizienz?

Bis zu zwei Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland leiden gleichzeitig an Diabetes und Herzinsuffizienz. Wie hängen beide zusammen? Das haben mehrere Studien analysiert – die "Ärzte Zeitung" zeigt die Ergebnisse.

Von Prof. Hellmut Mehnert Veröffentlicht:
Welche Verbindung haben Diabetes und Herzschwäche?

Welche Verbindung haben Diabetes und Herzschwäche?

© Gerhard Seybert / Fotolia

Diabetes ist ein Risikofaktor für eine Herzinsuffizienz. Bis zu zwei Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland leiden an beiden Krankheiten gleichzeitig. Die Prognose ist eher ungünstig. Risikofaktoren für Herzinsuffizienz bei Diabetes sind hohe HbA1c-Werte, ein hoher Body-Mass-Index (BMI), fortgeschrittenes Alter, koronare Herzkrankheit, Retino- und Nephropathie sowie angeblich eine Therapie mit hohen Insulindosen in der Vergangenheit.

Begünstigen nun bestimmte Antidiabetika die Entstehung einer Herzinsuffizienz? Das wird bei modernen Präparaten in großen Studien abgeklärt.

Nur ein zufälliges Phänomen

In der SAVOR-Studie mit dem DPP4-Hemmer Saxagliptin ergab sich zwar eine vermehrte stationäre Aufnahme wegen Herzschwäche. Dabei handelt es sich aber wahrscheinlich eher um ein zufälliges Phänomen.

Der DPP4-Hemmer Sitagliptin führte in der TECOS-Studie zumindest nicht zu vermehrten Klinikaufnahmen wegen Herzinsuffizienz.

Interessant sind die Ergebnisse mit dem SGLT2-Hemmer Empagliflozin. In der EMPA-REG OUTCOMEStudie mit kardiovaskulären Risikopatienten ergaben sich außer hochsignifikanten günstigen Effekten auf die kardiovaskuläre und die Gesamtmortalität auch eine um 35 Prozent reduzierte Zahl von stationären Aufnahmen wegen Herzinsuffizienz.

Therapieoptionen je nach Stadium

Welche Behandlungsoptionen gibt es für betroffene Diabetiker? Zur pharmakologischen Basistherapie werden entweder eine RAAS-Blockade mit ACE-Hemmern oder Sartanen oder Beta-Blocker empfohlen.

Hinzu kommen im Stadium NYHA II Aldosteron-Antagonisten und / oder Diuretika anderer Art und im Stadium NYHA III Ivabradin. Ausreichende Daten für eine Behandlung mit Digitalispräparaten bei Diabetes und Herzinsuffizienz liegen nicht vor.

Neuere Präparate vom Typ des Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin- Inhibitors (LCZ696) befinden sich in der Prüfung. In einer fortgeschrittenen Stufe der Therapie kommen kardiale Synchronisationstherapien und implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren in Betracht.

Dies wird allerdings nur bei Patienten mit schwerwiegender Herzinsuffizienz und Sinusrhythmus empfohlen sowie bei einer Ejektionsfraktion unter 35 Prozent trotz ausgereizter medikamentöser Therapie und einer Lebenserwartung des Patienten von mehr als einem Jahr.

Kardioverter-Defibrillatoren

Im Hinblick auf implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) unterscheidet man den primären und den sekundär prophylaktischen Einsatz. Zur Primärprophylaxe wird bei Diabetikern ein ICD unter ähnlichen Indikationen verwandt, wie für die Chronisationstherapie.

Die Implantation eines ICD zur Sekundärprophylaxe ist angezeigt bei Patienten mit ventrikulären Arrhythmien und hämodynamischer Instabilität und wiederum bei einer Lebenserwartung von mehr als einem Jahr.

Als Ultima Ratio gibt es schließlich die Herztransplantation, die für Herzinsuffizienz-Patienten im Endstadium (NYHA IV) in Betracht kommt. Ein Diabetes ist dabei in der Regel keine Kontraindikation für die Transplantation.

Eine deutlich erhöhte Sterblichkeit nach Herztransplantation haben aber Patienten mit fortgeschrittenem Diabetes und gleichzeitiger Niereninsuffizienz oder zerebrovaskulären Erkrankungen oder obliterierender Angiopathie der unteren Extremität oder auch mit Adipositas.

Das Fazit: Ebenso wie Diabetes nimmt auch die Herzinsuffizienz bei Diabetes in Deutschland ständig zu. Sie geht bei Zuckerkranken mit einer erhöhten Mortalität einher. Deshalb sind Früherkennung und frühe Therapie dringend geboten.

Eine zu späte kardiale Diagnostik sowie die unzureichende Ausschöpfung der verschiedenen Therapieformen verschlechtern die Prognose dramatisch.

Prof. Hellmut Mehnert widmet sich seit über 50 Jahren den Themen Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselleiden. 1967 hat er das erste Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland gegründet. Er ist Träger der Paracelsus-Medaille der Deutschen Ärzteschaft.

Mehr zum Thema

Prognose meist günstig

Schulterschmerzen in der Hausarztpraxis: Aufklären statt röntgen!

Datenbankanalyse

Vorsicht bei der Kombination von Antikonvulsiva mit DOAK

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Therapie mit Glukokortikoiden

Was beim Absetzen von Steroiden zu beachten ist

Lesetipps
Ein Mann muss aufstoßen und hält sich die Hand vor den Mund.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Vier Ursachen im Überblick

Häufiges Aufstoßen: Woher es kommen kann und wie therapiert wird

Eine ältere Frau schaut traurig aus dem Fenster

© terovesalainen / stock.adobe.com

Empfehlungen für die Therapie

So holen Sie Ihre Patienten aus der Post-Stroke-Depression

Ein Mann hält sich den Kopf und verzieht das Gesicht.

© TheSupe87 / stock.adobe.com

Internationale Analyse

Nehmen Schmerzen mit dem Alter wirklich immer weiter zu?